Health-Check: Ergebnisse und Auswirkungen auf die österreichische Milchwirtschaft (Teil 2)

Die Zielsetzung der Broschüre ist es, die Hintergründe der Entscheidungen der Gesundheitsüberprüfung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) zu erläutern. Im zweiten Teil liegt der Schwerpunkt auf den wirtschaftlichen Folgen der Gesundheitsüberprüfung und den Handlungsoptionen zur Betriebsentwicklung.
Die Entwicklung der Erzeugerpreise ist ein Unsicherheitsfaktor in Modellrechnungen und bei betriebsindividuellen Entscheidungen.
Die Entwicklung der Erzeugerpreise ist ein Unsicherheitsfaktor in Modellrechnungen und bei betriebsindividuellen Entscheidungen.
Zur Bewältigung der neuen Herausforderungen konnten Begleitmaßnahmen für ein nationales Milchpaket erreicht werden. Einerseits kann eine an die Milchproduktion gekoppelte Unterstützung wie eine Milchkuhprämie im jährlichen Ausmaß von ca. 26 Mio. Euro gewährt werden. Im Bereich der ländlichen Entwicklung wurde das Auslaufen der Milchquoten als neue Herausforderung anerkannt, wobei die neuen Modulationsmittel zur Gänze dafür herangezogen werden können.

Keine Angst vor Wachstum!
Viele österreichische Milcherzeugerbetriebe stehen auf mehreren Einkommensstandbeinen. Ein gezieltes und auf die Möglichkeiten der Milchbauern und des Betriebes abgestimmtes Wachstum kann neben einer Verbesserung des Einkommens auch die Arbeitsqualität und Arbeitswirtschaft wesentlich verbessern.
Nicht jeder Milchbauer wird zukünftig große Wachstumsschritte durchführen. Auch kleinere Schritte, wie eine laufende Verbesserung der verkauften Milchmenge, eine geringfügige Aufstockung der Kühe oder eine Auslagerung der Kalbinnenaufzucht sind kurz- und mittelfristig denkbare Wege. Langfristig sind jedoch klare Ziele und Entwicklungsstrategien zu verfolgen.

Keine Einkommenseinbußen
Treten die mittelfristige Prognosen für die internationale Nachfrage bei Milch ein, könnte die zusätzlich produzierte Milch in der EU abgesetzt werden. Durch den Wegfall der Milchquote sollten sich die Kosten für die Ausdehnung der Milchproduktion verringern. Unter Berücksichtigung der geplanten Begleitmaßnahmen zeigen die einzelbetrieblichen Analysen, dass die österreichischen Milchviehbetriebe im Durchschnitt keine Einkommenseinbußen zu erwarten hätten. Die Milchproduktion wird in Zukunft noch mehr von internationalen Entwicklungen auf den Agrar- und Rohstoffmärkten beeinflusst. Konkret bedeutet diese Entwicklung, dass sich Produkt- und Betriebsmittelpreise rascher als bisher sowohl nach oben als auch nach unten bewegen werden. Daher gewinnt in den kommenden Jahren das betriebliche Management für den Betriebserfolg an Bedeutung. Strategische Überlegungen und ständige Weiterbildung bilden eine gute Voraussetzung dafür, die richtigen Entscheidungen für den Betrieb zu treffen und die sich bietenden Chancen zu ergreifen.

Wie die Milch absetzen?
Eine entscheidende Herausforderung für die Milchbauern, Liefergemeinschaften und Genossenschaften wird die Diskussion und Entscheidung über ein mögliches privatwirtschaftliches Modell zur Zusammenarbeit von Erzeuger und Verarbeiter mit dem Ziel einer Preisstabilisierung sein. Die Schweiz hat uns in den letzten Wochen gezeigt, wie schwierig eine regional oder national akkordierte Vorgangsweise zwischen den beteiligten Produzentenorganisationen und Verarbeitern ist.
Klar ist: Weder ist ein staatlich geregeltes EU-weites Quotensystem zu erwarten, noch ein national staatlich geregeltes Mengenmanagement zulässig. Auf privatrechtlicher Basis ist ein Mengenmanagement grundsätzlich erlaubt, sofern das EG-Kartellrecht beachtet wird. Dies dürfte auf eine Neuordnung der Vertragsbeziehungen zwischen den Milchlieferanten und Käufern (Abnehmern) hinauslaufen.

Autoren: DI Dr. Leopold KIRNER, AWI; DI Christian ROSENWIRTH und DI Mathias JANKO, BMLFUW; und Ing. Fritz STOCKER, LK- Steiermark


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Aktualisiert am: 02.04.2009 16:54
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