Günstige Umbaulösung: vom Anbindestall zum Laufstall

Im Zuge des Strukturwandels in der Milcherzeugung entsteht zunehmend Bedarf an sinnvollen Umbaulösungen für Anbindeställe. Entweder werden sie in ein Um- bzw. Ausbaukonzept für einen Milchviehlaufstall integriert oder es muss eine andere sinnvolle Verwendung für diese Gebäude gefunden werden. In vielen Fällen kann das ein Laufstall für Aufzuchtrinder sein.
Durch die Kombination der Funktionsbereiche Fressen und Liegen in Fressliegeboxen, wird Platz in der Tiefe gespart.
Durch die Kombination der Funktionsbereiche Fressen und Liegen in Fressliegeboxen, wird Platz in der Tiefe gespart.
Voraussetzung für die Weiternutzung eines alten Anbindestalles als Rinderstall ist ein arbeitswirtschaftlicher Betrieb des Gebäudes.

Arbeitswirtschaft und Tierkomfort
Wichtige Faktoren dabei sind die Befahrbarkeit des Futtertisches, eine Reduzierung der zu versorgenden Futterachsen oder ein einstreuarmes Haltungsverfahren. Neben der Arbeitswirtschaft spielt der Tierkomfort eine wesentliche Rolle- er muss sich für die betroffene Tiergruppe verbessern. Einflussfaktoren sind hier das Stallklima, das Platzangebot insgesamt, die möglichen Funktionsmaße für Fress- und Liegeplätze sowie die Trennung von Fress-, Liege- und Bewegungsbereich.

Wandständige Liegeboxen oder Fressliegeboxen ?
Der Kurzstand mit Gitterrost gilt als am weitesten verbreitete Anbindehaltungsform und benötigt geringe Einstreumengen, daher sollte die Umnutzung ebenfalls ein einstreuarmes Verfahren vorsehen. Eine Änderung hin zu einem Festmistverfahren würde meistens zusätzlichen baulichen, technischen und arbeitswirtschaftlichen Aufwand bedeuten. Auch die Verfügbarkeit von Stroh müsste in diesem Zusammenhang geprüft werden. Daher lassen sich zwei Verfahren als besonders günstig ableiten: Hochboxen oder Fressliegeboxen. Welche Aufstallung schließlich in Frage kommt hängt von den Platzverhältnissen im Stallgebäude ab und ob man das Gebäude ausbauen kann oder will.
Durch die Kombination der Funktionsbereiche Fressen und Liegen in Fressliegeboxen, wird Platz in der Tiefe gespart. Der Kopfraum am Liegeplatz befindet sich über der Futterkrippe und der Laufgang hinter den Fress-Liegeplätzen muss nicht so breit sein wie ein Fressgang. Die Krippenwand soll nach Möglichkeit nicht höher als 30 cm sein, damit ein problemloser Kopfschwung beim Aufstehen erfolgen kann. In solchen Ställen können Tiere bis zu einem Alter von ca. 20 Monaten gehalten werden.

Gummimatten müssen tiergerecht sein
Ein stroharmes System erfordert eine tiergerechte Gummimatte (Elastizität, Rutschsicherheit, guter Abfluss von Flüssigkeiten!) als Unterlage für den Liegeplatz. Wenn die Selbstdrainage der Liegefläche nicht ausreicht, hilft leichte Einstreu von Häckselstroh oder Strohmehl Liegeplatz und Tiere trocken und sauber zu halten. Voraussetzung für die Installation von Gummimatten ist eine glatte, geschlossene Betonfläche, da die Matten keine Bodendellen oder ähnliches ausgleichen können. Unebenheiten von Anbindeständen müssten deshalb gegebenenfalls ausgebessert werden. Je nachdem, ob die Boxenbügel freitragend sind, kommen Einzelmatten oder Bahnenware in Betracht.
Die baulich günstigste Variante ist der unveränderte Erhalt des Gitterrostes und des Stallganges bzw. des Fressplatzes als planbefestigte Fläche. Daraus folgt jedoch eine notwendige Reinigung von Hand. Arbeit sparender, jedoch kostenaufwändiger wäre die Ausstattung dieser Flächen mit Spaltenboden. Sofern der Gitterrost erhalten bleibt und einen Teil der Buchtenfläche darstellt, muss er trittsicher gemacht werden. Bleibt das aus, besteht für die Tiere eine erhebliche Verletzungsgefahr für Klauen und durch Ausrutschen. Das kann zum Beispiel durch das Aufschrauben von gebrauchten Gummimatten geschehen. Wenn auf beiden Seiten dieses Belages ein Streifen frei bleibt, wird das Reinigen von Liege- und Laufflächen erleichtert. Je nach Gegebenheiten vor Ort müssen für die Installation der Boxenbügel die alten Tränken gegebenenfalls entfernt werden. In diesem Fall wäre ein Ersatz von Tränkebecken an der Stallaußenwand nötig .(Uwe Eilers, Bildungs- und Wissenszentrum Aulendorf/Deutschland)


Die vorgeschriebenen Abmessungen können Sie aus dem Handbuch Rinder des Lebensministeriums entnehmen. Die Checkliste für tierschutzrelevante Fragen finden Sie ebenfalls in unserem Downloadcenter.

Hier können Sie das kostenlose Probeheft über die Umbaumöglichkeiten bestellen.


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Aktualisiert am: 29.07.2009 09:35
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