Gülle: Wenn der Lagerraum knapp wird

Das Nitrataktionsprogramm schreibt eine Lagerkapazität von mindestens sechs Monaten vor. Nach einem langen Winter wie diesem sind die Güllelager dennoch meistens bis zum Anschlag voll.
Runde Gruben sind aufgrund ihrer Bauweise ideal für die Homogenisierung der Gülle.
Runde Gruben sind aufgrund ihrer Bauweise ideal für die Homogenisierung der Gülle.
Durch den heurigen langen Winter wurden viele bestehende Güllebehälter bis zum Anschlag gefüllt. Das Ausbringen des wertvollen Wirtschaftsdüngers verzögert sich um einige Zeit und die zusätzlich entstehende Gülle muss anderwärtig gelagert oder abgegeben werden.

Schwemmkanäle eingerechnet
Durch das Nitrataktionsprogramm wird das Fassungsvermögen von Behältern zur Güllelagerung am Betrieb genau vorgeschrieben. Grundsätzlich muss eine Lagerkapazität von mindestens sechs Monaten vorhanden sein, wobei bestehende Schwemm- und Sammelkanäle in den erforderlichen Lagerraumbedarf eingerechnet werden können. Zur Berechnung des Fassungsvermögens wurde vom Österreichischen Kuratorium für Land- und Forstwirtschaft (ÖKL) das Merkblatt 24 erstellt. Ein Zuschlag für zusätzlichen Lagerstättenbedarf, bzw. für Wasser zum Verdünnen der Gülle, wird empfohlen. Dieses ÖKL- Baumerkblatt wird auch bei der Landwirtschaftsförderung angewendet. Zusätzlich werden bestimmte Betonsorten und technische Abdichtungsvarianten für den Grubenbau vorgegeben.

System an Gelände anpassen
Grundsätzlich kann man zwischen kubischen oder runden Güllegruben unterscheiden, die wiederum geschlossen als auch offen ausgeführt werden können. Für einen größeren Lagerungsbedarf haben sich als dritte Möglichkeit Güllelagunen bewährt. Es ist zweckmäßig, Tiefbehälter zu errichten, in welche die Gülle ohne Einsatz mechanischer Einrichtungen (z.B.: Pumpen) von selbst abfließen kann. Hochbehälter haben eine zahlenmäßig untergeordnete Bedeutung. Bei passenden fallenden Geländen kann die Entnahme auch tiefer erfolgen.
Das zu verwendende System richtet sich nach dem gegebenen Gelände am Betrieb.

Genehmigungsverfahren
Die Güllegruben und Lagunen werden aus baurechtlicher Sicht als bauliche Anlage gesehen und sind somit bewilligungspflichtige Anlagen. In Wasserschutzgebieten ist zusätzlich eine wasserrechtliche Bewilligung durch die Behörde erforderlich. Für die Einreichunterlagen benötigt man mindestens einen Grundriss, einen Querschnitt, den Lageplan und eine technische Beschreibung der Anlage. Geschlossene Güllelager sind in der Regel einfacher und schneller zu genehmigen als offene, wobei Güllelagunen aufgrund ihrer größeren Oberfläche mehr Aufklärungsbedarf bei den Verhandlungen benötigen. Hier kann es auch aus umwelthygienischer Sicht zu Problemen kommen.

Fazit
Aus technischer und wirtschaftlicher Sicht ist eine offene und runde Güllegrube oder Lagune die interessanteste Lösung für Betriebe, da das Aufmixen und die Entnahme der Gülle sehr einfach und schnell stattfinden kann. Falls sich eckige Gruben durch das Gelände ergeben, wäre es sinnvoll, diese an bestehende oder neu zu errichtende runde Güllegruben anzuschließen. Geländekorrekturen sollten so durchgeführt werden, dass diverse Berg- und Stützmauern nicht mehr notwendig sind und wegfallen können. Falls sich durch sehr steiles Gelände Stützmauern nicht vermeiden lassen, kann der entstehende Raum unter dem Stall gleich als Lagerraum ausgebildet werden.

Autor: Peter KNIEPEISS, LK Steiermark


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Aktualisiert am: 22.03.2010 11:09
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