Gesunde Ernährung in der Schulküche

Anfang Dezember fand an der LFS Tulln die Tagung „Gesunde Ernährung in der Schulküche“ statt, an der KüchenleiterInnen und Lehrkräfte des Fachbereiches Ernährung der Landwirtschaftlichen Berufs- und Fachschulen teilnahmen.
Gesunde Ernährung in der Schule stand im Mittelpunkt der Tagung. Die Personen v.l.n.r.: Tagungsleiterin Ing. Rosina Neuhold, Ernährungsexpertin Mag. Rosemarie Zehetgruber und Ernst Roiser, Küchenleiter der LFS Tulln.
Gesunde Ernährung in der Schule stand im Mittelpunkt der Tagung. Die Personen v.l.n.r.: Tagungsleiterin Ing. Rosina Neuhold, Ernährungsexpertin Mag. Rosemarie Zehetgruber und Ernst Roiser, Küchenleiter der LFS Tulln.
„Die Schulen sind gefordert eine ausgewogene sowie gesunde Ernährung anzubieten und gleichzeitig auf die Essgewohnheiten der Jugendlichen positiv einzuwirken“, erklärte Tagungsleiterin Ing. Rosina Neuhold. „Welches Angebot bei der Verpflegung die Schulen ihren Schülern geben, prägt schon in jungen Jahren deren späteres Essverhalten“, so Neuhold. Ein gesundes, schmackhaftes und gut organisiertes Angebot wirkt sich positiv auf das Schulklima aus und kann als Teil der Schulkultur einen wichtigen Beitrag zur Esskultur von Jugendlichen leisten. Mit zahlreichen Fachvorträgen von Ernährungsexperten wurde gezeigt, dass in der Großküche und beim Schulbuffet eine innovative und jugendgerechte Kulinarik möglich ist.

Unterschiede im Essverhalten
Einen interessanten Bereich der Ernährung beleuchtete Mag. Rosemarie Zehetgruber mit dem Thema „Genderaspekte in der Schulverpflegung“. „Das Geschlecht der Jugendlichen hat einen großen Einfluss auf das Ernährungsverhalten. Es gibt dadurch auch geschlechtsspezifische Unterschiede bei den Erwartungen an die Schulverpflegung sowie bei der Zufriedenheit mit dem Angebot“, informierte Ernährungsexpertin Zehetgruber. Im Kindesalter, wie etwa in der Volksschule, gibt es praktisch keine Unterschiede beim Essverhalten von Mädchen und Burschen. Erst ab der Pubertät entwickeln sich die geschlechtsspezifischen Unterschiede beim Ernährungsverhalten. Der Nährstoffbedarf ist jedoch nur geringfügig verschieden und kann nicht als Erklärung für die großen Unterschiede dienen. Vielmehr sind die unterschiedlichen Essgewohnheiten durch die vorgegebenen Rollenbilder von Weiblichkeit und Männlichkeit begründet. Ernährungsstile sind geschlechtsspezifisch codiert und dienen ebenso wie etwa Kleidung oder Hobbys als „Geschlechtsverstärker“. Ab der Pubertät nutzen Mädchen und Burschen die ihnen zugeschriebenen, unterschiedlichen Vorlieben für bestimmte Lebensmittel oder Ernährungsformen, um ihre Männlichkeit oder Weiblichkeit darzustellen. Burschen greifen dann gerne zu Fleisch oder fettreichem Fast Food. Bei Mädchen kommt häufiger Obst, Gemüse oder Salat auf den Tisch. Bei den Getränken werden Wasser und Fruchtsäfte gerne von den Mädchen getrunken, bei den Burschen sind es Wasser, Softdrinks und Lightgetränke.

Veränderung durch Mitbestimmung
Die Veränderung des geschlechtsspezifischen Essverhaltens kann in der Schule nur dann funktionieren, wenn alle Beteiligten gemeinsam aktiv werden und Schülermitbestimmung auch gelebt wird. Dies betrifft auch die Küchenleitung und die Direktion, die durch ihre Zuschreibungen die Rollenbilder von Mädchen und Burschen häufig noch weiter verstärken. So kommt in Schulen mit mehr Burschen nachweislich mehr Fleisch auf den Teller, hingegen bekommen Mädchen häufiger Gemüse serviert. Schule muss sich ihrer Verantwortung bei der Prägung der Konsumgewohnheiten der Jugendlichen bewusst sein. Ziel sollte es daher sein, das Angebot an Speisen und Getränke für Mädchen und Burschen gleichermaßen ansprechend zu gestalten. Oft sind nur kleine Umstellungen nötig, um das zu erreichen.
Vorträge gab es bei der Tagung von DI Simon Ziegler, Firma Biogast, Franz Brixner, Firmengruppe Kastner zum Thema „Bio und Regionalität in der Gemeinschaftsverpflegung“, Mag. Georg Frisch referierte über „Gemeinschaftsverpflegung in der Praxis“ und Ing. Norbert Mayer über „Lebensmittelhygiene in der Gemeinschaftsverpflegung“.


Aktualisiert am: 02.12.2010 08:09
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