GAP: Was ist das Ziel?

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Jeder zweite deutsche Landwirt hat in den vergangenen zwanzig Jahren das Handtuch geworfen. In Österreich hat jeder Dritte aufgehört - trotz Gemeinsamer Agrarpolitik. Da stellt sich die Frage: Wem dient die GAP? Ein Kommentar von LANDWIRT Redakteur Roman Goldberger.
„Die EU als Wirtschaftsgemeinschaft macht keine Bauernpolitik. Sie macht Wirtschaftspolitik – und hier ist die Landwirtschaft ein Teil des Ganzen.“
„Die EU als Wirtschaftsgemeinschaft macht keine Bauernpolitik. Sie macht Wirtschaftspolitik – und hier ist die Landwirtschaft ein Teil des Ganzen.“
Die Gemeinsame Agrarpolitik hat die EU-Agrarpreise auf Weltmarktniveau gesenkt. Das sei kein Zufall, erklärt mir ein hochrangiger Mitarbeiter der EU-Kommission. Denn so sei es erst möglich geworden, dass Europa heute mehr Lebensmittel exportiert als es in die Gemeinschaft einführt. Wir sind jetzt Nettoexporteur. Hurra! In Österreich hat seit 1995 jeder dritte Landwirt das Handtuch geworfen. Dass die Landwirte weniger verdienen, ist der Kollateralschaden dieses Systems. Direktzahlungen sollen das Loch stopfen – einmal mehr, einmal weniger. Viele hören auf. Die anderen vergrößern ihre Produktion, denn die Menge macht das Geld – nicht nur die Qualität.

Daran wird sich auch in der GAP nach 2020 nichts ändern. Die EU als Wirtschaftsgemeinschaft macht keine Bauernpolitik. Sie macht Wirtschaftspolitik – und hier ist die Landwirtschaft ein Teil des Ganzen. Den Strukturwandel könne man nicht stoppen, höre ich aus der Kommission. Ein sichtlich genervter Mitarbeiter desAgrarkommissars fragt mich: „Wohin wollt ihr eure Milch verkaufen, wenn wir keine Exportmärkte erschließen?“ Exportmärkte sind Verdrängungsmärkte und es fällt schwer zu glauben, dass die Migrationsbewegungen nichts mit Europas Exporterfolg zu tun haben. Afrikas Bevölkerung lebt zu einem Großteil von der Landwirtschaft und wird verdrängt, wenn sie nicht billig produziert. Milchpulver aus Europa ist keine Seltenheit in Afrikas Supermärkten. Können wir das vor dem Steuerzahler rechtfertigen? Immerhin stellt er jährlich 60 Milliarden Euro für das EU Agrarbudget zur Verfügung.

Der Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft muss das oberste Ziel der GAP sein. Dahinter steht auch der Steuerzahler.

Aktualisiert am: 08.09.2017 11:34