Großglockner Hochalpenstraße zu Ostern frei

Erstmals seit 35 Jahren wird die Großglockner Hochalpenstraße nach der Wintersperre bereits vor Ostern am „Gründonnerstag“ - und damit außergewöhnlich früh - für den öffentlichen Verkehr geöffnet.
Auch heute noch das Mittel der Wahl für die Schneeräumung am Großglockner: Die Wallack Rotationspflüge
Auch heute noch das Mittel der Wahl für die Schneeräumung am Großglockner: Die Wallack Rotationspflüge
Aufgrund der vergleichsweise günstigen Wetterlage und der geringen Schneemengen in diesem Winter kann die Straße besonders früh geöffnet werden. Die Schneeräumarbeiten mit den fünf Schneefräsen, die von zwölf Mitarbeitern bedient wurden, konnten heuer in einer Rekordzeit von acht Tagen bewältigt werden. Die alten Einsatzgeräte aus den Fünfziger und Sechziger Jahren (Rotationspflüge „System Wallack“) wurden im Vergleich mit neuen Testgeräten auf die Probe gestellt. Bemerkenswertes Ergebnis: Nach wie vor eignen sich die bewährten Geräte am allerbesten für die hochalpinen, winterlichen Bedingungen auf der Großglockner Hochalpenstraße.

Schneeräumung früher

1936 und 1937, in den ersten beiden Jahren nach der Straßeneröffnung, nahmen noch 350 Mann den manchmal aussichtslos erscheinenden Kampf gegen haushohe Schneewände auf. Schwielen an den Händen waren noch die geringsten Probleme dieser harten Männer. Schlimmer waren Schneeblindheit und starke Sonnenbrände. Dagegen halfen die in der damaligen Zeit zu Verfügung stehenden Mittel kaum. Schlechtwettereinbrüche und heftiger Wind mit geradezu unglaublichen Schneeverfrachtungen mit bis zu 10 m hohen Wächten machten oft die wochenlange Arbeit der Schaufler über Nacht zunichte. Damals dauerte die händische Schneeräumung rund 70 Tage.

Technisierung der Schneeräumung

Dipl.-Ing. Franz Wallack, der Erbauer der Großglockner Hochalpenstraße, erkannte schon frühzeitig die Chancen einer mechanisierten Schneeräumung. Er konstruierte den Rotationspflug mit Raupenfahrgestell und 3 Saurer-Motoren zu je 125 PS (heute unter der Bezeichnung „Frässchleuder“ bekannt), der 1953 die harte Bewährungsprobe bestand. Fortan schafften es technisch speziell ausgebildete Glocknerstraßen-Mitarbeiter, die Straße in durchschnittlich 25 Tagen bis Anfang Mai zu räumen. Der Einsatz dieser einst weltweit patentierten „Wallack-Rotationspflüge“ verlängerte die Saison um mehrere Wochen.

Schneeräumung heute

Leonhard Wallner (Heiligenblut) und Josef Lechner (Fusch), Zusammentreffen der Schneefräsen beim Durchstich Grenze Salzburg – Kärnten (Passhöhe Hochtor 2.504 m).
Leonhard Wallner (Heiligenblut) und Josef Lechner (Fusch), Zusammentreffen der Schneefräsen beim Durchstich Grenze Salzburg – Kärnten (Passhöhe Hochtor 2.504 m).
Heute brauchen die Wallack-Rotationspflüge durchschnittlich 10 bis 14 Tage, um die Straße aus dem Winterschlaf zu erwecken. Zur Verkürzung der Schneeräumung trägt seit Mitte der neunziger Jahre der Einsatz von Pistenraupen bei, mit denen das frühere händische Abschaufeln der oberen Schneeschicht nun maschinell durchgeführt wird. Mit 800.000 Kubikmetern Schnee (dies entspricht einem Eisenbahnlastzug von 250 km Länge) hält das Jahr 1975 den Rekord. Damals verlief die geräumte Straße durch bis zu 21 Meter tiefe Schneeschluchten. Aber auch in „normalen“ Jahren erreichen die Schneemauern in bestimmten Streckenbereichen Anfang Mai noch eine Höhe von 8 bis 10 Meter.

Osterüberraschung

Mit insgesamt fünf Schneefräsen konnte die Schneeräumung heuer in einer Rekordzeit von acht Tagen bewältigt werden.
Mit insgesamt fünf Schneefräsen konnte die Schneeräumung heuer in einer Rekordzeit von acht Tagen bewältigt werden.
Dr. Johannes Hörl, Vorstand der Großglockner Hochalpenstraßen AG (GROHAG) freut sich, dass die Straße in diesem Frühjahr bereits zu Ostern freigegeben werden kann: „Jede Jahreszeit hat ihre besonderen Reize. Dass wir die Straße bereits vor Ostern öffnen können, gleicht einer kleinen Sensation, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Im Hochgebirge herrschen noch immer winterliche Verhältnisse. Schön langsam erwacht aber wieder die Natur und der Frühling hält auch im Nationalpark Hohe Tauern Einzug.“ Bereits 90 % der Straße sind befahrbar: Der Durchzug von Nord nach Süd sowie die Auffahrt bis zum Schöneck sind unter sehr guten Bedingungen möglich. Die Auffahrt bis zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe soll bis zum 30. April 2011 freigegeben werden. Bis dahin gelten ermäßigte Tarife für die Benutzung der Straße.

Veranstaltungen im Sommer 2011

Eine Ausfahrt auf der Großglockner Hochalpenstraße ist bis Ende Oktober bei jedem Wetter möglich. Nach der Muttertagsaktion am 8. Mai 2011 zählen zu den diesjährigen Veranstaltungshöhepunkten der Giro d’Italia am 20. Mai 2011 (die höchste Bergankunft des zweitgrößten Rad-Events der Welt kehrt nach 40 Jahren auf die Großglockner Hochalpenstraße zurück) sowie ab Anfang Juli die Sonderausstellung „125 Jahre Automobilgeschichte“ im Besucherzentrum der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe.

Zur Homepage der Großglockner Hochalpenstraße


Aktualisiert am: 22.04.2011 09:44
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