Globalisierung: Wer gewinnt und wer verliert?

Diesen und ähnliche Fragen stellten und diskutierten der niederländische Landwirtschaftsminister Cees Veerman, Bundesminister Josef Pröll, Landwirtschaftskammer-Präsident Rudolf Schwarzböck, NÖ Agrarlandesrat Josef Plank und WIFOChef Karl Aiginger bei der Auftaktveranstaltung der diesjährigen Wintertagung in Wien.
Franz Fischler, Präsident des Ökosozialen Forums, moderierte die Auftaktveranstaltung im Audimax der Universität Wien.
Franz Fischler, Präsident des Ökosozialen Forums, moderierte die Auftaktveranstaltung im Audimax der Universität Wien.
Als Moderator fungierte der ehemalige EU-Agrarkommisar Franz Fischler. Der Nachmittag stand ganz im Zeichen der ländlichen Entwicklung. Arbeitsplätze und Wertschöpfung für die Menschen im ländlichen Raum standen dabei im Zentrum. Zum Abschluss des Auftakttages diskutierten Experten aus ganz Europa zum Thema LEADER.

Perspektiven schaffen

Franz Fischler forderte dazu auf Perspektiven am Land zu schaffen. „Wir müssen für die Menschen in den ländlichen Räumen – vor allem für Junge und Frauen – bessere Perspektiven schaffen, damit sie nicht immer häufiger zum Abwandern gezwungen sind. Die Land- und Forstwirtschaft hat dabei eine wichtige Rolle zu spielen. Qualitätsbezogenheit, Biomasseproduktion und ländliche Dienstleistungen müssen genauso know-how-intensiv betrieben werden, wie dies für andere Branchen verlangt wird", ermahnte der Präsident des Ökosozialen Forums die Besucher.

EU profitiert von der Globalisierung

Karl Aiginger stellte den Blick auf die Globalisierung scharf: "Die Europäische Union ist sicher kein Globalisierungsverlierer. Der Außenhandel mit Waren ist ausgeglichen, mit industrienahen Dienstleistungen – hier besteht der Outsourcing-Verdacht – wird ein Überschuss erzielt. Die Exporte Chinas und Indiens erfolgen großteils in Bereichen, in denen Waren in Westeuropa nicht mehr produziert werden. Europa ist die Region mit den höchsten und steigenden Direktinvestitionen.
Es gibt kaum Verlagerungen von Europa nach China und Indien, Europa ist eine – dies ist aus Altersgründen bitter nötig – Netto-Immigrationsregion. Vom erhöhten Lebensstandard in den letzten 50 Jahren gehen 70 % auf technischen Fortschritt, 10 % auf Integration und 20 % auf die Globalisierung zurück (billigere Preise)."

Bauern in Ruhe arbeiten lassen

Landwirtschaftskammer-Präsident Rudolf Schwarzböck betrachtete die Globalisierungsthematik aus der Sicht der Landwirtschaft: "Vom Agrarsektor werden trotz mehrmaliger tief greifender Reformen schon wieder Reformen verlangt: Die eine Reform ist noch nicht einmal unter Dach und Fach, schon wird die nächste geboren.
Für das gigantische Regelwerk der GAP wird eine Zwischenbewertung – von der natürlich weitere Reformen abhängen – für einen Zeitpunkt vereinbart, der letztlich nicht einmal ein Jahr reguläre Laufzeit dieses Regelwerks zulässt.
Und schon von vornherein fixieren Politiker, dass das Ganze für den Steuerzahler billiger werden muss. Aber die Diskussion um die Zukunft der Landwirtschaft in der EU kann man nicht ausschließlich von der Kosten-, sondern vernünftigerweise nur von der Aufgabenseite her führen. Was erwartet die Gesellschaft von Europas Bauern und was ist sie bereit, dafür zu bezahlen?"

Weitere Informationen finden Sie unter www.oesfo.at


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Aktualisiert am: 26.02.2007 13:11
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