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Forst-WM: Österreicher verwandelten Holz in Edelmetall

Kategorien zum Thema: Forstwirtschaft Wald
Wisla war ein guter Boden für Österreichs Forstwettkampf-Elite: Gleich sechs Medaillen brachten die rot-weiß-roten Motorsägen-Athleten heute von der Weltmeisterschaft aus Polen mit.
Bei der WM ging das österreichische Team durch ein Wellental der Gefühle. Foto: kommunikationsagentur sengstschmid
Bei der WM ging das österreichische Team durch ein Wellental der Gefühle. Foto: kommunikationsagentur sengstschmid
Freude, Ärger, Frust, Jubel – so lässt sich die 32. Forstarbeiter-WM in Polen aus österreichischer Sicht kurz zusammenfassen. Es ging vieles schief. Schon nach dem ersten Bewerb war die begehrteste Medaille – Team-Gold – außer Reichweite. Viele Favoriten strauchelten – auch die Österreicher in einigen ihrer Paradedisziplinen. Dennoch blieb die Mannschaft fokussiert, raffte sich auf, holte in Summe sechs Einzelmedaillen und bilanzierte am Ende als erfolgreichstes Team im Medaillenspiegel.

Tiefschläge zum Start

Nach dem ersten Wettkampftag hingen die Köpfe der meisten Österreicher tief. Viel hatte man sich für die Mastenfällung vorgenommen. Dann ging in der Königsdisziplin jedoch vieles daneben. Die beiden Profi-Starter Markus Herzog und Harald Umgeher verpatzten ihre Versuche und konnten damit ihre Ambitionen auf den Gesamtweltmeistertitel begraben. Im Teambewerb war der Zug somit ebenfalls abgefahren. Nur Benjamin Greber fällte den knapp 20 Meter hohen Stamm fast zielgenau: Mit lediglich vier Zentimetern Abweichung auf 15 Metern Entfernung führte der Vorarlberger nach der Hälfte des Bewerbs das Feld an. Dass die Leistung am Ende Bronze bedeutete, wusste er jedoch erst am folgenden Tag, nachdem alle Athleten den Bewerb absolviert hatten. Bis dahin hieß es jedoch noch warten.

Ebenfalls bei der Mastenfällung versuchte sich im Junioren-Bewerb Jürgen Erlacher. Dem Kärntner WM-Debütant gelang kein astreiner Versuch. Ein Rückschlag. Diesen hatte auch der zweite österreichische Junior im Feld, der amtierende Weltmeister Mathias Morgenstern zu verkraften. Er absolvierte am ersten Tag als einziger der rot-weiß-roten Starter die technischen Disziplinen. Beim Kettenwechsel galt er als heißer Medaillenkandidat, doch mit 14 Sekunden platzte dieser Medaillentraum abrupt. Der Titelverteidiger rappelte sich rasch wieder auf. Er brillierte mit einem souveränen Kombinationsschnitt, der Gold bringen sollte – diese Medaille sollte aber ebenfalls erst nach dem zweiten Wettbewerbstag feststehen.

Fabelzeiten und strauchelnde Favoriten

Dieser zweite Tag begann für Österreich erneut durchwachsen. Benjamin Greber, einzig verbliebener Profi auf den Gesamtweltmeistertitel konnte an seinen starken Auftritt bei der Mastenfällung nicht anschließen. In den technischen Disziplinen verlor er wichtige Punkte. Dem Routinier Markus Herzog blieb das Pech weiterhin treu und so verfehlte er in allen Disziplinen das Podium. Es drohte nicht die WM der Österreicher zu werden, doch dann kam Harald Umgeher an die Reihe...

