Finanzkrise: Landwirtschaftliche Preise im Sog der Bankenkrise

Auch wenn ein Zusammenhang zwischen Weizenpreis und Bankenpleiten auf den ersten Blick nicht plausibel erscheint, ist doch die derzeitige Entwicklung an den landwirtschaftlichen Rohstoffbörsen durchaus auch mithilfe der Bankenkrise erklärbar.
Ölpreis und Getreidepreis bewegen sich im Gleichschritt nach unten. Taktgeber ist die Bankenkrise, die beiden Rohstoffmärkten Liquidität entzieht.
Ölpreis und Getreidepreis bewegen sich im Gleichschritt nach unten. Taktgeber ist die Bankenkrise, die beiden Rohstoffmärkten Liquidität entzieht.
Die Ölmarktnotierungen bewegen sich derzeit weit unter ihren Höchstnotierungen vom vergangenen Sommer. Preisrückgange in vergleichbarer Größenordnung vollziehen auch Raps und Weizen. Das wirkt unverständlich, da zwischenzeitlich keine merkliche Verschlechterung der fundamentalen Gegebenheiten wie ein erheblich über den Ernteschätzungen liegender Ertrag eingetreten ist. Besser noch: Sowohl bei Raps als auch bei Weizen verringert sich das Verhältnis von Angebot und der überlagerten Menge, die in das folgende Wirtschaftsjahr übernommen wird. Allgemein gilt das als erster Hinweis für anziehende Notierungen. Bleiben diese nun aus, gilt es nach Ursachen außerhalb der Landwirtschaft zu suchen.

Bankenkrise killt Rohstoffpreise
Die Bankenkrise ist schnell als Schuldiger ausgemacht. Kein Geldinstitut will in der Folge mehr dem anderen neues Geld leihen, der Geldmarkt trocknet aus. Auch Fonds, darunter die viel gescholtenen Hedgefonds, sehen sich mit der gleichen Problematik konfrontiert. Um sich Liquidität zu verschaffen, beenden diese ihre Engagements an den Terminmärkten, gleich ob in Futures oder Optionen (Fachausdruck Glattstellen). Wohl geht es auch hier nicht ohne Verluste ab, das ist nun der Preis für ausreichende Liquidität. An allen Warenterminmärkten führt das zum Geldmittelentzug in Milliarden Dollar Höhe. Der Effekt sind nachgebende Notierungen, derzeit von 60 €/t beim Raps und 40 €/t beim Weizen gegenüber den Augustpreisen.

Weltweit sinkende Nachfrage nach Fleisch
All das schürt zusätzlich die Furcht, dass die Weltwirtschaft in eine Rezession abgleitet. Das führt in der Folge bei Lebensmittel zu einer weltweit abnehmenden Nachfrage nach Rind- und Schweinefleisch. Der Bedarf an Futtergetreide lässt nach, deren Preis sinkt. Ölsaaten, die andere wichtige Ackerfrucht, schaffen eine Alternative für mineralische Kraftstoffprodukte. Raps ersetzt dabei Diesel, und Mais ersetzt Benzin. Folglich können diese Rohstoffe nur wettbewerbsfähig bleiben, indem sie im Gleichschritt mit Mineralöl den zuvor beschriebenen Preisrückgang nachvollziehen. Das vollzieht der Markt derzeit in schmerzlicher Konsequenz.
All das beeinträchtigt die Ökonomie der Landbewirtschaftung. Das Zusammentreffen steigender Betriebsmittelpreise und fallender Produktnotierungen führt bei den Landwirten zu einer ökonomisch problematischen Situation. Hält das weiter an, veranlasst das Geldinstitute, restriktiver bei der Kreditvergabe zu verfahren.
Andererseits geht die Ernte bei den Druschfrüchten dem Ende entgegen. Maßgeblich für die künftige Preisfindung bildet aber nicht mehr das gegenwärtige, sondern bereits das künftige Angebot an Druschfrüchten. Deren Angebotsumfang richtet sich nach der dem Grad der Abdeckung der gesamten Produktionskosten einschließlich des notwendigen Gewinnaufschlags.
Erreicht die erwartete Marktleistung (Preis x Menge pro ha) nicht dessen Höhe, suchen Landwirte nach Alternativen. Entweder durch das Ausweichen auf andere Ackerfrüchte. Ist das nicht mehr möglich, gilt es an Kostenschrauben wie zB dem Düngerverbrauch zu drehen oder Investitionen zu verschieben.
Betriebswirtschaftlich richtige Anbauentscheidungen für den eigenen Betrieb zu treffen, verlangt sich mit den Anbaukosten auseinanderzusetzen und die einer möglichen Marktleistung gegenüber zu stellen. Ein Kalkulationsprogramm kann beim Autor unter der e-mail Adresse joachim.ruhmann@dlr.rlp.de kostenlos angefordert werden

Autor: Joachim RUHMANN, DLR Bad Kreuznach (D)


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Aktualisiert am: 23.10.2008 15:33
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