Fruchtbarkeitsstörungen: Die richtige Strategie gegen PRRS, Parvo und Co

Die Ursachen für Fruchtbarkeitsstörungen sind mannigfaltig. Entsprechend schwierig ist die Erkennung und Bekämpfung. Folgender Beitrag zeigt, wie die Ursachenforschung erfolgreich und ganzheitlich betrieben werden kann.
Das ist das Ziel: Vitale Sauen mit vielen und großen Würfen. Gesamtmanagement, Fütterung, Hygiene und Jungsaueneingliederung sind wesentliche Bereiche, die es auf dem Weg zu diesem Ziel zu optimieren gilt.
Das ist das Ziel: Vitale Sauen mit vielen und großen Würfen. Gesamtmanagement, Fütterung, Hygiene und Jungsaueneingliederung sind wesentliche Bereiche, die es auf dem Weg zu diesem Ziel zu optimieren gilt.
Neben der Anzahl geborener Ferkel wird die Aufzuchtleistung, also die Zahl der aufgezogenen Ferkel, immer vordergründiger gesehen. Mehr geborene Ferkel führen zunächst einmal zu einer Reduktion der Geburtsgewichte, was in der Konsequenz eine höhere Verlustrate zur Folge haben kann. Mittlerweile werden diese Faktoren in der Zuchtarbeit mit eingearbeitet und neue Zielgrößen wie zB die Mutereigenschaften mit „Mütterlichkeit“, Erdrücken, Milchleistung, Verhalten der Sau etc, erlangen mehr und mehr an Bedeutung. Daneben werden auch „Krankheitsresistenzen“ in den verschienen Zuchtrichtungen berücksichtigt. Das Streben nach mehr Ferkel pro Sauenleben kann nur in einer den Verhältnissen angepassten Umwelt Erfolg haben. Fehler in der Haltung und Fütterung der Tiere, mangelndes Hygienemanagement, Defizite in der Gesundheits- bzw. Krankheitsprophylaxe, spielen die größte Rolle im Rahmen des Fruchtbarkeitsgeschehens der Sauen.

Medikamente zum Überdecken von Managementproblemen gibt es nicht, auch wenn man immer wieder mit diesem Wunsch konfrontiert wird. Die optimalen Umweltbedingungen (Management) sind die Grundlage für eine Erfolg versprechende Ferkelproduktion.

Impfen gegen Fruchtbarkeitsstörungen
So wie man sich, bzw. seinen Bestand gegen Durchfall- und Atemwegserreger schützen kann, so ist es auch möglich gegen eine Reihe von Fruchtbarkeitsstörungen zu impfen. Dazu muss allerdings zuerst einmal der Gesundheitsstatus der Herde bekannt sein. Aus diesem Grunde muss labordiagnostisch abgeklärt werden, welche Erreger im Bestand Probleme bereiten. Aber: Nicht jeder Keim, der direkt oder indirekt nachgewiesen wird, muss auch für das Tier, bzw. für den Bestand Krankheitsauslöser sein. Die Konzentration der Untersuchungen und Interpretationen liegt auf den „Problemkeimen“, die die Leistung negativ beeinflussen.

Fazit
Auslöser von Fruchtbarkeitsstörungen sind nicht immer deutlich ausgeprägt und auf den ersten Blick zu erkennen. Zuerst muss in regelmäßigen Abständen der exakt geführte Sauenplaner sinnvoll ausgewertet werden. Hier lassen sich bereits Tendenzen erkennen, die dann weiter entsprechend analysiert werden. Der zweite Schritt ist die regelmäßige Bestandsuntersuchung (Auffälligkeiten im Sauen- und Ferkelbereich; Futter-Wasser, Management mit Hygiene und Haltung). Bei Verdacht auf entsprechende Fruchtbarkeitsstörungen wird eine Laboranalyse mittels gezielt entnommener Proben durchgeführt. Durch die Reduzierung des Infektionsdruckes mittels bekannter Maßnahmen (Hygiene, Haltung, Management, Eingliederung neuer Gruppen, etc) und der Auswertung aller vorhandenen Daten ist bereits sehr früh eine Verschlechterung der Fruchtbarkeitsleitungen zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zur „Gegensteuerung“ einzuleiten. Nachgewiesene Erreger sind nach tierärztlichen Anweisungen konsequent zu bekämpfen. Sei es durch strategische Impfmaßnahmen und/oder medikamentellen Behandlungen. Einen Erreger allein als Grund für eine verschlechterte Fruchtbarkeitsleistung wird es sicher nicht geben. Die Summe vieler Faktoren ist ausschlaggebend für das Fruchtbarkeitsgeschehen. Alle die Einflüsse zu erkennen, zu analysieren und entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen liegen in der Hand des erfahrenen Tierarztes und Tierhalters. Nur durch das gemeinsame Handeln und Vertrauen wird der Betrieb erfolgreich und damit ökonomisch sein.

Von Dr. Ernst-Günther HELLWIG, Agrar- und Veterinär-Akademie, Horstmar-Leer (D)


Aktualisiert am: 24.07.2007 15:39
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