Frankreichs Regierung reagiert auf Bauernproteste

In Frankreich hat die Regierung nach heftigen Bauernprotesten eine strengere Kontrolle der Preise und Margen im Lebensmittelhandel zugesagt.
Die Proteste der französischen Bauern haben Wirkung gezeigt.
Die Proteste der französischen Bauern haben Wirkung gezeigt.
Nach einem Treffen mit den Präsidenten des französischen Bauernverbandes (FNSEA) und der Organisation der Junglandwirte (JA), Jean-Michel Lemetayer und William Villeneuve, kündigte Landwirtschaftsminister Michel Barnier am Samstag an, eine gesonderte Kontrollbrigade in der Wettbewerbsbehörde DGCCRF einzurichten. Die im April ausgelöste Welle an Untersuchungen durch die Behörde soll intensiviert werden. Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht sollen mit Sanktionen geahndet werden. Die Preis- und Margenbildung am Milchmarkt lässt die Regierung gesondert untersuchen. Über die Ergebnisse soll in Kürze ein Bericht vorgelegt werden. Ein weiteres Resultat der Gespräche ist, eine nationale Herkunftskennzeichnung "Ursprung Frankreich" zu erwägen.

Vorangegangene Proteste – die Wut der Landwirte
Aufgebrachte Landwirte hatten in der vergangenen Woche in Frankreich zahlreiche Supermärkte und Einzelhandelslager blockiert. Auch Straßen und Autobahnen wurden mit Schleppern gesperrt. Bei den Aktionen, die nicht alle vom Bauernverband unterstützt wurden, kam es zu Sachschäden. Nach dem Treffen mit der Regierung kündigte der FNSEA die Aufhebung der Blockaden an. Lemetayer begrüßte die Zusagen von Minister Barnier. Endlich habe die Regierung das Ausmaß der Wut unter den Landwirten und deren Forderung nach Transparenz auf allen Handelsebenen anerkannt. Lemetayer sagte zugleich, er sei erst zufrieden, wenn die Ankündigungen in die Tat umgesetzt würden.

Scharfe Kritik von Seiten des Handels
Für Mittwoch hat die Regierung zu einem runden Tisch von Erzeugern, Unternehmen, Handel und Verbrauchern eingeladen. Vonseiten des Einzelhandels wurde die Haltung der Regierung scharf kritisiert. Michel-Edouard Leclerc von der Handelskette Leclerc warf Barnier in einem Interview mit der Zeitung Figaro vor, die EU-Agrarpolitik nicht zu verteidigen und stattdessen den Handel als Sündenbock zu missbrauchen. Der Minister habe seine Glaubwürdigkeit beschädigt, sagte Leclerc. Der Unternehmer stellte die Qualität der Beziehungen zwischen Regierung und Bauernverband in Frage. (AIZ)


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Aktualisiert am: 18.06.2009 22:22
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