Fruchtbarkeit bei Sauen: Herbstliche Tücken gefährden Trächtigkeitsergebnisse

Untersuchungen an Sauenbeständen zeigen auf, dass die Anzahl der Leertage im Herbst rapide ansteigt. Man spricht vom so genannten „autumn abortion syndrome“, das es zu bekämpfen gilt.
In der Fachliteratur wird das jahreszeitlich fortpflanzungsbiologische Problem als „autumn abortion syndrome“ bezeichnet
In der Fachliteratur wird das jahreszeitlich fortpflanzungsbiologische Problem als „autumn abortion syndrome“ bezeichnet
Erfahrungsgemäß unterliegen die biologischen Fortpflanzungsleistungen der Sauen saisonalen Schwankungen. Davon sind sowohl das Brunstgeschehen als auch die Trächtigkeits- und Abferkelergebnisse betroffen. Eine Monatsauswertung des Rheinischen Erzeugerrings für Qualitätsferkel belegt diese Entwicklung anhand des jahreszeitlichen Verlaufs der Umrauscherquoten. Auf Absetz-Monate bezogen, erbrachte der November den nachfolgend geringsten Anteil nicht tragender Tiere (12,1 %), während im Verlaufe des ausgewerteten Wirtschaftsjahres der August mit 19,4 % am schlechtesten davon kam. Es ließen sich vier Jahresabschnitte mit signifikanten Unterschieden der Trächtigkeitsergebnisse klassifizieren. Die Absetzmonate November bis Februar erbrachten im Mittel der ausgewerteten Sauengruppen die nachfolgend höchsten biologischen Leistungen. Demgegenüber schnitten erwartungsgemäß die Sommermonate Juni bis August am schlechtesten ab. Die den Zeiträumen September bis Oktober bzw. März bis Mai zugeordneten Tiere lagen dazwischen.

Wartezeit für Getreide
Alljährlich führt mancherorts die Verfütterung von erntefrischem Getreide zu Aborten. Da mit der Ernte längst noch nicht alle Lebensprozesse im Korn abgeschlossen sind, sondern weiterhin enzymatische gesteuerte Nährstoffeinlagerungen und ein Nachreifungsprozesse stattfinden, kann es zu Verdauungsstörungen mit reproduktiven Leistungsrückgängen der Zuchtsauen kommen. Aus Sicht der modernen Futtermittelkunde wird daher empfohlen, im Hinblick auf die Fütterungseignung des geernteten Getreides eine vierwöchige Lagerungszeit einzuhalten.

Fazit
In den sauenhaltenden Betrieben gilt es, vorausschauend auf mögliche jahreszeitliche Schwankungen der Fortpflanzungsleistungen zu reagieren. Ein saisonal bedingter Abfall der Trächtigkeitsergebnisse, wie er vornehmlich ab Sommerausgang in Erscheinung tritt, wirkt störend auf die angestrebte kontinuierliche Ferkelerzeugung während des ganzen Jahres. Ansatzpunkte gegen das so genannte „autumn abortion syndrome“ sind eher im Management als in infektiösen Fruchtbarkeitsstörungen zu suchen. So sollte Getreide nicht sofort nach der Ernte verfüttert werden und besonders im Herbst auf die Kondition der abgesetzten Sauen geachtet werden. Auch die Untersuchung des neuen Rohstoffs nach Nährstoffgehalten und Mykotoxinen ist wichtig. Nicht zuletzt ist das Stallklima im Spätsommer und Frühherbst starken Außentemperaturschwankungen ausgesetzt. Die aufgezeigten Ansatzpunkte zur Verminderung des „autumn abortion syndrome“ verdienen auch in den bislang weniger erfolgreichen Betrieben eine stärkere Beachtung, um in den kommenden Herbstmonaten gegen mögliche Fortpflanzungsstörungen im Sauenbereich gewappnet zu sein.

Autoren: Johannes HILGERS, Landesverband Rheinischer Schweinezüchter, Meckenheim(D) und Prof. Dr. Uwe HÜHN, Wölfershausen (D)


Aktualisiert am: 04.09.2009 13:09
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