Gummimatten für Sauen – was können sie leisten?

Klauenveränderungen und Verletzungen an den Gliedmaßen werden in der modernen Sauenhaltung immer öfter als Verlustursache erkannt. Der Frage, ob Gummimatten eine geeignete Vorbeugemöglichkeit darstellen, wurde in Bayern nachgegangen.
Die Häufigkeit von Schleimbeutelentzündungen und Schürfwunden ging während der Trächtigkeit deutlich zurück, Gliedmaßenverletzungen und Klauenveränderungen nahmen jedoch zu
Die Häufigkeit von Schleimbeutelentzündungen und Schürfwunden ging während der Trächtigkeit deutlich zurück, Gliedmaßenverletzungen und Klauenveränderungen nahmen jedoch zu
Klauenschäden und Klauenpflege bei Sauen sind derzeit viel diskutierte Themen. Praktiker beklagen die durch Bein- und Klauenschäden bedingten Sauenverluste sowie die aufwändigere Betreuung beinschwacher Tiere. Während das Übel erkannt ist, fehlen leider noch klare und umsetzbare Lösungs- und Vorbeugemöglichkeiten.

Trächtigkeitsphase ist bedeutend
Die Trächtigkeit dürfte für die Gliedmaßen- und Klauengesundheit von Sauen eine entscheidende Phase sein. Zum einen nimmt die Haltung im Wartebereich etwa die Hälfte der gesamten Haltungsdauer der Sauen ein, zum anderen wird durch die in der Gruppenhaltung mögliche Bewegung die Bodenbeschaffenheit bedeutender. Die in der Gruppenhaltung bis zur Ausbildung einer stabilen Rangordnung unvermeidbaren Auseinandersetzungen zwischen den Sauen stellen dabei eine besondere Gefahr dar.

Keimbelastung ist gleich
Erfreulicherweise war die Keimbelastung des Bodens in den Buchten mit Gummimatten auch am Ende des Versuchs, also nach etwa 15 Monaten, nicht höher als am Betonspaltenboden, obwohl die Gummimatten wegen des schlechteren Kotdurchtritts und der etwas langsameren Abtrocknung nässer und schmutziger waren als der Betonboden.
Ein geringerer Klauenabrieb auf den Gummimatten führte über die Trächtigkeit zu längeren Klauen bei den Sauen. Der Unterschied betrug jedoch nur gut einen Millimeter. Anzahl und Gewicht der geborenen Ferkel wurde nicht von der Bodengestaltung im Wartestall beeinflusst.

Positive Beinflussung
Ähnlich wie in der Rinderhaltung dürften Gummimatten die Gliedmaßen- und Klauengesundheit von Sauen positiv beeinflussen. Ob sich daraus ein wirtschaftlicher Vorteil für den Sauenhalter ergibt, der zumindest die Anschaffungskosten der Gummimatten ausgleicht, kann derzeit noch nicht beantwortet werden.

Wirtschaftlichkeit nicht geklärt
Die Wirtschaftlichkeit hängt unter anderem davon ab, ob sich die gesünderen Gliedmaßen und Klauen in der Produktionsleistung niederschlagen. Zu denken wäre hier an eine verlängerte Nutzungsdauer, an geringere Ferkelverluste durch Erdrücken während der Säugezeit oder an eine mögliche stärkere Leistungsselektion der Sauen aufgrund der Ferkelzahl, wenn weniger Tiere wegen „Fundamentproblemen“ gemerzt werden müssten. Für den Ferkelerzeuger von Interesse ist auch, ob das etwas stärkere Klauenwachstum für die Sauen tatsächlich problematisch wird und gar eine regelmäßige Klauenpflege nötig macht.

Antworten finden
Letztlich ist auch noch zu klären, wo Gummimatten am vorteilhaftesten eingesetzt werden sollten: während der Trächtigkeit in der gesamten Bucht oder nur im Liegebereich oder nur auf Teilen der Lauffläche? Hier müssen weitere Versuche durchgeführt und Erfahrungen mit dem Einsatz von Gummimatten auch in Praxisbetrieben gesammelt werden. Nicht zuletzt sind die Hersteller gefordert, Matten zu entwickeln, die den Anforderungen von Schweinen gerecht werden.

Autoren: Dr. Christina JAIS und Peter OPPERMANN, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Grub (D)


Aktualisiert am: 23.10.2008 15:20
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