Ferkelverluste durch Sofortmaßnahmen nach der Geburt senken

Die ersten Stunden nach der Geburt sind für die neugeborenen Ferkel entscheidend. Lesen Sie im folgenden Beitrag, welche Sofortmaßnahmen zur fachgerechten Ferkelerstversorung gehören, um Ferkelverluste zu vermeiden.
Zu hohe Saugferkelverluste sind leider immer noch ein großes Problem in den Ferkelerzeugerbetrieben. Die wichtigsten Verlustursachen sind Totgeburten, Erdrücken, Gelenksentzündungen, Unterkühlung und Durchfälle.

Frühe Biestmilchaufnahme als A & O

An erster Stelle der Gesundheits- und Vitalitätsvorsorge der Ferkel steht die möglichst frühe Kolostralmilchaufnahme. Denn die Biestmilch enthält lebensnotwendige Energie, Vitamine und maternale (mütterliche) Antikörper gegen Erkrankungen, die für das Ferkel nach dem Geburtsstress. Je geringer das Geburtsgewicht der Ferkel ist, umso wichtiger ist jedoch eine sofortige Biestmilchaufnahme, um ein weites Absinken der Körpertemperatur zu vermeiden.

Trockenreiben und viel Wärme

Gerade geborene Ferkel haben so gut wie keine isolierende Fettschicht. Sie kühlen sofort aus, wenn sie eine nicht entsprechend warme Umwelt vorfinden. Je niedriger die Umgebungstemperatur, desto kritischer ist die Lage für die Ferkel. Der Abferkelstall sollte rund um die Geburt auf 23 °C aufgeheizt werden und weitere Wärmequellen (Heizplatte, Infrarotlampe) müssen den Wärmebedarf der Ferkel decken. Hilfreich ist es auch, die Ferkel nach der Geburt vorsichtig trocken zu reiben. Das beugt der Auskühlung vor und regt den Kreislauf an.

Wurfausgleich - aber nicht sofort

Mit dem Wurfausgleich erhöht sich bei sehr großen Würfen die Anzahl der überlebenden Ferkel, weil die untergewichtigen Tiere beispielsweise an Jungsauen mit kleineren Zitzen angelegt werden können. Die Ferkel sollten erst nach ausreichender Biestmilchaufnahme, jedoch unbedingt in den ersten 48 Lebensstunden versetzt werden, weil sich ansonsten schon eine Zitzenrangordnung gebildet hat. Einige Sauenhalter empfinden es als praktisch alle "Problemferkel" (z.B. Spreizer) an eine Sau zu setzen, so haben sie alle Spezialfälle sofort im Blick.

Nabelschnüre behandeln

Die Nabelschnur der neugeborenen Ferkel sollten nicht sofort, sondern erst nach einigen Minuten abgetrennt werden, um die Sauerstoffversorgung durch die Sau noch ein wenig auszunutzen. Eine Restnabellänge von maximal zehn Zentimetern ist anzustreben, damit die Enden nicht wie Dochte durch den Spaltenboden in die Gülle hängen.

Sauengesundheit im Auge behalten

Neben der Ferkelgesundheit ist aber natürlich auch die Sauengesundheit im Auge zu behalten. Bei aller Ferkelpflege darf das Wohlbefinden der Sau nicht vergessen werden, denn z.B. MMA-Probleme machen den gesündesten Ferkeln das Leben unnötig schwer.


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Aktualisiert am: 04.04.2009 22:44
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