Ferkelproduktion: Wissen, was Ihre Sauen wollen!

Die Möglichkeiten zur Gestaltung von Abferkelbuchten sind vielschichtig. Neben der Buchtengröße spielen auch „Hilfsmittel“ wie Abliegebügel oder die Standflächenerhöhung eine wesentliche Rolle in der Planung für einen Abferkelstall. Doch nicht jedes vermeintliche Hilfsmittel hilft wirklich…
Die Buchtengröße allein begrenzt zunächst nur die Fluchträume für die Ferkel.
Die Buchtengröße allein begrenzt zunächst nur die Fluchträume für die Ferkel.
Die Fixierung der Sauen während der Säugeperiode ist aktiver Tierschutz für die Ferkel. Alle Formen von Bewegungsbuchten, die eine Bewegung der Sauen auf engem Raum ermöglichen sollen, erhöhen die Ferkelverluste in eigenen Versuchen und in Versuchen in der Literatur um 3 bis 5%. Gleichzeitig muss die Haltungstechnik auch auf die Bedürfnisse der Sauen zugeschnitten sein.

Sauen liegen beinahe 22 Stunden pro Tag
Welche Anforderungen an die Haltungstechnik zu stellen sind, sagen die Sauen uns mit ihrem Verhalten, was am besten anhand einer 24 h Videoanalyse beurteilt werden kann. Damit wurden 10 unterschiedlich alte Sauen an einem Säugetag je Säugewoche in auf einander folgenden Säugeperioden von 28 Tagen untersucht. Die Sauen lagen durchschnittlich 21 Stunden und 40 Minuten. In dieser Zeit wurden 38 Säugeakte über eine Zeit von 3 Stunden und 48 Minuten beobachtet. Die Tiere standen je Tag 14 mal (!) auf und verbrachten durchschnittlich 2 Stunden und 19 Minuten stehend, d.h. vorwiegend zum Aufnehmen von Futter und Wasser. Damit ist zunächst klar, dass die Standplatzbemessung und Fußbodengestaltung eine hohe Standsicherheit und Hygiene mit einem guten Liegekomfort verbinden muss, damit eine ausreichende Säugeleistung, Kotdrainage und Verletzungsfreiheit (Schulterverletzungen) gewährleistet sind.



Große Würfe erhöhen die Anforderungen
Mit der Zucht auf höhere Fruchtbarkeit steigen je nach verwendeter Genetik zunächst auch die Ferkelverluste und zwar für die einzelnen Verlustursachen unterschiedlich stark an. Die Verluste sind umso mehr je höher das Verlustniveau bereits ist.
Während sich die Rate der verendeten Ferkel bei der Erhöhung der Anzahl lebend geborener Ferkel von 9 auf 14 verdoppelt, kommt es beinahe zu einer Verfünffachung der Erdrückungsrate. Die Rate der gemerzten Ferkel verdreifacht sich. Die Untersuchungen in sächsischen Praxisbetrieben zeigen, dass die Vitalität der Ferkel, die Säugeleistungen der Sauen und auch die Haltungstechnik zum begrenzenden Faktor werden, besonders dann wenn die Würfe zukünftig noch größer werden soll(t)en.

Fazit
Mit zunehmender Wurfgröße steigen die Ferkelverluste. Die Grundlagen für eine geringe Verlustrate werden in der Herdenstruktur angelegt, weil Jungsauen und ältere Sauen mehr Probleme in unausgeglichenen Würfen anlegen oder provozieren. Ein entscheidendes Kriterium zur Verbesserung der Verlustsituation liegt in der Vitalität der Ferkel. Das Erdrücken aber auch Verenden der Ferkel ist neben dem Management vor allem durch die Haltungstechnik zu beeinflussen. Ausreichend große Buchten sichern Fluchträume für die Ferkel, wobei nicht die absolute Größe sondern mehr die entstehenden Engpässe in der Bucht von Bedeutung sind. Die Diagonalaufstallung ist in diesem Zusammenhang günstiger zu bewerten. An die Fußbodengestaltung sind aber höhere Anforderungen zu stellen. Für die Verletzungsfreiheit der Gesäuge sind scharfe Kanten offensichtlich noch wichtiger zu bewerten als die Standsicherheit der Sauen. Die Erhöhung der Standfläche der Sau um 3-5 cm führt nur bei sehr knapp bemessenen Buchten zu Vorteilen, bei Standardbuchten ist sie eher nachteilig. Auch die Korbhöhe kann die Ferkelverlustrate beeinflussen. Die Standsicherheit der Sauen muss durch eine optimale Korbeinstellung gewährleistet sein und auch tierindividuell angepasst werden können. Die in der Praxis anzutreffenden Ferkelnester mit einer Größe von einem halben m² sind bereits für normal große Würfe zu klein. Zu kleine Ferkelnester schaden vor allem den schwachen Ferkeln mit dem höchsten Wärmebedarf. Beim Bau muss man nicht zuletzt daran denken, dass die Zucht zukünftig vermutlich eher zu noch größeren Sauen und Würfen führen wird.



Autor: Dr. Eckhard MEYER, Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft, Köllitsch (D)


Aktualisiert am: 08.05.2008 10:23
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