Getreideernte: Planung von Trocknung und Lagerung

Aufgrund der Entwicklung der Getreidepreise im vergangen Jahr macht es Sinn, über eine betriebseigene Getreidetrocknung bzw. -lagerung nach zu denken. Der folgende Beitrag zeigt auf, was dabei zu beachten ist und welche Fehler unbedingt zu vermeiden sind.
Die Annahmeleistung muss so hoch und die Erntelogistik so ausgelegt sein, dass die Hochleistungsmähdrescher nie still stehen.
Die Annahmeleistung muss so hoch und die Erntelogistik so ausgelegt sein, dass die Hochleistungsmähdrescher nie still stehen.
Bei der Überlegung zum Bau der eigenen Getreidelagerung ist die Erntelogistik zu berücksichtigen. Die Mähdruschkosten eines Großmähdrescher liegen bei 5 – 7 €/min. Dies verdeutlicht, dass der Mähdrescher auf dem Feld nicht zum Stehen kommen darf. Die Abfuhrlogistik muss entsprechend angepasst werden. Bei großen Entfernungen zum Handel ist die vorhandene Transportlogistik auf den Betrieben oft nicht ausreichend, so dass das Getreide auf den Betrieben gelagert und zum Teil auch getrocknet werden muss.
Bevor mit der Planung der eigentlichen Getreideanlage begonnen wird, müssen eine Reihe von betriebseigenen Rahmendaten ermittelt werden. Dazu gehören neben den inneren und äußeren Betriebsdaten auch die Daten zu Standortwahl und die Eckwerte der Ernteprodukte. Nach der Ermittlung des zu erwartenden Erntevolumens muss die Anzahl der erforderlichen Lagerzellen festgelegt werden. Hier wird zwischen Getreideart, Getreidesorte und Getreidequalität differenziert. Bei der Planung sollte auch die zukünftige Betriebsentwicklung bzw. die angestrebte Betriebsentwicklung mit ins Auge gefasst werden. Grundsätzlich sollte die Möglichkeit bestehen, die vorhandene Anlage in ihrer Kapazität und Leistungsfähigkeit zu erweitern. Dies betrifft nicht nur die Möglichkeit weiteren Lagerraum zu schaffen, sondern auch die Möglichkeit die Förderwege in ihrer Leistung zu erhöhen.

Schlussfolgerungen für die Praxis
Die Rentabilität einer landwirtschaftlichen Trocknungsanlage hängt von verschiedenen Kriterien ab. Die wichtigsten Faktoren, die die Rentabilität im Wesentlichen beeinflussen, sind der Betriebsleiter, die Vermarktungschancen, die Abrechnungskonditionen, die vorhandenen Kapazitäten sowie die Trocknungskosten.
Baut man heute eine Trocknungsanlage unter der Betrachtung ausreichender Lagerkapazität, so liegt das Investitionsvolumen zwischen 130 und 160 €/m³ Lagerraum. Die Nutzung von Altgebäuden und der Kauf gebrauchter Technik lässt die Investitionskosten erheblich sinken.
In der Praxis werden derzeit für Neuanlagen, die auf die „grüne Wiese“ gebaut werden, zwischen 100 und 300 €/m³ Lagerraum investiert.
Je eher mit der Planung einer Getreideanlage begonnen wird, desto besser sind die Vorraussetzungen für einen reibungslosen Bau dieser Anlage. Es sollte mindestens 13 Monate vor dem ersten Praxiseinsatz der zu erstellenden Anlage mit der Planung begonnen werden, so dass Anlagen von Berufskollegen und deren Erfahrungen mit verschiedenen Anlagentypen im Praxiseinsatz in Augenschein genommen werden können.
Vor der Planerstellung sollten alle Rahmendaten des Betriebes - wenn möglich mit professioneller unabhängiger Unterstützung – ermittelt werden. Anhand dieser Daten können die Planverfasser entsprechende Angebote erstellen. Rechtzeitige und genaue Detailinformationen helfen Fehler zu vermeiden.

Autor: Malte BOMBIEN, RKL-Berater (Rendsburg, D)


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Aktualisiert am: 10.06.2008 11:33
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