Grüne Milch: Was steckt tatsächlich drin?

Im Heft 5/2008 berichtete Dr. Karl Buchgraber vom ernährungsphysiologischen Wert von „Grüner Milch“. Darunter versteht er Milch, die vorwiegend auf Basis grundfutterbetonter Rationen (Weide aber auch Heu und Grassilage) mit nur geringen Mengen Silomais und Kraftfutter erzeugt wird. Ergänzend dazu finden Sie im folgenden Bericht erste konkrete Ergebnisse aus Raumberg-Gumpenstein.
Milch liefert die lebensnotwendigen Omega-3-Fettsäuren.
Milch liefert die lebensnotwendigen Omega-3-Fettsäuren.
Für das Projekt wurden 36 Kühe auf 4 Gruppen aufgeteilt. Ab Beginn der Vegetationszeit kamen die Tiere aller 4 Gruppen gemeinsam auf eine Kurzrasenweide und konnten auf der Weide nach Belieben Weidefutter aufnehmen.

Weide bringt Unterschiede – allerdings geringe
Wie zu erwarten sind die Unterschiede zwischen den vier Weidegruppen relativ gering, es konnten nur tendenzielle Unterschiede zwischen den Gruppen festgestellt werden. Das Fettsäuremuster in der intensiven Stallgruppe sieht jedoch vollkommen anders aus. Der Anteil der gesättigten Fettsäuren, ausgehend von der Vollweidegruppe bis hin zur Kraftfuttergruppe, ist tendenziell erhöht und in der Kraftfuttergruppe deutlich erhöht. Im Gegensatz dazu nimmt der Anteil der ungesättigten – und zwar der einfach und mehrfach ungesättigten – Fettsäuren ab. Der Gehalt der erwünschten ungesättigten Fettsäuren ist in der Vollweidegruppe um ca. 25 % höher und der der unerwünschten gesättigten Fettsäuren um etwa 15 % niedriger als in der intensiven Stallgruppe.
Noch deutlicher wird der Unterschied, wenn man sich den Anteil der CLAs, der Omega-3 – und Omega-6-Fettsäuren, sowie das Verhältnis Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren ansieht. Der CLA-Gehalt der Weidemilch beträgt das Fünffache und der Omega-3-Fettsäurengehalt (inkl. alpha-Linolensäure) mehr als das Doppelte des CLA-Gehaltes (konjugierte Linolsäuren) der intensiven Stallgruppe, während der Omega-6-Fettsäurengehalt um fast 30 % niedriger ist. Den CLAs werden Krebs, Arterienverkalkung, Diabetes und Thrombose hemmende sowie anabole (Muskelaufbau, Reduktion des Körperfettanteils) Wirkungen zugeschrieben.

Anteil an Wiesenfutter zählt
Interessant ist, dass hier die Heugruppe tendenziell noch besser abschnitt als die Vollweidegruppe und sowohl einen höheren Omega-3-Fettsäuren-Gehalt als auch einen niedrigeren Omega-6-Gehalt und damit ein Verhältnis von 1,12:1! aufwies. Das bedeutet, dass nicht so sehr die Art der Konservierung (Grün- oder Weidefutter, Silage oder Heu) als viel mehr der Anteil des Wiesenfutters in der Ration eine Rolle spielt – lediglich hohe Anteile von Kraftfutter und Maissilage verschlechtern das Fettsäuremuster.

Fazit
Neben den bereits oftmals angeführten Vorteilen für Mensch und Tier liefert dieses Ergebnis einen weiteren Grund, die Weidehaltung von Milchkühen zu forcieren. Weidemilch könnte durchaus mit diesem höheren physiologischen Wertigkeit beworben werden, allerdings nur dann, wenn auch das drin ist, was drauf steht!

Autoren: Hans HÄUSLER und Dr. Andreas STEINWIDDER, LFZ Raumberg-Gumpenstein


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Aktualisiert am: 10.06.2008 11:56
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