Geburt: Nicht zu früh ziehen - optimale Geburtshilfe im Mutterkuhbetrieb

Die Decksaison mit einer guten Fruchtbarkeit, die problemlose Abkalbung und die erfolgreiche Kälberaufzucht sind wesentliche Kriterien für eine erfolgreiche Mutterkuhhaltung.

Aufweitungsphase, die Klauen erscheinen in der Schamspalte.
Aufweitungsphase, die Klauen erscheinen in der Schamspalte.
Ein betriebswirtschaftlich zufriedenstellendes Ergebnis erreicht nur, wer ein Kalb pro Kuh und Jahr aufzieht. Die Kälberverluste sollten unter 5 % liegen, bewegen sich aber häufig zwischen 5 und 15 %. Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen Geburtsverlauf und Kälberverlusten. Hohe Verluste müssen aber nicht sein. Werden einige grundlegende Dinge beachtet, steht einem guten Start nicht viel im Wege.

Geburtskomfort
Einige Tage vor dem errechneten Geburtstermin sind die zur Kalbung anstehenden Kühe und Kalbinnen in eine Abkalbebox zu verbringen. Diese sollte bei einer Größe von mindestens 10m² / Tier trocken, sauber, rutschsicher, leicht zu reinigen und zu desinfizieren sein. Dabei ist darauf zu achten, dass der Kontakt (Sicht- und/oder Berührungsmöglichkeit) zu den übrigen Tieren der Herde erhalten bleibt. Die Tiere sind mit frischem Wasser und bestem Futter zu versorgen, sie sind bei Bedarf zu fixieren. Keinesfalls darf die Abkalbebox als Krankenstall dienen, denn gerade von euter- und klauenkranken Kühen geht eine sehr starke Keimbesiedelung des Umfeldes aus, in dem dann die Kälber geboren werden.

Geburtshygiene
Unter Geburtshygiene versteht man alle Maßnahmen zur Verringerung der Gefahr von Infektionen des Muttertieres, der Neugeborenen und natürlich auch des Geburtshelfers.
Bei den ersten sichtbaren Anzeichen der Geburt (Einstellen der Wehen, Platzen der Wasserblase) sollte der gute Geburtshelfer Geduld bewahren. Für die notwendige Aufweitung des Geburtsweges benötigt die Kuh 2 bis 4 Stunden, eine Erstkalbin bis zu 6 Stunden. Bei den Hilfsmitteln für die Geburtshilfe ist darauf zu achten, dass sie leicht zu reinigen und zu desinfizieren sind. Bewährt haben sich verchromte Geburtsketten oder ausgekochte Geburtsstricke. Ein geeignetes Gleitmittel, schulterlange Einweghandschuhe sowie sauberes Wasser und Handtücher sind auf einer geeigneten Unterlage bereit zustellen.
Frühestens 2 Stunden nach dem Blasensprung oder bei Verdacht auf fehlerhafte Haltung oder Lage des Kalbes ist eine geburtshilfliche Untersuchung angezeigt.
Vor dem ersten Eingreifen in den Geburtskanal ist der Scheidenbereich des kalbenden Tieres gründlich mit warmen Wasser und Seife zu reinigen. Ist keine Hilfsperson anwesend, sollte der Schwanz des Rindes nach vorn ausgebunden werden. Werden keine sauberen Einweghandschuhe benutzt, müssen Hände und Arme des Geburtshelfers gründlich mit Wasser und Seife gereinigt werden. Ergibt die geburtshilfliche Untersuchung einen Hinweis auf eine Störung des normalen Geburtsablaufes (z.B. fehlerhafte Haltung, Lage oder Stellung, mehr als zwei Gliedmaßen im Geburtsweg oder bei Verdacht auf ein zu großes Kalb) ist umgehend der Tierarzt zu informieren.

Zu den hygienischen Maßnahmen bei allen geburtshilflichen Tätigkeiten gehört auch, dass der Geburtshelfer saubere, wenn möglich ärmellose Kleidung trägt. Die Verwendung einer geeigneten Schürze ist anzuraten.

Zusammenfassung
Eine unhygienische, gewaltsame Geburtshilfe kann Ursache hoher Kälberverluste sein. Darüber hinaus führen Managementfehler im geburtsnahen Zeitraum nicht selten zu kranken Mutterkühen und reduzieren damit ihre Reproduktionsleistung oder führen zu vorzeitigem Abgang.

Aus diesem Grund sind folgende Managementaufgaben zu bewältigen
- Beachtung der Zuchtkondition
- Auswahl geeigneter Stiere
- ausgewogene Vorbereitungsfütterung (Vitamine nicht vergessen!)
- Verfettung vor dem Abkalben vermeiden
- optimaler Kuhkomfort beim Kalben
- peinliche Geburtshygiene
- schonende Geburtshilfe
- Überwachung der Nachgeburtsphase

Autor: Dr. Andreas RANDT, Fachtierarzt für Zuchthygiene und Besamung, Tiergesundheitsdienst Bayern e.V., Geschäftsstelle Schwandorf


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Aktualisiert am: 09.01.2009 13:05
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