Gülle: So kommt sie schnell und wirtschaftlich auf´s Feld

In der Biogaserzeugung und der Tierhaltung fallen große Mengen organischer Rückstände bzw. Gülle an. Auf Grund der großen Mengen, des begrenzten Ausbringzeitraumes und der zunehmenden Transportentfernungen deren schlagkräftige Ausbringung von besonderer Bedeutung.
Gülleübernahme des Gülletraks mittels Saugarm vom Zubringfass und angehängter 6-m-Kurzscheibenegge.
Gülleübernahme des Gülletraks mittels Saugarm vom Zubringfass und angehängter 6-m-Kurzscheibenegge.
Es stehen im Wesentlichen folgende drei Verfahren zum Ausbringen der Gülle – womit in diesem Beitrag auch die Gärrückstände der Biogaserzeugung gemeint sind - zur Verfügung:
- Ausbringen mit dem Güllefass,
- Mehrphasige Verfahren, bei denen der Transport zum Feld und das Verteilen getrennt sind und
- Gülleverschlauchung.
Die wesentlichen Arbeitsabschnitte bei den ersten beiden Verfahren sind das Befüllen, der Transport zum Feld und das Verteilen am Feld.

Nicht Größe, sondern Länge entscheidend
Für die Schlagkraft kommt es in erster Linie nicht auf die Größe, sondern auf die Länge des Schlages an. Ideal ist, wenn die Schlaglänge der Verteilstrecke entspricht. Ziel sollte sein, die Leerfahrten auf dem Feld möglichst zu vermeiden, da sich diese negativ auf den erforderlichen Arbeitszeitbedarf und die Bodenbelastung auswirken. In der Praxis wird daher häufig die Ausbringmenge in bestimmten Grenzen an die Schlaglänge angepasst.
Der Einfluss der Ausbringmenge pro Hektar und der Arbeitsbreite auf die Schlagkraft sind gering. Den entscheidenden Einfluss haben Fassgröße und Transportentfernung. Die Bedeutung der Fassgröße wird umso größer, je größer die Transportentfernung wird.

Selbstfahrer
Der Selbstfahrer kann zwischen 7,5 und 17 m³ Gülle aufnehmen. Empfehlenswert ist eine Reifendruckregelung. Mit Selbstfahrern können ab Feldrand bis über 100 m³ Gülle pro Stunde verteilt werden. Dies erfordert eine entsprechend leistungsfähige Transportkette für das Zubringen. Mit zunehmender Transportentfernung nimmt die Überlegenheit der großen Transportgespanne zu. Bei größeren Transportentfernungen wird sich der Tanksattelzug durchsetzen.
Ein dezentrales Zwischenlager in der Nähe der Ausbringflächen hätte den Vorteil, dass der Transport gleichmäßig über das Jahr verteilt werden kann. Damit können Arbeitsspitzen entschärft werden.

Verschlauchung
Die Verschlauchung ist die bodenschonendste Form der Gülleausbringung.
Aufgrund der Druckverluste in den Leitungen beträgt die maximale Schlauchlänge rund 1600 m. Bei größeren Feld-Hofentfernungen ist die Verschlauchung ab Feldrandcontainer bzw. großen Güllefässern möglich.
Große Arbeitsbreiten der Verteiler erfordern sehr leistungsfähige Pumpen, da ansonsten die Fahrgeschwindigkeit des Verteilfahrzeuges unter 1 km/h sein muss. In Deutschland werden Schleppschlauchverteiler von bis zu 24 m Arbeitsbreite eingesetzt. Diese bedingen beispielsweise bei einer Ausbringmenge von 30 m³/ha bei einer Fahrgeschwindigkeit von 1,9 km/h einen Volumenstrom der Pumpe von 140 m³/h.

Fazit
Grundsätzlich gilt, dass je größer die Feld-Hofentfernung ist, desto größer sollte auch das Fassvolumen sein. Mit dem LKW als Zugfahrzeug, der höhere mittlere Transportgeschwindigkeiten ermöglicht, kann weitere Transportzeit eingespart werden. Bei mehrphasigen Systemen kann ein Feldrandcontainer Wartezeiten der Transportfahrzeuge minimieren. Auf Grund des Aufwandes beim Umstellen werden Feldrandcontainer nur bei großen Schlägen eingesetzt, wo maximal einmal am Tag umgestellt werden muss.
Der Zeitbedarf beim Verteilen wird in erster Linie durch den Volumenstrom durch den Verteiler bestimmt. Die Arbeitsbreite des Verteilers und die Ausbringmenge/ha sind im Vergleich zur Fassgröße und Feld-Hofentfernung als Einflussfaktoren unbedeutend.
Die Gülleverschlauchung ist aufgrund der Rüst- und Nachbereitungsarbeiten erst ab einer zusammenhängenden Grundstücksgröße von 3 ha interessant.
Bei geringeren Hof-Feld-Entfernungen verursachen sehr große Güllefässer höhere Ausbringungskosten je m³ Gülle. Die Gülleverschlauchung vom Güllelager weg ist aufgrund der notwendigen Zuleitung nur im engsten Umkreis möglich und nur bei sehr großen Schlagflächen konkurrenzfähig. Eine Alternative für größere Entfernungen stellt die Gülleverschlauchung mittels absetzigem Verfahren dar, speziell wenn Aspekte der Bodenschonung mit einbezogen werden. Betriebe mit sehr unterschiedlichen Schlaggrößen und Hof-Feld-Entfernung müssen bei der Auswahl des optimalen Gülleausgringungsverfahrens Kompromisse eingehen. In die Überlegungen spielen auch noch die jährlichen Auslastung der Maschinen sowie der für die Gülleausbringung zur Verfügung stehende Zeitraum eine Rolle.

Autoren: Dipl. Ing. Franz HANDLER und Dipl.-HLFL-Ing. Emil BLUMAUER, FJ-BLT Wieselburg sowie Dipl. Ing. Bernhard STÜRMER und Dipl. Ing. Dr. Michael EDER, BOKU Wien


Autor:
Aktualisiert am: 23.09.2008 14:03
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