Geburtshilfe: Gut vorbereiten, wenig helfen

Die Abkalbung hat entscheidende Auswirkungen auf die Zukunft von Kuh und Kalb. Doch leider können während der Geburt auch Komplikationen auftreten, die das Eingreifen von Landwirt oder Tierarzt erfordern.

Bei manchen Geburten ist eine vorsichtige Zughilfe durch den Landwirt notwendig.
Bei manchen Geburten ist eine vorsichtige Zughilfe durch den Landwirt notwendig.
Das Einsetzen der Geburt ist meist an einer vermehrten Unruhe der Tiere zu erkennen. Die Kühe bzw. Kalbinnen sollten absolute Ruhe haben und nicht durch unnötige Untersuchungen gestört werden. Durch das Einsetzen der inneren Wehen wird die Gebärmutter kontrahiert und die Wasserblase erscheint im Schamspalt. Nach dem Zerplatzen der Wasserblase muss sich die Gebärmutter weiter zusammenziehen, ehe die Schleimblase mit dem Kalb sichtbar wird. Solange sich das Kalb an der Nabelschnur hängend in dieser Blase befindet und die Plazenta (spätere Nachgeburt) sich nicht von der Gebärmutter löst, besteht keinerlei Gefahr für das Kalb und die Schleimblase ist in der Lage den weichen Geburtsweg schonend zu erweitern. Am Ende erscheinen meist das Flotzmaul des Kalbes sowie die beiden Vorderbeine in der Schamspalte oder wir sehen im Falle einer Hinterendlage die Hinterbeine, wobei hier die Afterklauen nach oben zeigen. Nun beginnt die Austreibungsphase, in der das Muttertier unter Einsatz der Bauchpresse das Kalb Stück für Stück nach außen schiebt. Im Zuge einer dieser Wehen zerplatzt dann auch die Schleimblase. Ist das Kalb geboren, reißt die Nabelschnur an einer „Sollbruchstelle“ ab und die Nabelgefäße ziehen sich zurück. Im Idealfall wird das Muttertier rasch mit dem Ablecken des neugeborenen Kalbes beginnen, um die Atmung des Kalbes anzuregen.

Wesentlich für eine gute Geburt ist die Zugrichtung:
Bis der Kopf und die Schulter sichtbar sind, wird gerade nach hinten gezogen!
Ab der Schulter erfolgt der Auszug weiter in Richtung Euter, während das Kalb 90° um die Längsachse gedreht wird. Dadurch sollte das Becken des Kalbes, im rechten Winkel gedreht, durch das mütterliche Becken gleiten.

Sofort Wasser geben
Nach der Geburt ist es ratsam, die Gebärmutter zu untersuchen, ob sich noch ein Kalb darin befindet, denn gerade bei Zwillingsgeburten kommt es häufig zu Fehllagen. Im Anschluss an die Geburt soll der Kuh große Mengen (50 – 60 Liter) lauwarmen Wassers angeboten werden, um eine gute Pansenfüllung und den Kreislauf zu stabilisieren. Dies fördert einen guten Start in die neue Laktation.



Autor: Dr. Walter PEINHOPF, Dr. Vet – Die Tierärzte, Jöss




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Aktualisiert am: 18.07.2008 10:45
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