Gute Geburtsüberwachung beim Schwein wichtig

Es sind bereits die ersten Lebensstunden eines Ferkels, die über dessen weitere Entwicklung, Vitalität und Lebensfähigkeit entscheiden. Genau aus diesem Grund sollte der Tierhalter ein besonderes Augenmerk auf den Geburtsverlauf jeder einzelnen Zuchtsau legen. Dies gewährleistet dem Ferkelwurf einen guten Start ins gesunde Schweineleben.
Eine gute Geburtsüberwachung zahlt sich doppelt aus. Foto: Löffler
Eine gute Geburtsüberwachung zahlt sich doppelt aus. Foto: Löffler
Der normale Geburtsvorgang einer Zuchtsau erstreckt sich über zwei bis vier Stunden, wobei der Abstand von einem Ferkel zum nächsten zwischen 10 und 30 Minuten beträgt. Eine Geburtsdauer von mehr als vier Stunden ist nicht nur belastend für die Muttersau und deren Ferkel, auch die Anzahl der totgeborenen Ferkel erhöht sich dadurch. Ebenfalls wurde nachgewiesen, dass ein zu langer Geburtsverlauf die Konzeptionsrate (Prozentzahl der besamten Tiere, die tragend werden) bei der nächsten Besamung verringert. Eine gute Geburtsüberwachung zahlt sich also doppelt aus: Beim aktuellen Wurf wird durch die Geburtsüberwachung die Gefahr von Totgeburten verringert. Auf die weitere Fruchtbarkeitsleistung der Zuchtsau wirkt sich eine rasche Geburt ebenfalls positiv aus. Aber wann ist es nun erforderlich, dass der Landwirt in das Geburtsgeschehen einer gebärenden Zuchtsau eingreift? Wie ist ein verzögerter Geburtsverlauf rechtzeitig erkennbar?

Wehenschwäche
Eine der häufigsten Ursachen, die eine Geburt beim Schwein zum Stehen bringt, ist die Wehenschwäche. Sie zeichnet sich durch eine verminderte Kontraktionsbereitschaft der Gebärmuttermuskulatur aus. Grund für eine Wehenschwäche sind meist aufgebrauchte Energiereserven beziehungsweise Kalziumreserven der erschöpften Zuchtsau. Wenn mehr als 30 Minuten seit dem letztausgetriebenen Ferkel vergangen sind, eine Wölbung des Muttertierbauches aber noch Früchte in der Gebärmutter erwarten lässt oder bereits sechs Stunden nach dem ersten Milcheinschuss vergangen sind und noch kein Ferkel geboren wurde, so muss eine geburtshilfliche Untersuchung durchgeführt werden. Vor der Geburtshilfe kann die Muttersau durch eine vorsichtige Massage am Gesäuge beruhigt werden. Hierbei drehen sich die Tiere oftmals noch vollständig in Seitenlage, sodass eine leichtere Handhabung mög - lich ist. Beim Eingreifen in die Vagina wird die gereinigte, mit Gleitschleim eingehüllte Hand hierbei mit geschlossenen Fingern und Daumen kegelförmig eingeführt. Diese schonende Handhaltung verhindert mögliche Geburtsverletzungen insbesondere bei Jungsauen mit engem Beckeneingang. Die geburtshelfende Person sollte beim Ertasten/Befühlen der Gebärmutter auf einen freien Geburtskanal achten. Bei der Wehenschwäche ist der Geburtsweg frei, aber die Gebärmutterwand selbst fühlt sich schlaff und weiträumig an. Diese verminderte Kontraktionsbereitschaft der Gebärmuttermuskulatur lässt sich durch den Einsatz wehenanregender Mittel beheben.

Autorin: Tierärztin Helen LÖFFLER, Traunkreis Vet Clinic, Ried im Traunkreis

Den gesamten Artikel können Sie in der Ausgabe 5/2013 des "Fortschrittlichen Landwirts" nachlesen.
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Weitere Themen in diesem Heft:
  • Fütterungssysteme für Mastschweine Teil 1
  • Schweinehalter und Öffentlichkeit
  • Interview mit Dr. Ulrich Herzog

Aktualisiert am: 20.02.2013 14:28
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