Getreideviren im Aufwind

Viren mögen einen warmen Herbst, späte Anbautermine mindern die Infektionsgefahr. Weizen und Gerste sind am meisten betroffen, doch auch andere Getreidearten sind gefährdet.
Die 4 mm große Zwergzikade Psammotettix alienus ist der Überträger des Weizenverzwergungsvirus (Foto Gernot KUNZ)
Die 4 mm große Zwergzikade Psammotettix alienus ist der Überträger des Weizenverzwergungsvirus (Foto Gernot KUNZ)
Viruskrankheiten können bei uns sämtliche Getreidearten befallen. Die am stärksten betroffene Kulturartart ist die Wintergerste, bei der auch die größten Schäden zu verzeichnen sind. Winterweizen wurde bisher nur in einzelnen Jahren regional stärker befallen. Das Sommergetreide ist bei uns bisher weitgehend verschont geblieben. Lediglich im Jahr 2006 kam es zu einem stärkeren Befall von Hafer, Sommergerste und Sommerweizen, der allerdings im gesamten Anbaugebiet zu beobachten war.
Ein Virusbefall der Wintergerste war in der Vergangenheit fast ausschließlich auf den Osten Österreichs beschränkt. Mit der großen Virusepidemie des Jahres 2002, in deren Folge insgesamt 20.000 ha Wintergerste umgebrochen werden mussten, kam es zu einer beträchtlichen Ausbreitung der Viren. Betroffen waren in diesem Jahr neben dem Osten Österreichs auch das Nördliche Alpenvorland bis nach Wels sowie die Anbaugebiete in der Steiermark und Kärnten. Im heurigen Jahr kam es erneut zu einem stärkeren Befall, wobei im Osten und im oberösterreichischen Zentralraum wiederum Wintergerstenfelder umgebrochen werden mussten. Erstmals wurden heuer auch die Wintergersten im Westlichen Alpenvorland bis ins Innviertel stärker infiziert. In der Steiermark war der Befall vergleichsweise gering. Lediglich dort, wo in der Nähe von Sommergerstenfeldern des Vorjahres Wintergerste angebaut wurde, war auch stärkerer Befall feststellbar.

Vergilbungen: Virus oder Hunger?
Die von Gelb- und Weizenverzwergungsvirus bei Getreide verursachten Symptome sind einander so ähnlich, dass sie auf dem Feld nicht mir Sicherheit unterschieden werden können. Charakteristisch ist für beide eine mit einer Wachstumshemmung einhergehende Vergilbung der Blätter. Bei einer Herbstinfektion werden die Symptome meist erst im Frühjahr durch eine allgemeine Vergilbung, im Wachstum zurückbleibende Pflanzen sowie eine stärkere Bestockung deutlich. Da Virus befallene Pflanzen besonders frostempfindlich sind, kommt es oftmals auch zu Auswinterungsschäden. Die Vergilbung beginnt bei den Blattspitzen, erfasst die Blattränder und schließlich die ganze Blattspreite. Oftmals ist auch eine streifige Aufhellung der auffallend aufrecht stehenden Blätter zu beobachten.
Vergilbungserscheinungen der Wintergerste müssen aber nicht immer die Folge eines Virusbefalls sein. Auf stärker verdichteten Böden ist die Vergilbung durch gebremste Nährstoffaufnahme eine bekannte Erscheinung. Im Warmwinter 2006/07 waren die Wintergersten allgemein sehr stark vergilbt, wobei die Ursachen dieser Vergilbung noch nicht geklärt sind. Wahrscheinlich wurden in diesem Jahr nichtparasitäre Ursachen von einem zu einer Vergilbung führenden Typhula – Befall überlagert.
Am sichersten ist ein Virusbefall zu Beginn der Schossphase durch die im Wachstum gebremsten und vergilbten Pflanzen zu diagnostizieren. Der Bestand vermittelt in der Folge ein unausgeglichenes, unruhiges Bild. Zu achten ist auch auf die Blatthaltung. Virusvergilbte Blätter stehen eher aufrecht, während die „normalvergilbten“ Blätter eher auf dem Boden liegen.
Eine Gelbverfärbung der Blätter ist auch bei infiziertem Winterdurum und einigen Weizensorten zu beobachten. Die meisten Weizensorten, Emmer, Triticale Roggen und Hafer reagierten auf eine Virusinfektion hingegen mit einer Rotverfärbung.

Autoren: Dr. Herbert HUSS, LFZ Raumberg – Gumpenstein, Versuchsstation Lambach/Stadl-Paura und Ing. Martin PLANK, AGES, Wien.


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Aktualisiert am: 10.09.2008 10:18
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