Getreidemarkt weltweit: Versorgungslage eng, Prognosen bringen die Terminmärkte durcheinander

IGC sieht globale Versorgung eng - COPA und COGECA fordern Produktivitätssteigerung von der GAP - Russland exportiert wieder
Die Prognosen für die Ernte 2011/2012 lassen die Preise an den Terminmärkten kräftig schwanken.
Die Prognosen für die Ernte 2011/2012 lassen die Preise an den Terminmärkten kräftig schwanken.
Das nervöse Auf und Ab der Getreidenotierungen an den Warenterminbörsen nimmt kein Ende. Der Juni war vorerst von einer dramatischen Preiskorrektur nach unten als Folge des massiven Ausstiegs von Fonds aus ihren Risikopositionen gekennzeichnet. Danach trat vorerst eine Erholungsphase mit deutlichen Notierungsgewinnen ein, ehe der vierteljährliche Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums USDA und das Update zu den Anbauflächendaten in den USA den Markt mit optimistischen Maisdaten so weit überraschte, dass an der CBOT in Chicago der Maisfutures für den Juli-Liefertermin um den nie dagewesenen Rekord-Tageswert von 12% abstürzte und den Dezember-Maisfutures sowie den Weizenfutures ins Limit-Down mitriss und auch die Kurse an der Euronext in Paris massiv einbrechen ließ. Etwas glimpflicher kamen der Sojakomplex an der CBOT und der Rapsfutures an der Euronext davon.

Im zweiten Juni-Bericht des Internationalen Getreiderates IGC in London revidiert der IGC gegenüber dem 06.06.2011 zwar die weltweite Getreideernteprognose 2011/12 in die Höhe, gleichzeitig aber auch den Verbrauch. Weiterhin übertrifft demnach der Verbrauch die Produktion. "Die weltweite Versorgungslage mit Getreide bleibt 2011/12 eng", so der IGC.

Die EU-Landwirte- und Genossenschaftsverbände COPA und COGECA und forderten angesichts eines erwarteten Ertragsminus im Vergleich zu 2010 von 1% bei Getreide und Mais die zukünftige Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) müsse die Produktivität anheben, um die wachsende Nachfrage befriedigen zu können. Dabei seien die Prognosen angesichts der weit verbreiteten Trockenschäden in Europa noch immer unsicher. Die EU-Weichweizenernte schätzen die Verbände auf 122,2 Mio. t (-2,9%), die Gerstenerträge auf 50,4 Mio. t (-4,4%) und nur die Maisernte mit 60,2 Mio. t um 9% größer als 2010 mit 55,2 Mio. t.

Russisches Getreide darf ab 01.07.2011 wieder exportiert werden. Das Mitte August vergangenen Jahres angesichts deutlicher Ernteausfälle verhängte Ausfuhrverbot lief am 30.06.2011 aus. Gestern hat Landwirtschaftsministerin Jelena Skrynnik ihre Prognose bestätigt, wonach Russland heuer rund 85 Mio. t ernten soll, und das Exportpotenzial 2011/12 mit 15 bis 17 Mio. t beziffert. Die russischen Übergangsvorräte an Getreide zum 01.07.2011 werden nach ihren Worten auf 18,0 bis 18,5 Mio. t geschätzt. Skrynnik äußerte die Hoffnung auf einen vollständigen Wiederaufbau des durch das Embargo unterbrochenen Handels mit Getreide. An den internationalen Märkten, so die Ministerin, kann Russland Nahrungsweizen sowie Gerste und Körnermais anbieten.


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Aktualisiert am: 05.07.2011 13:00
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