Gesunde Euter - darauf müssen Sie beim Melken achten

In vielen Milchviehbetrieben sind allzu oft anhaltend hohe Zellzahlen und stetig wiederkehrende Euterentzündungen zu beklagen. Die möglichen Ursachen liegen zwar nicht nur im Bereich der Melktechnik und Melkarbeit. Beide Punkte haben jedoch einen entscheidenden Einfluss auf die Eutergesundheit.
Nur bei passender Melktechnik und Melkarbeit sind die Kühe entspannt.
Nur bei passender Melktechnik und Melkarbeit sind die Kühe entspannt.
Erste Anzeichen zu aggressiven Melkens und dadurch bedingter Gewebeüberlastung sind plattgedrückte Zitzenspitzen und Zitzenverfärbungen. Schon bald sind aber auch Hyperkeratosen zu beobachten. Dabei handelt es sich um übermäßige Hornhautabsonderungen im Bereich des Strichkanals.
Die Folgen des aggressiven Melkens sind gravierend. So kommt es zur direkten Schädigung der Schließmuskel sowie der antibakteriell wirkenden Strichkanalauskleidungen. Damit werden zwei wesentliche Elemente der eutereigenen Infektionsbarrieren stark beeinträchtigt. Zudem engen die Hyperkeratosen die Strichkanäle ein und führen so zur Schwermelkigkeit und zu einer längeren Melkdauer. Letzteres bringt eine weitere Zunahme der mechanischen Zitzengewebebelastung mit sich.

Zitzengummis rechtzeitig ersetzen
Hingegen bestehen die negativen Folgen zu enger Zitzengummis in einer Einengung der Strichkanäle und der daraus resultierenden Erhöhung der Melkdauer und Gewebebelastung.
Zu kurze Zitzengummis führen schließlich zu einer mangelnden Zitzenmassage, da sich die Gummischäfte nicht vollständig schließen können.
Neben unpassenden Abmessungen der Zitzengummis bereitet häufig auch eine schlechte Materialbeschaffenheit Melk- und Mastitisprobleme. Insbesondere erschlaffte Schäfte verschlissener oder nicht rechtzeitig ersetzter Gummis verlängern die Melkdauer und vermindern den Ausmelkgrad, da sie sich nur noch unvollständig öffnen. Aber auch zu harte und überlagerte Zitzengummis stellen ein Problem dar, da sie die Zitzen während der Entlastungsphasen nicht flächig massieren, sondern nur punktuell quetschen.

Fazit
Melktechnik und Melkarbeit sind von zentraler Bedeutung für das Entstehen bzw. die Vermeidung von Euterentzündungen.
Insbesondere eine starke mechanische Belastung des Zitzengewebes ist problematisch, da sie die Schließmuskel und Strichkanalauskleidung schädigt und somit die natürlichen Infektionsbarrieren des Euters beeinträchtigt. Ursache solch mechanischer Überbelastungen sind ein zu hohes bzw. während der Entlastungsphasen nicht abgesenktes Zitzenraumvakuum, zu große Zitzengummis, ein schlechter Melkbechersitz und insbesondere das Blindmelken.
Auch die Übertragung von Krankheitserregern durch Milchstau im kurzen Milchschlauch, Lufteinbrüche, unkontrollierte Vakuumschwankungen und mangelnde Hygiene leisten dem Auftreten von Euterentzündungen Vorschub.
Schließlich ist auch möglichst vollständiges Ausmelken von hoher Relevanz für die Eutergesundheit, da nur so Krankheitserreger und deren Stoffwechselprodukte in ausreichendem Maße aus dem Euter entfernt werden.

Autor: Dr. Dirk HÖMBERG, Münster (D)


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Aktualisiert am: 25.01.2008 11:44
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