Fruchtbarkeit bei Hochleistungskühen sichern

Fruchtbar können Kühe mit niedriger und hoher Leistung sein. Hochleistungskühe stellen eben nur mehr Ansprüche an das Management. Schlechter Kuhkomfort und unzureichende Brunstbeobachtung lassen die Fruchtbarkeit der Herde oft schlechter aussehen als sie in Wirklichkeit ist.
Bei Kühen mit hoher Milchleistung sinkt die Brunstdauer.
Bei Kühen mit hoher Milchleistung sinkt die Brunstdauer.
Der wirtschaftliche Nutzen einer hohen Fruchtbarkeit bei Milchkühen ist einerseits die hohe Lebensleistung und andererseits die große Anzahl an Kälbern für den Zuchtviehverkauf oder zur Rindermast. Allerdings stellt die Hochleistungskuh hohe Anforderungen bei Management, Fütterung, Stallklima, Liegeflächenbeschaffenheit etc. für eine hohe Fruchtbarkeit, die nicht immer ausreichend erfüllt werden. Deshalb sind Fruchtbarkeitsprobleme ein großes Thema bei Praktikern.

Rückenspeck für Höchstleistung
Wenige Wochen nach der Abkalbung erreichen hochleistende Milchkühe ihre maximale Leistung von 40 bis 60 kg Milch pro Tag. Zu dieser Zeit haben die Kühe jedoch ihre maximale Futteraufnahme noch nicht erreicht, weshalb ein großes Energiedefizit entsteht. So nimmt beispielsweise eine Hochleistungskuh die am 30. Laktationstag 50 kg Milch produziert über das Grund- und Kraftfutter Energie für nur 35 kg Milch auf. Mindestens 15 kg Milch/Tag werden ausschließlich über den Abbau von Körperfett erzeugt! So lange die frischlaktierende Kuh gut frisst, erkennbar an der „vollen“ Hungergrube bei der Kuh, ist das Risiko einer Ketose gering. Erleidet die Kuh in dieser Hochleistungsphase jedoch eine Pansenübersäuerung, aufgrund des zu hohen Getreideanteils im Kraftfutter oder einer zu raschen Kraftfuttersteigerung zu Laktationsbeginn (1,5-2 kg/Woche), sinkt die Futteraufnahme rapide ab und das Energiedefizit vergrößert sich sprunghaft. Damit rutscht die Kuh innerhalb weniger Tage in eine Ketose. Weitere Gründe für eine schwache Futteraufnahme zu Laktationsbeginn sind eine zu fette Körperkondition zur Abkalbung, zu geringe Wasserqualität und –aufnahme, Hitzestress (ab ca. 24°C), Wechsel auf eine wenig schmackhafte, nasse Grassilage und sämtliche Gesundheitsstörungen im Abkalbezeitraum (Lahmheiten, Nachgeburtsverhaltung, Milchfieber). Der starke Körperfettabbau und damit das Ketoserisiko kann mittels Harnteststreifen einfach und schnell überprüft werden. Kühe mit starkem Fettabbau werden zudem meist nicht trächtig.

Autor: DI Matthias Lins, Produktmanager Wiederkäuer, Garant Tiernahrung GmbH, Pöchlarn

Mehr darüber erfahren Sie in der Ausgabe 15 von „Der fortschrittliche Landwirt“

Weiters in dieser Ausgabe:
  • Milchbranche in Belgien
  • Erfolgreiches Zellzahlprojekt mit Tierärzten
  • Weißen Germer rechtzeitig zurückdrängen
  • Kräuteranteil im Grünland



Aktualisiert am: 23.07.2012 16:07
Landwirt.com Händler Landwirt.com User