Gruppensäugen Zuchtsauen in Futterkamp beforscht

Die Gruppenhaltung von laktierenden Sauen war bisher wenig erforscht und wirft viele Fragen auf. Wie verhalten sich Sauen und Ferkel in der Gruppe? Welche Auswirkungen hat diese Haltungsform auf die biologischen Leistungen? Die Universität Kiel hat sich der Fragen angenommen und einen Versuch gestartet. Die Ergebnisse sind verblüffend.
Der Freilaufbereich in den Buchten für das Gruppensäugen.
Der Freilaufbereich in den Buchten für das Gruppensäugen.
Der Spagat ist bekannt: Seit Jahren suchen Wissenschaftler nach Haltungssystemen für den Abferkelstall, die zum einen die Tiergerechtheit verbessern sollen und zum anderen gegenüber konventionellen Systemen wettbewerbsfähig sind. Denkt man dabei an die Gruppenhaltung von laktierenden Sauen, so fällt es von vornherein schwer, an ein wettbewerbsfähiges Haltungssystem zu glauben. Allerdings fehlten bisher aktuelle und belastbare Zahlen dazu, auf deren Basis eine Diskussion geführt werden kann. Das ist Vergangenheit. Denn Anna-Lena Bohnenkamp hat im Zuge ihrer Dissertation an der Christian-Albrechts-Universität Kiel das Verhalten von Sauen und Ferkeln beim Gruppensäugen untersucht. Vor Ort präsentiert uns die Wissenschaftlerin ihre Ergebnisse.

Diese Haltungsform kombiniert den Freilaufbereich mit Ferkelschutzkörben.
Diese Haltungsform kombiniert den Freilaufbereich mit Ferkelschutzkörben.
Ferkelschutzkorb mit Gruppensäugen kombiniert
An der Lehr- und Versuchsanstalt Futterkamp wurden sechs Abferkelbuchten (1,8 x 2 m) durch einen 13 m² großen Freilaufbereich verbunden. Jede Sau ist einer Abferkelbucht – mit Ferkelschutzkörben ausgestattet – zugeordnet und kann diese nach Erkennen des Ohrsenders betreten. Dabei öffnet die Tür, wenn die Lichtschranke hinter der Bucht die Ohrmarke erkennt. Der Erkennungsbereich ist nur knapp vor der Türöffnung, damit keine andere Sau vorbei in die Bucht drängen kann. Außerdem schließt die Tür nach drei Sekunden wieder, wenn die Sau die Bucht nicht betritt und öffnet erst wieder nach 30 Sekunden. „In 12 Durchgängen schaffte es nur eine Sau, die Technik zu überlisten und in die falsche Bucht zu gelangen“, zeigt sich Frau Bohnenkamp zufrieden. Denn auch das sei kein großes Problem, da jede Sau die Abferkelbucht einfach nach hintern wieder verlassen könne. Zudem ließe sich an der Zutrittseinstellung noch weiter feilen. „Wenn die Sau die Bucht betritt entsteht ein Kontakt mit der Lichtschranke über dem Abferkelkäfig. Solange die Lichtschranke Kontakt hat, schließt die Tür nicht“, so Bohnenkamp weiter. Die Schließgeschwindigkeit ließe sich über den Luftdruck individuell je nach Verhalten der Sauen weiter optimieren.

Gruppensäugen ab Tag 5
Die Sauen werden eine Woche vor der Abferkelung eingestallt und zur Abferkelung im Ferkelschutzkorb fixiert. Bereits einen Tag nach der Geburt können sie bereits wieder die Bucht verlassen. Eine für die Sauen bewegliche Türschwelle verhindert, dass die Ferkel zu früh in den Freilaufbereich gelangen. Erst ab dem fünften Tag nach der Geburt wird diese Türschwelle entfernt. „Wir stellten fest, dass die Saugordnung innerhalb der Würfe nach drei Tagen noch zu wenig ausgeprägt war und beobachteten vermehrtes Fremdsäugen“, erklärt die Wissenschaftlerin den Grund für die Wahl auf Tag 5. Ob ein späteres Gruppieren der Ferkel noch sinnvoller wäre, könne sie nicht beurteilen. Es konnte zwar vereinzeltes Fremdsäugen in der Phase der Vor- und Nachmassage festgestellt werden. Während des Milchflusses selbst seien die Würfe aber richtig sortiert gewesen, so Bohnenkamp. Außerdem sei Fremdsäugen beinahe ausschließlich im Freilaufbereich aufgetreten. Mit Fortdauer der Laktation verlagerten sich die Säugevorgänge bei den meisten Sauen von der Abferkelbucht in den Freilaufbereich.

Autor: Roman GOLDBERGER

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Aktualisiert am: 01.06.2012 12:09
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