Fruchtbarkeit bei Sauen: So springen Sie übers Sommerloch

Das Phänomen „Sommerloch“ tritt alljährlich im Spätsommer in vielen Sauenbeständen auf. Geringere Fruchtbarkeitsleistungen während dieser Zeit nagen an der Wirtschaftlichkeit. Da sind Maßnahmen zur Stabilisierung der Fruchtbarkeit gefragt.
Rauschige Sauen
Rauschige Sauen
Leistungsschwankungen in der Sauenfruchtbarkeit beeinträchtigen in Sauenbetrieben mit straffem Produktionszyklogramm die Wirtschaftlichkeit und die Kontinuität der Ferkelerzeugung. Sie erschweren folglich die Bewirtschaftung der vertikal nach Produktionskapazität aufeinander abgestimmten Produktionsstufen von der Ferkelerzeugung bis hin zur Mast.

Maßnahmen zur Stabilisierung der Fruchtbarkeit
Analyse des Brunstverhaltens und der Fruchtbarkeitsleistungen im Sauenbestand zur Abschätzung der saisonalen Schwankungen
Analyse der leistungsrelevanten Einflussfaktoren wie die Lebendmasse und Körperkondition der Sauen, die bedarfsgerechte Wasser- und Futterversorgung sowie die Stallklimatisierung.
Intensivierung der Brunstkontrolle mit einem Stimuliereber. Die Ergebnisse sind präzise zu dokumentieren, weil sie die Grundlage für Auswertungen sind, die möglicherweise zur Anpassung der Besamungszeiten führen.
Bei erhöhtem Anteil an Sauen mit Brunstlosigkeit bzw. verzögertem Duldungsverhalten sind zusätzliche zootechnische Maßnahmen, wie Umweltveränderung, energie- und wirkstoffreiche Fütterung (Flushing),sowie sexuelle Stimulation mithilfe von Stimuliereber durchzuführen. Gegebenenfalls sind Sauen in der spontanen Brunst zu belegen.
Sicherstellung eines konsequenten „Alles-rein – alles-raus“ – Systems für die Bewirtschaftung der Abferkelställe mit einem sehr akkurat durchzuführendem Reinigungs- und Desinfektionsprogramm. Nur so kann in der warmen Jahreszeit einer Erhöhung des Erregerdrucks in den Ställen nachhaltig begegnet werden.
Sauen, die zur Besamung oder zur Abferkelung aufgestellt werden, sollten vorher gewaschen werden. Neben dem hygienischen Aspekt dieser Maßnahme ist in den Sommermonaten vor allem die kühlende Wirkung für die Tiere günstig.

Fazit
In der warmen Jahreszeit sind die Sauen erhöhten Belastungen ausgesetzt. Diese können z.T. sehr nachhaltig die Fruchtbarkeitsleistungen in den Herden beeinträchtigen. Die Belastung durch erhöhte Umgebungstemperaturen bzw. Hitzestau des an sich angespannten Stoffwechsels der abgesetzten, zu besamenden, tragenden oder säugenden Sauen hat vor allem reproduktionsbiologisch weit reichende Konsequenzen. Jüngere Sauen sind davon allgemein stärker betroffen als ältere Tiere. Das verlangt aber generell alle zoo- und biotechnischen Maßnahmen zur Unterstützung der Fortpflanzungsereignisse bei den Sauen herdenspezifisch zu optimieren bzw. an die Situation anzupassen. Auf der Grundlage optimaler Fütterungs- und Haltungsbedingungen sind die biotechnischen Behandlungsprogramme zur Brunst- und Ovulationssynchronisation im Rahmen der vorgegebenen Möglichkeiten zu modifizieren.

Autor: Prof. Dr. Martin WÄHNER, Hochschule Anhalt (FH) Bernburg, Deutschland


Aktualisiert am: 10.07.2007 17:06
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