Grünland- und Viehwirtschaftstag zur 16. Wintertagung 2010

Entwicklungen in der Milchvieh- und Rinderhaltung in Österreich unter geänderten Rahmenbedingungen – Chancen und Risiken. Unter dieser Überschrift referierten und diskutierten namhafte Experten in der Puttererseehalle in Aigen im Ennstal am 11. und 12. Februar.
Mitwirkende am ersten Tag des Grünland- und Viehwirtschaftstages (vl): Dr. Dr. Johannes Abentung, Österreichischer Bauernbund, BM Nikolaus Berlakovich, Dr. Dr. Albert Sonnleitner, LR Ing. Erich Schwärzler, Dr. Karl Buchgraber.
Mitwirkende am ersten Tag des Grünland- und Viehwirtschaftstages (vl): Dr. Dr. Johannes Abentung, Österreichischer Bauernbund, BM Nikolaus Berlakovich, Dr. Dr. Albert Sonnleitner, LR Ing. Erich Schwärzler, Dr. Karl Buchgraber.
Dr. Leopold Kirner (Bundesanstalt für Agrarwirtschaft) bestritt den Auftakt und legte die Fakten vor. Nach seiner Analyse wird sich der Wettbewerb in Zukunft weniger zwischen einzelnen Unternehmen, sondern vielmehr zwischen Regionen und Wertschöpfungsketten abspielen. Es geht darum, die gesamte Wertschöpfungskette von der Rohmilch über die Verarbeitung bzw. Veredlung und anschließendem Vertrieb bzw. Logistik möglichst effizient zu gestalten. Die strategische Positionierung am Markt und der effizienteste Weg zum Verbraucher entscheidet über den Erfolg, der Auszahlungspreis für die Rohmilch ist aus praktischer Sicht nur eine von mehreren Punkten. Hier hat die gesamte Milchbranche noch viel zu tun.

Regionale Tourismus-Kooperation
Dr. Johannes Abentung griff diesen Gedanken auf und rechnete anhand mehrerer Beispiele vor, welches Wertschöpfungspotenzial sich allein aus der konsequenten Kooperation mit der regionalen Tourismusindustrie ergäbe. Ansatz muss sein: Wir Bauern stellen die Landschaft bereit, dafür erhalten wir auch das Absatzrecht für unsere bäuerlichen Produkte. Allein im Zillertal ergäbe dieser Ansatz ein Umsatzpotenzial von ca. 2 Mio. Euro.

Der Beitrag der Molkereien
Im internationalen Vergleich spielen Österreichs Molkereien eher in der Regionalliga und die Entwicklung des Milchpreises der letzten Monate hat die Ohnmacht der Molkereien gegenüber dem Großhandel klar aufgezeigt. Dennoch sind die Aussichten nicht düster, denn es wurde viel Geld in die Veredelungskapazität investiert sowie der Versandhandel mit Milch zurückgedrängt. Der Wertschöpfungsanteil im Export wurde durch die verstärkte Ausfuhr veredelter Produkte erhöht, Strukturen verbessert und Qualitätsstandards erhöht. Wichtig sei aber, dass die „Grenzen in den Köpfen“ offen bleiben. Man kann nicht sinnvoll argumentieren, dass für ausländische Ware die Grenze möglichst dicht sein soll, gleichzeitig soll sie aber offen sein für den Export. Hier wurde vor allem von Ing. Leopold Gruber-Doberer, GF MGN Baden, mehr Realitätssinn und Ehrlichkeit von Seiten der Bauern gefordert.

Die Story ist wichtig
Wenn das Rindfleischgericht gut schmeckt, kann es der begeisterte Konsument mit einer gelieferten Story gut weiter promoten, zB es kommt von Bauer xy, hat viel Auslauf und das verfütterte Getreide stammt aus der Region. Etwa 2/3 der heimischen Schlachtrinder haben eine solche „positive Story“, denn sie stehen im Berggebiet, Futter ist Gras und sie wachsen in kleinstrukturierten Nebenerwerbsbetrieben auf. DI Rudolf Grabner, LK Stmk und Projektleiter BEEF 2015, sieht daher auch gute Möglichkeiten, durch Qualiätsprogramme in Kooperation mit dem LFZ Raumberg-Gumpenstein die Anforderungen des Marktes weiterhin gut bedienen zu können und so das Grünland und die Almen in Produktion halten zu können.

Berge im Wandel
Seit etwa 50 Jahren ist in der „Kulturlandschaft Alpenraum“ ein massiver Modernisierungsdruck erkennbar. Die auf Selbstversorgung gerichtete Vielfalt an landwirtschaftlichen Produkten wich einer Intensivierung dem Rückgang auf wenige lukrative Kulturarten. Dennoch sank die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Alpenbogens, heute sind weite Teile von Abwanderung, Arbeitsplatzverlust, Überalterung, Bauernsterben und in dessen Folge Verwaldung bedroht. Darauf wies Dr. Erich Tasser, EURAC Reserch Bozen, hin. Diese Nutzungsänderung ist regional sehr unterschiedlich. So nahm zb im südtiroler Berggebiet die Almnutzung um 39 %, in der Region Innsbruck Land jedoch um 80 % ab. Wird nicht massiv gegen gesteuert, könnten in wenigen Jahrzehnten ganze Täler wieder zugewaldet sein. Gerade das Beispiel Südtirol zeigt aber, dass durch intensive Förderpolitik die Berggebiete vital erhalten werden können. Wer das verweigere, kann schon jetzt die entsprechenden Folgen in den französischen und westitalienischen Alpen bestaunen.


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Aktualisiert am: 12.02.2010 20:12
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