Health-Check: Ergebnisse und Auswirkungen auf die österreichische Milchwirtschaft

Die Zielsetzung der Broschüre ist es, die Hintergründe der Entscheidungen der Gesundheitsüberprüfung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) zu erläutern, die für den Milchbereich relevanten Ergebnisse darzustellen, deren Auswirkungen herauszuarbeiten und mit Hilfe von Modellrechnungen zu bewerten. Davon werden Handlungsoptionen abgeleitet, für die Betriebe aufgezeigt und ein Ausblick auf die zukünftigen Herausforderungen vorgenommen.
Kann zusätzliche Milch tatsächlich vermarktet werden?
Kann zusätzliche Milch tatsächlich vermarktet werden?
Bereits im Zuge der Beschlüsse zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik im Jahr 2003 (GAP-Reform 2003) wurde vereinbart, dass eine Nachjustierung im Jahr 2008 auf Basis der bisherigen Erfahrungen insbesondere mit der Entkoppelung der Direktzahlungen erfolgen soll. Daher spricht man bei den politischen Beschlüssen vom 20. November 2008 von der Gesundheitsüberprüfung (Health Check) der GAP. Die offizielle Beschlussfassung der Rechtstexte der Gesundheitsüberprüfung erfolgte am 19. Jänner 2009 unter tschechischer Präsidentschaft.

Milchquotenerhöhung
Die große Mehrheit der Mitgliedsstaaten (MS) der Europäischen Union (EU) trat für das Auslaufen der Milchquotenregelung mit 31.3.2015 ein. Darüber hinaus wurde von der EK kein Vorschlag für eine weitere Verlängerung vorgelegt. Der zentrale Punkt für die europäische Milchwirtschaft war daher die Festlegung der Übergangsmaßnahmen zum Quotenauslauf (soft-landing), um sowohl die Milchbauern als auch die Molkereien auf die Situation ohne staatliche Mengenregelung vorzubereiten. Bereits seit längerem favorisierte die EK eine stufenweise Erhöhung der Milchquoten als Übergangsmaßname. Vorgeschlagen und letztendlich beschlossen wurde eine Erhöhung der Milchquoten in allen MS in fünf Schritten um jeweils +1 % basierend auf der jeweiligen Menge des Vorjahres. Beginnend mit dem Quotenjahr 2009/10 werden für die EU-27 die Milchquoten bis 2013/14 um insgesamt 7,468 Mio. t oder 5,1 % erhöht. Die Summe der Liefer- und Direktverkaufsquote in der EU-27 beträgt im Quotenjahr 2008/09 insgesamt 146,411 Mio. t und steigt durch die Quotenerhöhung auf 153,880 Mio. t im Quotenjahr 2014/15 an, in Österreich von 2,847 Mio. t um 145.250 t auf 2,993 Mio. t. Allerdings forderten eine Reihe von MS eine noch viel deutlichere Erhöhung um insgesamt bis zu +18 % für die verbleibenden sechs Quotenjahre.

Lediglich für Italien kommt das sogenannte „Frontloading“ zur Anwendung, das die Gewährung der gesamten 5,1 % Milchquotenerhöhung bereits im Quotenjahr 2009/10 bedeutet. In diesem Zusammenhang wurde eine Super-Überschussabgabe für alle Mitgliedstaaten eingeführt. Dabei wurde festgelegt, dass wenn die gesamte nationale Anlieferung in den Quotenjahren 2009/10 und 2010/11 die nationale Quote von 2008/09 um 6 % übersteigt, für diese über 6 % hinausgehende Menge die Überschussabgabe 150 % der derzeit vollen Überschussabgabe (27,83 Ct/kg) und somit 41,75 Ct/kg beträgt. Das Ziel dieser Bestimmung ist, eine über die volle Zuteilung hinausgehende exzessive Produktionsausdehnung Italiens in den nächsten zwei Quotenjahren zu vermeiden. Es könnten aber auch andere MS bei übermäßiger Anlieferungsausweitung von dieser Regelung betroffen sein.

Zur Überprüfung der Übergangsmaßnahme für das Auslaufen der Milchquotenregelung (Milchquotenerhöhung) werden die Entwicklung und Situation am Milchmarkt jeweils Ende 2010 und 2012 beurteilt und davon abgeleitet eventuell Adaptierungen vorgenommen.

Anpassung Fettkorrektur
Bei Überschreitung des einzelbetrieblichen Referenzfettgehalts der Lieferquote wird mittels des Fettkorrekturkoeffizienten die angelieferte Milchmenge durch eine rein rechnerisch ermittelte zusätzliche Anlieferungsmenge an den tatsächlich durchschnittlich angelieferten Fettgehalt angepasst. Bei einer positiven Fettkorrektur (tatsächlicher Fettgehalt ist höher als Referenzfettgehalt der Quote) betrug der Korrekturkoeffizient bisher 0,18 % je 0,01% Fettgehalt. Ab dem Quotenjahr 2009/10 halbiert sich der Koeffizient bei positiver Abweichung auf 0,09 % je 0,01 % Fettgehalt. Dieser Faktor beschreibt die bei der Quotenabrechnung berücksichtigte zusätzliche Milchmenge je Hundertstel Fettgehalt. Der durchschnittliche österreichische Referenzfettgehalt wird dadurch indirekt von 4,03 % auf ca. 4,13 % erhöht. Der Koeffizient für eine negative Fettkorrektur (tatsächlicher Fettgehalt geringer als Referenzfettgehalt) wurde mit 0,18 % beibehalten. In den letzten Quotenjahren betrug das Ausmaß der Fettkorrektur nahezu die gesamte österreichische Überlieferung. Bei einer vergleichbaren Anlieferung wie im Quotenjahr 2007/08 hätte das eine Halbierung der Überschussabgabe zur Folge. Beispielsweise wären anstatt 23,5 Mio. € nur 10,4 Mio. € an Überschussabgabe angefallen.

Autoren: DI Dr. Leopold KIRNER, AWI; DI Christian ROSENWIRTH und DI Mathias JANKO, BMLFUW; und Ing. Fritz STOCKER, LK- Steiermark


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Aktualisiert am: 20.03.2009 09:21
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