Fruchtbarkeit: Aborte in einer Sauenherde

Störungen in der Trächtigkeit können verschiedenste Ursachen haben. Neben infektiöser Genese führen Fehler im Herdenmanagement oft zu Problemen.
Im Praxisfall für den Monat Dezember 2010 berichtet Jens Jungbloot, Praxis für tierärztliche Bestandsbetreuung Schwein, 25782 Tellingstedt (D), von einem Schweinehalter in dessen Betrieb Aborte bei den Zuchtsauen immer wieder in unregelmäßigen Abständen auftraten.

Die Untersuchungen

Beim Betriebsdurchgang des Tierarztes hat dieser keine gravierenden Auffälligkeiten bemerkt. Lediglich bei zwei umrauschenden Sauen waren eitrige Bestandteile im Schleim zu sehen. Von diesen Sauen wurden Cervixtupfer gezogen und allgemein bakteriologisch und speziell auf Chlamydien mittels PCR untersucht. Parallel gelangten Blutproben von Sauen, die in der Vergangenheit abortiert hatten, zur Untersuchung auf Leptospirose- und Chlamydien-Antikörper.

Von der nächsten „Abortsau“ wurde das Abortmaterial sauber geborgen und zur Untersuchung gebracht (Foeten und Eihautbestandteile). Im nächsten Schritt wurden Mycotoxinbelastungen ausgeschlossen. Die Blutproben wurden auf Zearalenon, Ochratoxin und DON untersucht, sowie einige Leberenzyme bestimmt.

Ergebnis

Die Blutproben von den „Abortsauen“ ergab in der molekularbiologischen Untersuchung keine Beteiligung von Circovirus, Parvovirus, PRRS-Virus, Leptospiren und auch Chlamydien.

Bei der bakteriologischen Untersuchung der frisch abortierten Foeten fanden sich verschiedene Erreger wie Actinobacillus suis, E. coli und Clostridium perfringens und ergaben so einen weiteren Hinweis auf eine bakterielle Abortursache. Störungen in der Trächtigkeit können verschiedenste Ursachen haben. Neben infektiöser Genese führen Fehler im Herdenmanagement oft zu Problemen. Deshalb ist in so einem Fall mit andauernden, immer wieder auftretenden sporadischen Aborten neben der beschriebenen Diagnostik auch die Haltung, Fütterung, biotechnische Zyklussteuerung und die Besamung zu überprüfen.

Optimierung des Betriebsmanagement

Bei dem Schweinehalter wurde das Betriebsmanagement nochmals Punkt für Punkt überprüft und folgende Änderungen erarbeitet:
  • Infektionsdruck im Abferkelstall senken durch konsequentes Rein-Raus
  • Reinigung und Desinfektion der Abferkelabteile in der Serviceperiode
  • Sauen vor dem Abferkeln (ein-) waschen
  • Eingliederung der Jungsauen mit rechtzeitigem Erregeraustausch
  • Liegeflächen sauber und trocken halten (Einsatz von sog. Hygienepulver)
  • MMA-Prophylaxe durch geburtsvorbereitende Fütterung
  • Trinkwasserhygiene optimeren-Harnwegsinfektionen und pH-Wert des Harnes überwachen
  • Geburtshilfe minimieren und gleichzeitig Hygiene bei der Geburtshilfe optimieren
  • Kontrolle der Sau bis 2 Tage nach der Geburt (Fieber, Futteraufnahme, Ausfluss)


Bei dieser Überprüfung wurden unter anderem Defizite bei der Geburtshilfe festgestellt. So verwendete der Landwirt bei Eingriffen nur einen Einmalhandschuh für alle Sauen der jeweiligen Abferkelgruppe (Quelle: www.pigpool.de)


Aktualisiert am: 02.12.2010 07:44
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