Getreidesorten: Leistungsfähige Sorten verbessern den Betriebserfolg

Bei der Getreideproduktion geht es darum, gute Erträge mit entsprechender Qualität kostengünstig zu erzielen. Eine überlegte Sortenwahl setzt den Zuchtfortschritt effektiv um und verbessert den Betriebserfolg. Die Verwertungsmöglichkeiten für Getreide nehmen zu und erfordern angepasste Sorten und Anbaustrategien - der folgende Beitrag gibt einen Überblick über das derzeit angebotene Sortenspektrum.
Überbetrieblich genutzte Sämaschinen ermöglichen eine Reduktion der Kostenbelastung pro Hektar.
Überbetrieblich genutzte Sämaschinen ermöglichen eine Reduktion der Kostenbelastung pro Hektar.
Vor Vegetationsende sollte die Wintergerste neben dem Haupttrieb noch 2 bis 3 Nebentriebe bilden. Wesentlich ist eine flexible Vorgangsweise bei der Saatzeit. Im vergangenen Jahrzehnt waren wir öfter von viröser Gelbverzwergung betroffen. Um dem Blattlausflug weitgehend auszuweichen, müssen wir die Anbautermine nach hinten verschieben. Wintergerste, die nicht mit einer Insektizidbeize versehen ist, sollte in Ostösterreich, im Alpenvorland und der Südoststeiermark möglichst erst ab Anfang Oktober gedrillt werden. Im milden Herbst 2001 waren in Ostösterreich Sätermine zwischen 9. und 14. Oktober optimal. Bei kaltem Wetter sind aber auch Saatzeiten um den 25. September passend.

Zweizeilige mit guter Kornqualität
Auf Standorten, die erfahrungsgemäß oft unter Trockenstress leiden, sind zweizeilige Sorten wegen ihrer besseren Kornausbildung vorzuziehen. In Tierhaltungsbetrieben wird die Standfestigkeit und der im Vergleich zu den Mehrzeiligen höhere Futterwert geschätzt. Für die Rationen der Mastschweine ist dies bedeutsam, bei Zuchtsauen oder Rindern wirken sich Unterschiede im energetischen Futterwert weniger aus. Die neue HANNELORE ist standfest (Note 2) und in den Prüfungen durchwegs positiv aufgefallen. In der Reife ist Hannelore mit Reni vergleichbar. OPAL (Lagerung 5) ist an die Bedingungen des östlichen Alpenvorlands und Pannonikums gut adaptiert. Die mittelfrüh reifende und anpassungsfähige BOREALE (Lagerung 3) überzeugt durch stabile Leistungen. Die großkörnige RENI hat sich wegen ihrer Qualität und Standfestigkeit (Note 3) bewährt. Reni bildet höhere Einzelährenerträge und braucht nicht so dicht gestellt werden wie andere Zweizeilige. CORDULA (Lagerung 4) hat ein gutes Ertragspotenzial, die Anfälligkeit für Mehltau schadet ihr kaum. Wegen ihrer Neigung zum Ährenknicken (Note 8) sollte Cordula in der Totreife nicht lange am Feld verbleiben. EUFORA hat ein feine Spelze und den besten Futterwert des gesamten Sortiments. Wegen der nur mittleren Standfestigkeit (Note 5) ist sie den leichteren Böden und geringeren Intensitäten vorbehalten. Die stabile (Lagerung 2) ALTONA litt heuer mehr unter Rhynchosporium-Blattflecken und ist ertraglich zurückgefallen. Biosaatgut gibt es von Cordula, Eufora, Reni und Virgo.

Qualitätsweizen für Ostösterreich
Obwohl im Osten auch Ethanolweizen erzeugt wird, liegt der Schwerpunkt weiterhin beim Anbau von Qualitäts- und Premiumweizen. Der frühreife ELEMENT (Lagerung 5) ist für schwächere und zur Trockenheit neigende Böden vorgesehen. In Jahren mit häufigen Frühjahrsniederschlägen wird er mehr von Blattseptoria heimgesucht. ASTARDO (Lagerung 4) überzeugt durch seine hohen Protein- und Hektoliterwerte und die insgesamt gute Backfähigkeit. Die stärkere Auswuchsneigung trat im Jahr 2005 deutlich zutage und war heuer wiederum erkennbar. LUDWIG (Lagerung 3) bietet sich besonders für die tiefgründigen Böden an. Der knappe Proteingehalt (0,8 bis 1,5 % unter Antonius, Astardo, Capo, Element, Estevan und Josef) erfordert eine kräftige N-Spätgabe. Nachteilig ist auch seine Neigung zum Auswuchs. ESTEVAN ist mit Capo verwandt und ihm in vielen Eigenschaften ähnlich. Die Standfestigkeit (Note 5) ist im Vergleich zu Capo etwas besser, trotzdem sollte er nicht intensiv geführt werden. Für die besseren Böden ist SW MAXI (Lagerung 4) vorgesehen. Seine tiefere Keimruhe hat eine gute Auswuchsfestigkeit zur Folge, dies kam ihm heuer zugute. SW Maxi weist gegenüber Astardo, Antonius, Capo, Element und Estevan ein um 1 bis 3 kg geringeres Hektolitergewicht auf. CAPO (Lagerung 6,5) ist weiterhin der meistangebaute Qualitätsweizen. Die Bestockungsfreudigkeit von Capo ist oft von Vorteil. Etwa dann, wenn er trotz später Saat oder in einem kühlen Frühjahr die angestrebte Bestandesdichte erreicht. In Jahren mit wüchsiger Witterung wie 2008 bildet Capo zuviel Stroh und lagert mehr. Capo realisiert seine gute Qualität am sichersten auf Böden geringerer und mittlerer Bonität. Der kurze und standfeste (Note 2) PHILIPP ist für tiefgründige Böden und N-intensivere Bedingungen vorgesehen. Philipp ist für höhere Bestandesdichten von 550 bis 630 Ähren/m2 dankbar. Für Mulchsaaten nach Vorfrucht Weizen eignet er sich wegen der Empfindlichkeit für DTR-Blattdürre weniger. ANTONIUS ist eine Schwestersorte zu Astardo, jedoch standfester (Note 3). Protein- und Hektolitergewicht zeigen eine vergleichbar gute Qualität an. In Jahren mit feuchter Abreife ist die Erzeugung wegen der instabilen Fallzahl aber unsicher.

Autoren: DI Michael OBERFORSTER, DI Clemens FLAMM und Ing. Willibald PRIELER, AGES Wien


Autor:
Aktualisiert am: 21.08.2008 17:01
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