Nach seinem Horrorauftakt beim Mastenfällung schien der Niederösterreicher beim Ketten-wechsel völlig gelöst zu sein. In blitzartigen 8,74 Sekunden hatte er das Schneideblatt ab-montiert, gewendet und eine neue Kette aufgezogen. Damit überraschte er alle – nur nicht den Franzosen Yuan Caparros, der seinen Kettenwechsel als einziger noch flinker durchzog. Nun keimte Hoffnung auf, dass der vielleicht schnellste Kettenwechsler überhaupt, Österreichs Junior-Athlet Jürgen Erlacher, ebenfalls eine Fabelzeit hinknallen würde. Manch einer spekulierte sogar mit einem neuen Weltrekord. Doch weit gefehlt! Mit 14 Sekunden verpatzte er seinen Versuch völlig. Er nahm den Rückschlag jedoch als Motivation und sicherte sich mit einem fast makellosen Präzisionsschnitt sein erstes WM-Gold.

Eine Beinah-Punktlandung

Wenig später stand auch die zweite Goldmedaille fest, da der Kombi-Schnitt von Mathias Morgenstern vom Vortag nicht mehr überboten worden war. Der Cousin von Skisprung-Star Thomas Morgenstern trat wenig später unter Beobachtung fast aller am Wettkampfgelände zum Mastenfällen an. Kein Wunder, denn bei der letzten WM in der Schweiz hatte Morgenstern einen Fabelweltrekord ohne jegliche Abweichung aufgestellt. Genau diese Marke visierte er auch diesmal an. Nur knapp verfehlte er sie, doch mit lediglich vier Zentimetern Abweichung war ihm Gold in dieser Disziplin nicht zu nehmen. Kurz darauf stand auch die Bronzemedaille von Benjamin Greber fest und plötzlich hatte Österreich 3x Gold, 1x Silber und 1x Bronze am Konto. Alle im rot-weiß-roten Lager – von den Coaches bis zu den Fans – atmeten auf. Nun wurde man sogar angriffslustig – hegte man doch auch am Finaltag große Medaillenhoffnungen. Diese sollten sich jedoch nicht erfüllen.

In den spektakulären Disziplinen Länderstafette (Staffelbewerb) und Entasten lief es für die Österreicher überhaupt nicht nach Wunsch. Zwar verfehlten Profi Benjamin Greber und Junior Jürgen Erlacher die Medaillenränge nur knapp, damit verpassten sie jedoch auch Edelmetall im Gesamtklassement. Als letzter Österreicher und Führender in der Juniorenwertung ging Mathias Morgenstern in das nervenaufreibende Finale im Entasten. Sein erklärtes Ziel: Gold in der Gesamtwertung. Bei den 30 abzusägenden Ästen schlich sich trotz reduziertem Risiko ein Schnittfehler ein – einer zu viel für Gesamtgold.

Danach zeigte sich einmal mehr, aus welchem Holz Österreichs Forstwettkämpfer geschnitzt sind: Sie sind Siegertypen. Daher regierte zunächst einmal Ärger über die verpasste Titelverteidigung, doch nach der ersten Emotion freuten sich alle über Morgensterns Silber im Gesamtklassement und gratulierte sportlich fair dem neuen Junioren-Weltmeister Marek Lubas. „Bei der letzten WM war ich knapp vor ihm. Diesmal hat er das glücklichere Ende für sich – ich vergönne es ihm“, freute sich Morgenstern mit dem Slowaken am Siegespodest.

Trainingszentrum für die Zukunft?

Nach dem holprigen Start war es schlussendlich mit sechs Medaillen eine der erfolgreichsten Weltmeisterschaften für Österreich überhaupt! In den Jubel über Platz 1 im Medaillenspiegel mischten sich aber bei Coach Armin Graf bereits Gedanken an die Zukunft. „Man sieht, wie professionell sich alle vorbereiten. Das erkennt man auch daran, wie viele verschiedene Länder Medaillen geholt haben. Jeder Punkt muss mittlerweile hart erkämpft werden. Für die Zukunft brauchen wir unbedingt ein Waldsport-Kompetenzzentrum, wenn wir weiterhin solche Erfolge feiern wollen. Hier sind uns zum Beispiel die Schweizer und Deutschen mit ihren Zentren weit voraus.“ Auf ihn und die restlichen Betreuer rund um das Nationalteam wartet auf jeden Fall viel harte Arbeit, will man bei der nächsten Weltmeisterschaft 2018 in Norwegen an die aktuellen Erfolge anschließen.

Aktualisiert am: 23.09.2016 09:16
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