Getreidepreis in der EU: Klarheit schaffen

Vor dem Hintergrund der wachsenden und legitimen Sorge der Getreidenutzer und insbesondere des Sektors der Tierernährung halten COPA und COGECA es für geboten, die Debatte abzuklären:
  • Zunächst sind die festen Preise - eine weltweite Erscheinung, die auch die europäischen Preise nach oben zieht - im Wesentlichen dem Klima zuzuschreiben: Im Jahre 2006 war weltweit wie auch in der EU eine schlechte Ernte zu verzeichnen, während die Weltlagerbestände aufgrund der Witterungseinflüsse einhergehend mit einer Zunahme der Nachfrage einen Tiefststand erreichten. Dieser Anstieg der Preise folgt mehreren Jahren niedriger Weltmarktpreise, wodurch die Produktion in Drittländern nicht ausreichend stimuliert wurde. Für 2007 wird die Zunahme der weltweiten Nachfrage maßgebliche Rückwirkungen haben.
  • Diese festen Preise sind mit Sicherheit nicht auf die Nachfrage nach Getreide zwecks Herstellung von Bioethanol in der EU zurückzuführen. Dieser Verwendungszweck spricht für sich selbst: 3,5 Millionen Tonnen in 2006 und schätzungsweise 5 Millionen Tonnen in 2007 bei einer Produktion von 275 Millionen Tonnen Getreide insgesamt, d.h. knapp über 1% der Produktion. Solche Volumen bleiben ohne Einfluss auf die Preisgestaltung in der EU. Im Übrigen sei daran erinnert, dass beim Verbrauch von 1 Tonne Getreide in der EU zur Produktion von Bioethanol bis zu 40% wieder der Tierernährung in Form von Nebenerzeugnissen zufließen.
  • Unbestreitbar ist hingegen, dass die weltweite Nachfrage nach Getreide und vor allem Mais zum Teil durch die Bioethanolentwicklung speziell in den USA angetrieben wird, was Kettenreaktionen für die Preislage sonstigen Getreides auslöst. Hierauf haben die europäischen Erzeuger keinerlei Einfluss.
  • Ursache für die aktuelle Situation sind nicht die gemeinschaftliche Bioethanolpolitik oder das Funktionieren der Getreidemarktordnung.
  • Sonstige Elemente können wesentlich stärker auf den Sektor der Tierernährung einwirken, insbesondere die Gefahr eines Versorgungsbruchs bei importierten pflanzlichen Proteinen aufgrund der in der EU gegebenen GVO-Zulassungsfristen und der Ausgang der internationalen Handelsverhandlungen der Doha-Runde. Auf diese Elemente muss mit allem Ernst Rücksicht genommen werden.
  • Diese Situation bestärkt COPA und COGECA in ihrer Überzeugung, dass es für den Rat dringend geboten ist, den Satz der Zwangsstilllegung zu revidieren. Diesbezüglich fordern sie, dass der Satz für die Ernte 2008 auf 0% festgelegt wird, ohne der Zukunft der betreffenden Regelung vorzugreifen.


Quellen:

- COPA (Ausschuss der berufsständigen landwirtschaftlichen Organnisationen der EU)

- COGECA (Allgemeiner Verband der landwirtschaftlichen Genossenschaften der EU)

COPA und COGECA treten auf europäischer Ebene als Interessensvertretung der Landwirtschaft auf.

Was sind COPA und COGECA?


Aktualisiert am: 27.08.2007 10:14
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