Genomische Selektion in der Rinderzucht begonnen

Seit Februar wird in der deutsch-österreichischen Fleckviehzucht die genomische Selektion genutzt. Wie die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) weiter mitteilte, wurden schon mehr als 2.200 Kälber untersucht und die Ergebnisse den Zuchtverbänden zur Verfügung gestellt. Auch Italien lässt seine Zuchtwerte in deutsch-österreichischen Rechenzentren schätzen.
Vor allem unser Braun- und Fleckvieh seien dank der genomischen Selektion im internationalen Wettbewerb wieder sehr gut aufgestellt.
Vor allem unser Braun- und Fleckvieh seien dank der genomischen Selektion im internationalen Wettbewerb wieder sehr gut aufgestellt.
Das Verfahren der genomischen Selektion ermöglicht LfL-Angaben zufolge die Auswahl der genetisch besten Tiere durch die Untersuchung einer einzigen Blut- oder Gewebeprobe. Bisher war dies frühestens möglich, wenn das Tier fünf Jahre alt war und selbst schon drei Kälber auf die Welt gebracht hatte.

Erste praktische Erfahrungen vorgestellt
Wissenschaftler der drei Rechenstellen und der Vereinigten Informationssysteme Tierhaltung haben den Stand der Verfahren und erste praktische Erfahrungen mit der genomischen Selektion auf einer Tagung in Salzburg vorgestellt. Dort schlussfolgerten Dr. Alfons Willam von der Universität für Bodenkultur in Wien und Dr. Stefan Neuner von der LfL in Grub, dass die effiziente Nutzung weitreichende Veränderungen der bestehenden Zuchtprogramme mit sich bringen werde. Zudem wurde laut LfL intensiv darüber diskutiert, wie die neuen Methoden zur Verbesserung der Fruchtbarkeit und der Tiergesundheit eingesetzt werden können.

Fleckvieh und Braunvieh gut aufgestellt
Nach Angaben der Landesanstalt lassen die Praktiker aus Zucht und Besamung gegenüber der neue Technologie allerdings noch Vorsicht walten: Alle Organisationen wollen zunächst die bewährte Nachkommenprüfung beibehalten und Bullen ohne Töchterleistungen nur sehr begrenzt in den Einsatz bringen. Darüber hinaus betonten die anwesenden Züchter, dass auch für sie wesentliche Änderungen in der Arbeitsweise zu erwarten seien. Sie beklagten dabei, dass die Vorgehensweise derzeit bei jeder Züchtervereinigung verschieden sei, was dem Züchter die Orientierung erschwere. Dennoch zog Ministerialrat Dr. Hans Ableiter vom Stuttgarter Landwirtschaftsministerium eine positive Bilanz und lobte die bewährte Zusammenarbeit zwischen Bayern, Baden-Württemberg und Österreich. Die Wissenschaftler hätten gezeigt, dass sich die gemeinsame Arbeit auch erfolgreich auf Zukunftstechnologien übertragen lasse, betonte Ableiter. Damit seien die Rassen Fleckvieh und Braunvieh im internationalen Wettbewerb wieder sehr gut aufgestellt.

Italien plant Kooperation
Wie die bayerische Landesanstalt weiter mitteilte, will auch Italien die genomischen Zuchtwerte für heimisches Fleckvieh zukünftig von den deutsch-österreichischen Rechenzentren in Grub, Wien und Stuttgart berechnen lassen. Im Gegenzug bringt das Land 500 Genotypen in die Datenbank ein und verbessert damit die Qualität der Ergebnisse für deutsche und österreichische Züchter. Mit dieser Kooperation werde die jahrelang erfolgreiche und vertrauensvolle Zusammenarbeit für die Zuchttechnologie des 21. Jahrhunderts fortgesetzt, betonte der Präsident des italienischen Fleckviehzuchtverbandes, Franco Moras, anlässlich der Vertragsunterzeichnung in Salzburg. Dieser Vertrag sei ein wichtiger Schritt in der Zusammenarbeit beim europäischen Fleckvieh, der dessen Rolle als weltweit führende Doppelnutzungsrasse weiter stärken werde, ergänzte LfL-Institutsleiter Dr. Kay-Uwe Götz, der gleichzeitig das Zuchtwertschätzteam Bayern, Baden-Württemberg, Österreich leitet. Laut der Bayerischen Landesanstalt bietet die Kooperation vor allem Italien mit seiner relativ kleinen Fleckviehpopulation große Vorteile, da für eine erfolgreiche Anwendung der genomischen Selektion eine hinreichend große Tierzahl vorhanden sein muss. Deutschland und Österreich besitzen zusammen die weltweit größte Population dieser Rasse und haben schon früh mit der Entwicklung des Verfahren begonnen. (AgE)

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Aktualisiert am: 11.04.2011 11:15
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