Großtraktoren - Schrittmacher der landtechnischen Entwicklung

Von der Entwicklung der Großtraktoren und den steigenden Absatzzahlen auf allen Märkten profitieren auch die kleineren PS-Klassen. Eine umfangreiche Analyse von Strategieberater Kutschenreiter zeigt, wer in diesem Segment den Ton angibt.
Flexibler Einsatz – Fendt Vario Großschlepper, mit Rückfahreinrichtung in der Maisernte.
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Vor dem Hintergrund des fortschreitenden Strukturwandels der europäischen Landwirtschaft sichtet man auf den Feldern, Wirtschaftswegen und Landstraßen zunehmend große Traktoren. Beispielsweise verdoppelten sich in Frankreich, dem größten Agrarland Westeuropas, die Zulassungen von Traktoren mit über 150 PS Motorleistung von 2006 (4.866 Einheiten) auf 2008 (10.350) Einheiten - in einem Gesamtmarkt von annähernd 34.000 landwirtschaftlichen Traktoren. In Österreich stieg in diesem Bereich ab 150 PS aufwärts der Traktorenmarkt in 2008 um 42 % auf 679 Einheiten, bei einem Gesamtmarktanstieg um 6,5 % auf 6.897 Einheiten. Auf der Ebene Westeuropas setzt sich dieser Trend in die oberen Motorleistungsklassen noch stärker im Bereich über 200 PS fort. Obwohl in Österreich eine eher klein strukturierte Landwirtschaft vorherrscht, gibt es auch hier im obersten Leistungsbereich einen sehr starken Aufwärtstrend. In 2008 stiegen die Zulassungen über 200 PS um starke 39 % auf 206 Einheiten gegenüber 148 Einheiten in 2007. Darunter waren sogar 31 Traktoren in der Klasse über 300 PS.

Neue Impulse und Bewegung durch Großtraktoren
Die Weiterentwicklung wirtschaftlicher Flächenleistung und Schlagkraft im Ackerbau und im Grünland – mit aufgesattelten und gezogenen Arbeitsgeräten - hängt von der Entwicklung der Traktorleistung ab. So stellte Horsch als Spezialist für konservierende Bodenbearbeitungs- und Sätechnik im Erfahrungsaustausch mit Traktorenspezialisten fest, dass 60 % bis 70 % seines Geräteumsatzes in 2008 Traktorengrößen über 200 PS erfordern, 25 % bis 30 % erfordern PS-Stärken ab 300 PS, und für 15 % bis 20 % der Technik dieser Marke werden Motorleistungen zwischen 400 bis 600 PS gebraucht. So werden im Dialog mit den Traktorenherstellern und der landwirtschaftlichen Praxis die Entwicklungsziele abgestimmt und stetig erweitert.

Schlagkraft
Die Kundendienstschlagkraft von Hersteller und Landmaschinenfachbetrieb wird mit dem Einsatz von Großtraktoren auf eine harte Probe gestellt und erfordert zunehmende Professionalität. Die teure Verfahrenskette, in welche der Großtraktor eingebunden ist, darf nicht still stehen. Seitens der Vertriebs- und Servicepartner gehören dazu besondere Beratungskompetenz, hohe Einsatzbereitschaft, Einsatz digitaler Diagnosegeräte und präventive Wartung, sowie ein flexibles Angebot an Wartungs- und Reparaturverträgen. Auch zum Thema „Einsatzsicherheit“ der Großtraktoren kann der Fachhandel entscheidend beitragen – durch Beratung, sorgfältige Einweisung, Fahrerschulung und fachmännische Reparaturen.

Emotionen
Emotionen und große Erwartung spielen mit, wenn es um die Großtechnik geht. Wenn die Ansprüche an Leistungsvermögen und Präzision, an Ausstattung und Funktionalität des Großtraktors erfüllt sind, und wenn dann noch ein überzeugendes Design hinzukommt, dann kommt echte Freude auf. Emotionen schaffen Begeisterung und fordern zu neuen Taten heraus. Damit jedoch kein Gigantismus daraus wird, muss Respekt vor der Natur, der Wille zur Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und der Pflanzengesundheit, sowie die Urteilskraft des gesunden Menschenverstandes hinzukommen. So kann Großtechnik zur Nachhaltigkeit beitragen und sich gleichzeitig rechnen.

Autor: DI Wolfgang KUTSCHENREITER, Agrartechnik Strategiepartner aus Gailingen/Hochrhein (D)


Aktualisiert am: 21.12.2009 10:08
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