Grabmayr: Steigende Marktpreise kommen bei Milchbauern nicht an

Bei einer Pressekonferenz kritisierte der Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, Karl Grabmayr, dass die höheren Preise von Molkereiprodukten im Handel nicht bei den Milchbauern ankommen.
DI Michael Wöckinger (li.), Karl Grabmayr und Ing. Mag. Friedrich Pernkopf informierten über die aktuellen Chancen und Herausforderungen der oberösterreichischen Milchwirtschaft.
DI Michael Wöckinger (li.), Karl Grabmayr und Ing. Mag. Friedrich Pernkopf informierten über die aktuellen Chancen und Herausforderungen der oberösterreichischen Milchwirtschaft.
Österreichische Milchprodukte stehen immer wieder im Fokus der Bundeswettbewerbsbehörde, von Preisvergleichen der Arbeiterkammer und sind Gegenstand von aggressiven Preisaktionen des Handels. "Tatsache ist, dass die Milch heute wesentlich weniger kostet als noch beim EU-Beitritt. Zuletzt sind die Milchpreise und die anderer Molkereiprodukte im Handel zwar angestiegen, davon kommt aber kaum etwas bei den Bauern an ", kritisierte der Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, Karl Grabmayr bei einer Pressekonferenz. Gleichzeitig seien die Milcherzeuger mit massiv gestiegenen Kosten bei Futtermitteln und Energie konfrontiert. Aktuell liegen die Erzeugerpreise bei 35 bis 37 Cent netto je Kilogramm ab Hof. Die österreichischen Milchpreise hinken laut Grabmayr beim Preisanstieg Produkten wie beispielsweise Butter oder Magermilchpulver zumeist nach. Für heimische Verarbeiter sei es schwierig, bei Standardprodukten mit den großen internationalen Mitbewerbern kostenseitig mitzuhalten. Das liege sowohl an der kleinstrukturierten Milcherzeugung, als auch an der Verarbeitung. Daher gehe die Strategie in Richtung Veredelung der Milch und Erhöhung der Wertschöpfung. Die Investitionen in Verarbeitungskapazitäten – vor allem im Käsebereich – würden dies deutlich zeigen.

Herausforderung Quotenwegfall
Der Wegfall der EU-Milchquote ab 31.März 2015 ist beschlossene Sache. Die Maßnahmen dazu greifen in vielen Ländern der EU und werden weitens der EU-Kommission konsequent verfolgt. In Österreich ist das Soft Landing nach einem deutlichen Rückgang der Quotenpreise vor ein paar Jahren ins Stocken geraten. Wegen der hohen Überlieferungen ist vergleichsweise viel Überschussabgabe zu bezahlen bzw. hält die hohe Überschussabgabe die Quotenpreise hoch. „Wir bemühen uns auf allen Ebenen, dass auch in Österreich eine „sanfte Landung“ zum Quotenauslauf ermöglicht wird. Unsere Milchlieferanten bezahlen derzeit Strafe für Milch, die von den Märkten aufgenommen wird. Allerdings stehen die Chancen auf Änderungen nicht besonders gut“, betont Karl Grabmayr.

Vermarktungsschienen aufbauen
Die Verarbeitungsbetriebe seien gefordert, für die zu erwarteten zusätzlichen Milchmengen nach 2015 entsprechende Verwertungs- und Vermarktungsschienen aufzubauen bzw. abzusichern. Deutsche Privatmolkereien haben bereits betont, dass die gesamte Milch übernommen wird. „Als Milchbauern wollen wir die zusätzlichen Markt- und Wertschöpfungspotenziale nach dem EU-Quotenauslauf konsequent nutzen. Dazu brauchen wir eine wettbewerbsfähige Verarbeitungswirtschaft, die sich nach dem EU-Beitritt mit dem anstehenden EU-Quotenende erneut einer großen Herausforderung stellen muss“, betont Grabmayr. Deutlich ersichtlich sei, dass in Österreich derzeit die unzureichende Quotenausstattung bzw. die hohe Überschussabgabe bremsend wirken. In guten Marktphasen sei deutlich zu erkennen, dass die Betriebe schnell auf bessere Auszahlungspreise reagieren.

Aktualisiert am: 25.06.2013 22:49
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