Generalversammlung der IG-Milch 2011

Die IG-Milch hatte zu ihrer Generalversammlung in Leonding zwei Gastreferenten mit sehr gegensätzlichen Anschauungen eingeladen. So gab es ausreichend Stoff für heftige Diskussionen über den europäischen Milchmarkt und die Zukunft der Milchwirtschaft in Österreich und Europa.
Die Referenten der IG-Milch Generalversammlung sorgten für hitzige Diskussionen in der Leondinger Kürnberghalle.
Die Referenten der IG-Milch Generalversammlung sorgten für hitzige Diskussionen in der Leondinger Kürnberghalle.
„Das Ziel nicht vergessen, den Weg nicht verlassen und den Mut nicht verlieren“, so zitierte Obfrau Erna Feldhofer den Leitsatz der IG-Milch (Verein österreichischer Grünland- und Rinderbauern). Das Ziel sei ein kostendeckender Milchpreis, ergänzte Feldhofer. Als Geschäftspartner der Freien Milch Austria schilderte der Geschäftsführer der Privatmolkerei Seifried Markus Wuggazer die Situation des Projektes „A faire Milch“. Diese wird seitdem der Vertrag mit der NÖM einvernehmlich gekündigt wurde, wieder von Seifried abgefüllt. „Ich darf nicht über Zahlen sprechen, aber ich kann berichten, dass wir seit Juni eine Absatzsteigerung von 20 % aufweisen können“, berichtete Wuggazer. Zuvor seien die Absatzzahlen rückläufig gewesen.

Markteinführung von Butter geplant

Der Geschäftsführer der Freien Milch Austria Ernst Halbmayr umriss die Situation der Erzeugergemeinschaft. Diese vermarktet aktuell die Milch von 585 Betrieben. Die größten Abnehmer sind derzeit Deutschland mit 56 % und Italien mit 38 %. Für 2012 ist die Einführung der „Fairen Butter“ geplant. Da die Molkerei Seifried dafür ist eine Abpackanlage investieren muss, müssen als nächster Schritt Gespräche mit dem Handel geführt werden. „Die Investition wird erst nach der Zusage des Handels getätigt“, erklärte Halbmayr. „Die Milchanlieferung in Europa sinkt. Gleichzeitig werden die Verarbeitungskapazitäten ausgebaut“, so der Geschäftsführer. Am europäischen Milchmarkt beobachte er derzeit, dass sich die Molkereien durch Fusionen den Rohstoff Milch sichern.

Hoelgaard und Baringdorf am Podium

Als Gastreferenten zum Thema „Europäischer Milchmarkt nach 2015“ nahmen der Stellvertretende Generaldirektor der EU-Kommission Lars Hoelgaard und der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) am Podium Platz. Hoelgaard erwähnte zu Beginn seines Vortrages, dass er mit einer Österreicherin verheiratet sei und schon des Öfteren bei seinem Schwager in Linz zu Besuch war. Mit diesem Bekenntnis zu Österreich ließen sich die Zuhörer nur für kurze Zeit positiv stimmen. Nach seinen Schilderungen über das Milchpaket zeigten sich sowohl sein Nachredner Graefe zu Baringdorf als auch einige Besucher wenig erfreut über die Ausführungen. O-Ton aus dem Publikum zur Abschaffung der Milchquote: „Das ist Diebstahl!“ Hoelgaard bekannte sich hingegen klar als Gegner der Milchquote: „Wir haben einen Fehler gemacht, als 1984 die Quote eingeführt wurde.“ In diesem Punkt stimmte ihm Graefe zu Baringdorf sogar zu: „Wir waren als AbL damals gegen die Quoteneinführung“. Jetzt tritt die AbL hingegen gegen die Abschaffung der Milchquoten ein. Als Gefahr für die Milchviehbetriebe sieht Graefe zu Baringdorf zudem die teilweise extrem hohe Dichte an Biogasanlagen. „Damit steigen die Pachtpreise und die Futterkosten extrem an“, so Baringdorf. Aus diesem Grund glaubt der AbL-Vorsitzende an eine Renaissance des Grünlandes: „Wenn es mehr Geld bringt, den Mais direkt in die Biogasanlagen zu kippen, als ihn den Kühen zu füttern, dann wird die Wertschätzung für Grünland wieder steigen.“


Aktualisiert am: 21.11.2011 08:44
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