Fütterung: Ist der Fett-Eiweiß-Quotient aussagekräftig genug?

Der Fett-Eiweiß Quotient wird von der Beratung gerne dazu genützt, um Störungen im Energiestoffwechsel zu erkennen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass diese Methode hier nicht immer stimmt.
Mit zunehmender Leistung, besonders in der Frühlaktation, werden tendenziell auch höhere Fett-Eiweiß-Quotienten in der Milch gefunden.
Mit zunehmender Leistung, besonders in der Frühlaktation, werden tendenziell auch höhere Fett-Eiweiß-Quotienten in der Milch gefunden.
Besonders Frischabkalber unterliegen einem hohen Risiko an Stoffwechselstörungen zu erkranken, weil ihre Futteraufnahme in dieser Phase der Milchleistung hinterher hinkt. Deshalb ist es von großer Bedeutung, Stoffwechselstörungen auf Herdenbasis möglichst frühzeitig zu erkennen. Dafür werden häufig Analysen von Blut- und Harnproben, besonders aber die Milchinhaltsstoffe und hier allen voran der Milchkennwert Fett-Eiweiß-Quotient (FEQ) genutzt. Der FEQ ergibt sich aus dem Verhältnis von Fett-% zu Eiweiß-% und sollte laut Beratungsempfehlungen optimalerweise über die gesamte Laktation zwischen 1,1 und 1,5 liegen.

Risikofaktor Alter
Mit zunehmendem Alter steigt die Milchleistung der Tiere und damit die Stoffwechselintensität. Zeitgleich nimmt zumindest auch das Risiko ketotischer Stoffwechselentgleisungen mit dem Alter der Tiere zu. So nahm mit steigender Milchleistung im ersten Laktationsdrittel sowohl der Gehalt an ßHB im Blut, als auch der FEQ in der Milch zu. Zeitgleich stieg, wie zu erwarten war, auch der Anteil an ketotisch belasteten Tieren (mit einem ßHB-Gehalt > 1000 µmol/l) mit zunehmendem Alter und damit steigender Leistung an. Er betrug bei den Erstkalbskühen 15 % und bei den Zweitkalbskühen 20 %. Von den Mehrkalbskühen mit mehr als 2 Laktationen wiesen zu Laktationsbeginn sogar fast 40 % einen in Richtung Ketose zeigenden erhöhten ßHB-Gehalt auf.

Fazit
Aus der Literatur ist bekannt, dass deutliche Energiemangelzustände im Herdenmaßstab durch den Milchkennwert FEQ während der ersten 100 Laktationstage aufgedeckt werden können. Auswertungen aus Futterkamp zeigen aber, dass schwächer ausgeprägte Entgleisungen des Kohlenhydrat-Fettstoffwechsels in Richtung einer Ketose hingegen mit diesem Parameter nicht sicher eingeschätzt werden können. Gleiches gilt für Aussagen zum Gesundheitszustand des Einzeltieres. Die Ergebnisse zeigen, dass der Nutzen des Parameters FEQ zur frühzeitigen Erkennung ketotischer Stoffwechsellagen im Rahmen einer Herdenüberwachung in Frage zu stellen ist.

Autorin: Dr. Katrin MAHLKOW-NERGE, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (D)


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Aktualisiert am: 21.09.2009 18:06
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