GLYCERIN- das neue Schweinefutter:

Glycerin ist ein Nebenprodukt der Biodieselerzeugung und könnte als Energiefutter in die Schweinefütterung aufgenommen werden. Doch Vieles ist noch unklar, es fehlen praktische Erfahrungen.
Ferkel zeigten im Versuch eine bessere Futterverwertung und eine geringere Durchfallhäufigkeit.
Ferkel zeigten im Versuch eine bessere Futterverwertung und eine geringere Durchfallhäufigkeit.
Zentraler Verfahrensschritt bei der Biodieselproduktion ist die Umesterung der Fettsäuren. Neben dem Biodiesel (Rapsmethylester) entstehen dabei auch Glycerin und je nach Produktionsverfahren Natrium- bzw. Kaliumverbindungn. Für die Wirtschaftlichkeit und Energieeffizienz entscheidend ist die Verwertung der Nebenprodukte der Biodieselherstellung. Denkbar und seit Jahren durchgeführt ist die Verwertung in Biogasanlagen und - für Tierhalter interessant - die Verfütterung an Nutztiere.

Preiswürdigkeit
Da sowohl Glycerin wie auch Rohglycerin reine Energiefuttermittel darstellen, leitet sich deren Preiswürdigkeit vom Weizenpreis ab. Werden keine eindeutigen Mehrleistungen durch den Einsatz der beiden Glycerinfuttermittel erwartet (z.B. in der Mastschweinehaltung), darf das Rohglycerin aus Energiesicht nicht mehr kosten als Weizen. Hierbei sind aber auch die zusätzlichen Inhaltsstoffe des Weizens zu berücksichtigen, so dass der Preis des Rohglycerins unter dem des Weizens liegen sollte. Reinglycerin liefert etwa 20 % mehr Energie als Weizen und darf daher geringfügig teurer sein als Weizen. Beide Voraussetzungen sind bei der momentanen Preissituation (Weizen 22 €, Rohglycerin 25-30 €, Reinglycerin 40 €) nicht gegeben. Im Bereich der Ferkelfütterung sind Futteraufnahmeeffekte zu erwarten, so dass sich ein höherer Preis (bis 50 %) gegenüber dem Weizen im Versuch gerechnet hat.

Tipps zum Einsatz von Glycerin
-Kauf von Glycerin nur vom vertrauenswürdigen Händler
-Immer Futtermitteldeklaration anfordern (Glyceringehalt, Wassergehalt, Rohasche)
-Abklären, ob produktionsbedingt hohe NaCl Gehalte vorkommen, wenn ja: Mineralfutter anpassen und Wasserversorgung optimieren
-Preisrelationen im Vorfeld beachten (Rohglycerin nicht teurer als Weizen in der Mast)
-Nicht mehr als 5 % im Mehlfutter verwenden
-Geschmacksprobe (süßlicher Geschmack notwendig) vor Verfütterung, Farbe ist nicht entscheidend

Autor: Dr. Manfred WEBER, Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau Iden (D)


Aktualisiert am: 11.09.2007 15:59
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