Finger weg vom Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen

Anlässlich der Novelle des Gentechnikgesetzes bekräftigt der Bayerische Bauernverband (BBV) seine ablehnende Haltung zum kommerziellen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen sowie sein kategorisches Nein zur Patentierung von Pflanzen und Tieren. Diese Stellungnahme hatten Kreisobmänner des BBV bereits am 4. Mai 2006 mit überwältigender Mehrheit beschlossen.

Der Anbau von GMO birgt rechtliche Risiken.
Der Anbau von GMO birgt rechtliche Risiken.
Für den Bauernverband ist unverständlich, dass die Politik im Rahmen der Novelle des Gentechnikgesetzes wesentliche Forderungen des Berufsstandes nicht aufgegriffen hat. So forderten die Kreisobmänner als wichtigste Voraussetzung zur Vermeidung wirtschaftlicher Schäden Saatgutreinheit in Form eines Schwellenwerts von zufällig und technisch unvermeidbaren gentechnischen Veränderungen im Saat- und Pflanzgut von möglichst 0,1 Prozent. Nicht nachvollziehbar ist, dass die Politik einerseits Wahlfreiheit will, aber unterschiedliche Abstände zwischen Anbauflächen mit gentechnisch veränderten Pflanzen und Flächen ohne Gentechnik festlegt, je nachdem ob letztere konventionell oder ökologisch bewirtschaftet wurden. Diese unterschiedliche Handhabung entbehrt jeglicher fachlichen Grundlage. Zudem sind unter der Voraussetzung, dass Sicherheitsabstände auch Wetterkapriolen standhalten müssen, die getroffenen Werte wesentlich zu vergrößern.

Details weiter unklar
Nicht zuletzt hat der Gesetzgeber die Problematik von zufälligen und technisch vermeidbaren gentechnischen Verunreinigungen unter dem gesetzlichen Stellenwert von 0,9 Prozent, die hohe wirtschaftliche Schäden von Nichtnutzern der Gentechnik mit sich bringen kann, in der Novelle des Gentechnikgesetzes ignoriert. Unerklärlich und sicherlich nicht im Sinne des Verbrauchers ist die in der Novellierung des Gentechnikgesetzes beschlossene, nun mögliche Kennzeichnung von Lebensmitteln „Ohne Gentechnik“. Demnach kann die Kennzeichnung von Lebensmitteln „Ohne Gentechnik“ im Grundsatz schon dann verwendet werden, wenn kein kennzeichnungspflichtiges Futtermittel zum Einsatz kommt. Nicht mehr generell untersagt wäre es, mit Hilfe von Gentechnik gewonnene Enzyme, Vitamine, Verarbeitungshilfsstoffe in Produktion und Verarbeitung einzusetzen. Diese Vorgehensweise sei unverständlich und verunsichere die Verbraucher. Der Bayerische Bauernverband forderte eine klare Linie ein: Wer „Ohne Gentechnik“ ausloben will, der darf weder direkt noch indirekt gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in der gesamten Produktionskette – von der Verfütterung bis zur Verarbeitung – verwenden. Erneut bekräftigt der Berufsstand seine Position, dem Verbraucher mit Klarheit und Wahrheit gegenüberzutreten. Schon heute macht die Landwirtschaft deutlich, dass sie jegliche Verantwortung für mögliche aufkommende Vorwürfe, die Verbraucher zu täuschen, zurückweist. Leider bringt das neue Gentechnikgesetz nicht den erhofften Schutz der landwirtschaftlichen Betriebe, die auf den Anbau gentechnisch veränderten Pflanzen verzichten. Auch von daher kann es nur eine Devise geben: Finger weg vom Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen!


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Aktualisiert am: 10.02.2008 20:56
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