Gruppenhaltung: Richtiges Gruppieren senkt die Risiken

Die Gruppenhaltung birgt viele Risiken. Vor allem die Folgen von Rangordnungskämpfen sind noch nicht zur Gänze abschätzbar. Daher tut der Sauenhalter gut daran, die Gruppierung so tierfreundlich wie möglich durchzuführen.
Der günstigste Zeitpunkt der Gruppenbildung ist unmittelbar nach dem Absetzen der Ferkel von den Sauen gegeben.
Der günstigste Zeitpunkt der Gruppenbildung ist unmittelbar nach dem Absetzen der Ferkel von den Sauen gegeben.
Nach der EU-Richtlinie 2001/88/EG – umgesetzt in der Terhaltungsverordnung des Österreichischen Bundestierschutzgesetzes – sind Jung- und Altsauen ab der fünften Woche nach dem Belegen bis eine Woche vor dem voraussichtlichen Abferkeltermin in Gruppen zu halten. Für alle Betriebe tritt diese Regelung am 1.1.2013 in Kraft. Es gibt Befürchtungen, dass viele österreichische Betriebe diesen Termin nicht einhalten können und vielleicht sogar zur Betriebsaufgabe gezwungen werden.

Risiken der Gruppenhaltung
Bei der Gruppenhaltung wird nicht unbegründet das Auftreten von Leistungsminderungen durch eine höhere Umrauscherrate und eine niedrigere Wurfgröße lebend geborener Ferkel sowie von gesundheitlichen Schäden (z.B. Klauen- und Gliedmaßenschäden) befürchtet. Außerdem werden Aborte in der Gruppenbucht schwieriger erkannt. Es ist auch nicht auszuschließen, dass in der Einzelhaltung gut beherrschte Infektionen (z.B. durch Chlamydien oder Leptospiren) wieder an Häufigkeit zunehmen können. Eine Ursache für die Probleme sind neben den unmittelbaren Kontakten zwischen den Tieren die Rangordnungskämpfe nach der Gruppenbildung. Diese Rangkämpfe können allerdings nicht verhindert werden (auch nicht durch Sprays, Stroh, Beschäftigungsmaterialien, Waschen der Sauen mit Seife oder anderen Mitteln, Beruhigungsmittel und das Gruppieren im Dunkeln oder mit einem Eber) und sind biologisch völlig normal. Die Kämpfe dienen dazu, eine Rangordnung herzustellen, die dann ständige weitere Auseinandersetzungen verhindert. Die unvermeidlichen Kämpfe zwischen den Sauen sollten jedoch bezüglich Ort, Zeit und Bedingungen so stattfinden, dass sie keine Schäden an den Sauen bzw. bei den Embryonen hervorrufen können. Durch Rangkämpfe in den ersten zwei bis vier Trächtigkeitswochen können über 20 bis 30 % der Embryonen absterben. Selbst der Verlust der Trächtigkeit mit anschließendem Umrauschen ist möglich. Genau das muss aber durch ein gutes Management verhindert werden. Viele Betriebsleiter demonstrieren, dass es grundsätzlich möglich ist, auch mit der Gruppenhaltung tragender Sauen sehr hohe Leistungen zu erzielen.

Anforderungen an die Gruppenhaltung von Sauen im Wartestall:
• Strukturierung der Bucht in Liege- und Aktionsbereich mit getrenntem Fress-, Tränke- und Kotplatz sowie Bewegungsareal,
• Fütterung in Abhängigkeit von der Kondition der Sauen,
• Vermeidung von Rangkämpfen, besonders am Fressplatz bei restriktiver Fütterung,
• bei eingeschränktem Tier-Fressplatz-Verhältnis sollte der Fressplatz von allen im Liegebereich befindlichen Sauen eingesehen werden können,
• gute Bestandesübersicht und Tierkontrolle,
• geringe Investitions- und laufende Kosten sowie geringer Arbeitszeitaufwand.

Fazit
Die grundsätzliche Wahl bei Gruppenhaltungsverfahren ist jene zwischen stabilen und dynamischen Gruppen. Beide Gruppierungsformen ermöglichen über eine Vielzahl an Fütterungsverfahren. Angepasst an Gruppierungsform und Gruppengröße ist die richtige Vorgangsweise bei der Gruppenbildung zu wählen. Ziel ist es, die unvermeidlichen Rangkämpfe während einer relativ unempfindlichen Phase des Zyklus’ der Sau zu terminieren.

Autor: Prof. Dr. Steffen HOY, Universität Gießen (D)


Aktualisiert am: 15.04.2010 10:16
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