Futterverschmutzung – Auswirkungen auf die Qualität von Grassilagen

Speziell bei Grassilagen kann die Gärfutterqualität durch unterschiedliche Verschmutzungsquellen negativ beeinflusst werden. Im Folgenden werden die Ursachen von Futterverschmutzung und einfache Maßnahmen zu deren Reduktion besprochen.
Sobald die Wiesen schneefrei sind, sollte mit der Bekämpfung der tierischen Schädlinge angefangen werden.
Sobald die Wiesen schneefrei sind, sollte mit der Bekämpfung der tierischen Schädlinge angefangen werden.
In der Erntezeit des 1. Aufwuchses ist auch die Setzzeit des Rehwildes. Es kommt häufig vor, dass sich Rehkitze in den Futterbeständen verstecken und bei der Futterernte durch das Mähwerk schwer verletzt oder sogar getötet werden. Wenn ein solcher Tierkadaver mit dem Futter in den Silo gelangt, beginnt dort ein natürlicher Verwesungsprozess, der entsprechende Leichengifte freisetzt. Sehr gefährlich kann für die Tiere die Verfütterung einer derart kontaminierten Silage werden, weil hier Botulismus (verursacht durch Clostridium botulinum) auftreten kann. Sichtbare Kadaverteile und die umliegende Silage müssen auf jeden Fall entfernt werden, am besten in einer Schicht von mindestens 50 cm um die Fundstelle, unterhalb des Kadavers besser noch mehr. Beim 1. Aufwuchs ist es ratsam, dass eine Person das gemähte Feld nach verletzten oder getöteten Rehkitzen absucht und wenn eines gefunden wird, dieses mitsamt dem angebluteten Grünfutter entfernt.

Sind Maschinen (Traktor oder Lader) leck, kann es speziell bei der Futterverdichtung auf dem Fahrsilo vorkommen, dass Motoröl oder Diesel austritt und das Futter kontaminiert. Wenn Mineralöl punktuell austritt, so kann dieser Futterbereich entsprechend entfernt werden. Erfolgt der Eintrag verbreitet über den ganzen Silo verteilt in mehreren Schichten, so muss von der Verfütterung abgeraten werden. Wenn die Kontamination mit Mineralöl gering ist, kann dieses Futter mit einer anderen Silage vermischt und erst dann verfüttert werden. Es muss aufgrund des unangenehmen Geruches damit gerechnet werden, dass die Tiere vom kontaminierten Gärfutter deutlich weniger aufnehmen.

Fazit für die Praxis
Erdige Futterverschmutzung verursacht ein erhöhtes Risiko für eine verlustreiche Buttersäuregärung bei Grassilagen, aber auch eine Verringerung der wertvollen Futternährstoffe und der Energiedichte in der Trockenmasse. Wirtschaftlich betrachtet muss der Futterverschmutzung durch Erde oder Wirtschaftsdünger- und Futterreste mit entsprechenden Maßnahmen auf dem Feld rechtzeitig entgegengesteuert werden, weil letztendlich durch den Verzehr von verschmutztem Futter die tierische Leistung, die Tiergesundheit und die Produktqualität leiden. Verschmutzte Nasssilagen verbreiten, aufgrund der höchstwahrscheinlichen Fehlgärung, einen sehr unangenehmen Buttersäuregeruch, der speziell in der nicht bäuerlichen Nachbarschaft auf wenig Gegenliebe stößt.

Autor: Ing. Reinhard RESCH, HBLFA Raumberg-Gumpenstein


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Aktualisiert am: 23.03.2007 13:18
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