Günstige Rohfaser für gesunde Sauen

Rohfaser ist nicht gleich Rohfaser. Kaum ein Inhaltsstoff wirkt komplexer als dieser. Für die Sauenhaltung zählt, billige Rohfaserträger optimal miteinander zu kombinieren. Hier einige Beispiele.
Rohfaser bewirkt das Aufquellen des Verdauungsbreis und regt die Darmtätigkeit an.
Rohfaser bewirkt das Aufquellen des Verdauungsbreis und regt die Darmtätigkeit an.
Sauen-Rationen bestehen in vielen Betrieben aus der Hauptkomponente Getreide plus Protein- und Rohfaserträger sowie Mineralfutter. Die Rohfaserträger sind dabei oft Stein des Anstoßes. Hintergrund ist meist das Argument, dass die verschiedenen Rohfaserträger deutlich weniger Nährstoffe als das eigene Getreide enthalten, aber trotzdem kaum preisgünstiger in Bezug auf die Energielieferung sind. Zudem sind manche dieser Rohfaserträger auch nicht immer am Markt in der gewünschten Menge erhältlich.

Konditionierung
Ausgangsbasis in der Fütterung ist der Bedarf des Tieres nach Leistungsstadium und Alter der Sau, ausgedrückt durch Wurfziffer und Trächtigkeitsdauer. Zusätzlich haben natürlich noch die Umgebungstemperatur und Haltungssystem Einfluss auf den Energiebedarf. Die Konditionsklassen dienen als probates Werkzeug, um jedes Einzeltier leistungsgerecht zu versorgen und in der gewünschten Verfassung zum Zeitpunkt des Abferkelns zu konditionieren. In der Praxis erfolgt dies in den allermeisten Betrieben über die Futtermenge. Das entsprechende Tragefutter enthält in der Regel 12 MJ ME bei 13 % Rohprotein und 0,6 % Lysin mit 0,6 % Calcium und 0,22 % verdaulichem Phosphor.
Ziele einer bedarfs- und leistungsgerechten Fütterung sind, zu Beginn der Tragezeit Substanzverluste aus der vorhergehenden Säugephase auszugleichen, das noch eigene Wachstum einer jüngeren Sau zu berücksichtigen, aber genauso Verfettung in der Tragezeit zu vermeiden!

Nachteile von Rohfaserträgern
Gerste als alleiniges Rohfaserträger hat deutlich zu viel Energie, beim Hafer ist in vielen Jahren die Erntequalität suboptimal, d.h. es besteht akute Mykotoxingefahr. Ebenso kann es sich bei Kleien verhalten. Trockenschnitzel verfügen meist über einen hohen Zucker-, Kalzium- und Kaliumgehalt. Gerade hohe Zuckergehalte können zu schmierigen Spalten führen. Malzkeime können bei zu langer und heißer Trocknung einen bitteren Geschmack aufweisen. Zellulosekonzentrat und Fasermixe sind meist teure Komponenten.

Vorteile von Rohfaserträgern
Kleien führen dafür zu einer hohen Protein- und Phosphorlieferung, Trockenschnitzel verfügen über eine gute Quellfähigkeit und einen hohen BFS-Anteil, Cobs und Sojaschalen haben einen hohem Rohfasergehalt und BFS-Anteil bei einem relativ ausgeglichenem Calcium-Phosphorverhältnis. Rohfaserkonzentrate sind absolut mykotoxinfrei.

Grundsätze für Spitzenbetriebe
Folgende Grundsätze befolgen die erfolgreichen Sauenhalter: Futteranalysen des eigenen Getreides sind ein Selbstverständlichkeit. Unterstützt wird diese Aussage mit regionalen Ergebnissen. Die jährlich immer wieder auftretende Streuung bei Energie und Rohfaser, vor allem aber beim Rohproteingehalt erfordert Analysen, um Schwankungen in der Ration auszugleichen. Ein stetiges Controlling zwischen Komponenten, Ration und Fütterung muss stattfinden. Die Rohfaserkomponenten werden in geringen Anteilen auch in der Säugeration eingemischt, um Verdauungsdepressionen zu vermeiden.

Fazit
Es sind keine Geheimrezepte, die Betriebe erfolgreich macht, sondern permanentes Handeln und aktives Eingreifen und Umsetzen. Diese bekannten Faktoren und die stetige Motivation sind die Garanten des Erfolgs. Wissen und danach Handeln gehören zusammen.

Autor: DI Rüdiger WINTERSPERGER, Fleischerzeugerrings Oberfranken, Coburg (D)


Aktualisiert am: 22.04.2010 16:51
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