Futter: Auswuchsgetreide verfüttern?

Die feuchte Witterung hat stellenweise zu erhöhtem Auswuchs im Getreide geführt. Welche Auswirkungen hat der Auswuchs auf die Futterqualität und den praktischen Einsatz in der Tierfütterung?
Was passiert im Getreide bei der Keimung?

Auswuchs bedeutet, dass die Körner schon in der Ähre bzw. Rispe keimen. Zu unterscheiden ist sichtbarer und unsichtbarer Auswuchs, wobei beim letzteren der Keimling nicht zu sehen ist. Durch den Keimvorgang werden Stärke und Eiweiß mobilisiert. Das Enzym Amylase baut die Stärke zu Zucker ab und erhöht dadurch den Zuckergehalt (Körner schmecken folglich süßlicher). Da bei Wiederkäuern erhöhte Zuckergehalte zu pH-Veränderungen im Pansen führen können, sollte der Einsatz von Auswuchsgetreide in der Wiederkäuerfütterung begrenzt werden. Für Schweine ändert sich der Energiegehalt nur unwesentlich, da sie Stärke und Zucker fast gleich verwerten.

Auf die Vitamin E-Versorgung achten

Durch den Abbau von Reineiweiß reichern sich Eiweißspaltprodukte an. Die Synthese bestimmter Vitamine, insbesondere von B1, steigt, während die Peroxidbildung der Fettsäuren die Zerstörung von Vitamin E begünstigt. Deshalb ist in solchen Fällen auf eine ausreichende Vitamin E-Versorgung zu achten.

Mykotoxine beachten

Insgesamt sind Verdaulichkeit und Energiegehalt nur wenig verringert. Es besteht aber immer die Gefahr eines Pilzbefalls bzw. einer Toxinbelastung. Auswuchsgetreide sollte deshalb nicht an Jungtiere und Sauen verfüttert werden. Ansonsten sollten die Anteile an Auswuchsgetreide auf etwa 30 % der Getreidemenge begrenzt werden. Je feuchter das Getreide ist, desto schneller muss die Konservierung erfolgen. Durch die Reinigung werden die Keimlinge weitgehend entfernt (Quelle: Andrea Meyer, LWK Niedersachsen).


Aktualisiert am: 03.09.2010 13:34
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