Hält die Ebermast was sie verspricht?

Umfangreiche Versuche zur Ebermast wurden jetzt im Landwirtschaftszentrum Haus Düsse durchgeführt. Im Vordergrund standen Fragen zur Wirtschaftlichkeit und Praktikabilität im Maststall. Bewertet wurden Schlachtkörper, Fütterungs- und Aufstallungseinflüsse sowie die Variablen Schlachtalter und Schlachtgewicht.
133 Eber standen, ebenso wie 37 Vergleichssauen, in Gruppenhaltung, 81 Eber wurden einzeln gehalten. Als Futter wurden eine Standardfuttermischung sowie jeweils eine proteinreduzierte und eine proteinreiche Futtermischung. In der Gruppe erfolgte die Fütterung über ad libitum verabreichtes Fließfutter; in der Einzelhaltung wurde das mehlförmige Futter über Automaten angeboten.

Höhere Tageszunahmen als die Sauen

Es zeigte sich, dass „die Eber mit 850 g täglichen Zunahmen in der proteinreduzierten Gruppe bzw. mit 870 g in der Standardfuttergruppe der Gruppenhaltungsvariante bei einem Schlachtgewicht von ca. 86 kg deutlich frohwüchsiger waren als die Sauen. Die sehr guten Werte aus dem Warentest von 2008, in welchem die Kastraten Tageszunahmen von mehr als 900 g aufwiesen, erreichten die Eber nicht. Deutlich wurde ebenfalls, dass mit dem aufgewerteten Futter die täglichen Zunahmen der Eber anstiegen. Besonders augenfällig war dies in der Einzelhaltung. Das Endgewicht spielt keine ausschlaggebende Rolle, denn: „Die Eber erreichten fast identische Tageszunahmen – egal ob sie auf 85 oder 95 kg Schlachtgewicht gemästet wurden.

Unterm Strich: Mast der weiblichen Tiere wirtschaftlicher

Im Gegensatz zu anderen Versuchen ließ die Futterverwertung der Eber zu wünschen übrig. Sie lag 0,10 kg schlechter als im Durchschnitt des letzten Warentestes. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass die Eber in Einzelhaltung einen Teil des Futters vergeudeten. Auch der Rückenmuskelanteil der Eber war geringer als erwartet. „Während die Sauen jeweils über 60 cm² Rückenmuskelfläche am Anschnitt zwischen der 13. und 14. Rippe hatten, erreichten die Eber bei vergleichbarem Schlachtgewicht die 54 cm² -Marke im Mittel nicht.“ Allerdings überzeugten die Eber mit ihren geringen Speckmaßen. Dennoch schnitten unter dem Strich die Sauen trotz längerer Mast und höheren Futterkosten besser ab als ihr männliches Pendant. Das heißt, im Versuch war die Wirtschaftlichkeit der Mast von weiblichen Tieren ist höher als die von männlichen. Auch wenn die Muskelfleischanteil-Bestimmung nach Auto-FOM für Eber nicht passend ist, wird klar, dass höhere Endgewichte mit höheren Magerfleischanteilen einhergehen. Ein Endgewicht von 95 kg bei Ebern ist unter wirtschaftlichen Gesichtpunkten optimal.

„Düsser Ergebnisse zur Ebermast“ von Dr. Friedhelm Adam, Christiane Schulze Langenhorst und Ludger Bütfering in Landwirtschaftliches Wochenblatt 42/09, S. 33 – 36


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Aktualisiert am: 27.11.2009 07:04
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