Getreide: Wann ist ein Fungizidverzicht möglich?

Zahlreiche Faktoren beeinflussen das Krankheitsauftreten bei Getreide, heuer ist mit verstärktem Befall zu rechnen. Allgemein gültige Strategien für einen Fungizideinsatz gibt es nicht. Ein flexibles und der Situation angepasstes Vorgehen ist gefragt. Für viele Betriebe wird es auch sinnvoll sein, die ÖPUL-Maßnahme „Fungizidverzicht“ in Anspruch zu nehmen.
Einige Triticalesorten können massiv von Mehltau infiziert werden, Einbußen bis über 30 % sind möglich. Triticale reagiert gegenüber Mehltau empfindlicher als Gerste, Roggen oder Weizen.
Einige Triticalesorten können massiv von Mehltau infiziert werden, Einbußen bis über 30 % sind möglich. Triticale reagiert gegenüber Mehltau empfindlicher als Gerste, Roggen oder Weizen.
Das Ausmaß des Krankheitsbefalls wird von zahlreichen Faktoren bestimmt. Weizen nach Weizen leidet unter Halmbruch (Pseudocercosporella). Reduzierte Bodenbearbeitung nach Körnermais schafft bei Weizen, Triticale und Durum Probleme durch Ährenfusarium. Mangelhaft verrottetes Weizenstroh ist der Ausgangspunkt für DTR-Blattdürre. Eine hohe N-Düngung lässt die Pflanzen für Mehltau und Rostpilze empfindlicher werden. Übermäßig dichte und langhalmige Bestände sind mehr von Blattkrankheiten betroffen, spät eingesetzte Wuchsregler können zum Befall mit Ährenfusarium oder Spelzenbräune beitragen. Je zeitiger die Krankheiten auftreten, umso stärkere Einbußen sind möglich. Frühsaaten von Wintergetreide haben oft mehr Halmbruch, Mehltau, Rostkrankheiten oder DTR-Blattdürre. Da die einzelnen Erreger unterschiedliche Ansprüche hinsichtlich Blattnässe, Temperatur und Luftfeuchte stellen, nimmt die Witterung enormen Einfluss.

Entscheidungshilfen beim Fungizideinsatz
Eine regelmäßige Beobachtung der Bestände, die Kenntnis von Sorteneigenschaften, Schadsymptomen und die Beachtung des Witterungsverlaufes sind für einen optimierten Fungizideinsatz wesentlich. Auch die Bodengüte soll in die Entscheidung einfließen. Bei einem Standort der 70 dt/ha liefern kann, wirkt sich eine Epidemie stärker negativ aus, als wenn Wasserknappheit die Ertragsbildung limitiert. Wetterdatengestützte Infektionsprognosen ( www.proplantexpert.com, www.weizen-expert.at), Monitoringsysteme sowie Warnmeldungen der Landwirtschaftskammern und der AGES sind hilfreich. Es gilt, sowohl das Risiko gravierender Einbußen wie nicht kostendeckender Anwendungen zu senken.

Fazit
Bei Getreide ist mit verstärktem Krankheitsauftreten zu rechnen. Es gibt keine Standardrezepte bei der Fungizidstrategie. Die eigenen Erfahrungen, das aktuelle Befallsgeschehen, Sorteneigenschaften, Ertrags- und Qualitätsziel, die prognostizierte Witterung sowie Kosten und Wirkungsspektrum der Präparate sollen berücksichtigt werden. Die Wirtschaftlichkeit einer Fungizidanwendung beruht hauptsächlich dem erzielten Ertragseffekt, Qualitätsverbesserungen schlagen weniger auf den Erlös durch. Im östlichen Trockengebiet, im Mühl- und Waldviertel sowie in Kärnten wird die Teilnahme an der ÖPUL-Maßnahme „Fungizidverzicht“ für viele Landwirte lukrativ sein. Kritische Fruchtfolgen (Weizen nach Weizen) und Maismulchsaaten wären im Rahmen dieser Maßnahme nicht zu verantworten.

Autoren: DI Michael OBERFORSTER und DI Clemens FLAMM, AGES Wien


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Aktualisiert am: 23.03.2007 13:00
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