Ferkel: Verluste im Stall durch gezielte Maßnahmen reduzieren

Die meisten Ferkelverluste treten unmittelbar nach der Geburt auf. Um die Ferkelverluste zu reduzieren, muss die Vitalität der Neugeborenen gefördert und die Geburten kontrolliert werden.
Etwa 50 Prozent der Ferkelverluste, bezogen auf alle Verluste, entstehen durch Erdrücken und ein Drittel durch Lebensschwache, den restlichen Verlust gibt es aufgrund von Durchfall, Missbildungen, Spreizer, Unterkühlung, Totbeissen, Gelenkenzündungen und anderen Krankheiten. Die meisten Ferkelverluste treten unmittelbar nach der Geburt auf. Wer die Ferkelverluste nachhaltig reduzieren will, muss seine Aufmerksamkeit daher auf diesen geburtsnahen Zeitraum konzentrieren. Während dieser Zeit gilt es, gezielte Maßnahmen zur Reduzierung der Verluste einzuleiten. Diese sind vor allem Schutz vor Unterkühlung, Erdrücken und schnelle Aufnahme der Biestmilch.

Die frühe Kolostrumaufnahme ist wichtig für die Aufzucht- und Entwicklungschancen der Ferkel. Die zuerst geborenen Ferkel eines Wurfes benötigen zwar längere Zeit bis zur ersten Kolostrumaufnahme als später geborene Tiere, da bestimmte Orientierungshilfen, wie feuchte und klebrige Zitzen fehlen. Sie haben aber den grossen Vorteil, dass sie am schnellsten die erste Kolostrummilch mit der höchsten Konzentration an Antikörpern gegen stallspezifische Krankheitskeime erhalten. Eine Auswertung von über 700 Ferkeln zeigte, dass dank einer sehr frühen Kolostrumaufnahme die Ferkelverluste geringer waren. Die Tageszunahme bis zum 28. Tag war um 16 g höher als bei denjenigen, welche die Kolostrummilch später erhielten.

Ferkel kühlen schnell aus

Die Lufttemperatur bei der Geburt der Ferkel und nicht im Ferkelnest hat grossen Einfluss auf die Vitalität und Mobilität der Neugeborenen. Mit steigender Lufttemperatur reduziert sich der Abfall der Körpertemperatur nach der Geburt deutlich. Wir wissen, dass sich die Körpertemperatur innerhalb von 30 Minuten nach der Geburt bei einer Stalltemperatur von 17° C um etwa 3,5° C senken kann. Liegt die Stalltemperatur bei 25° C, sinkt die Körpertemperatur im gleichen Zeitraum nur um 1,4° C. Hohe Lufttemperaturen im Abferkelabteil haben also einen positiven Einfluss auf den Temperaturabfall bei den Neugeborenen.

Aber Achtung, für die Sau sind hohe Stalltemperaturen negativ, weil der Kreislauf zusätzlich belastet wird. Während der Geburt sollte deshalb in den Abferkelställen eine optimale Temperatur (25°C) eingestellt sein. Danach kann die Stalltemperatur im Abferkelställen ohne Nachteile für die Ferkel auf 18 bis 20° C abgesenkt werden. Denn die Saugferkel besitzen nach der Geburt noch kein vollständig ausgebildetes Temperaturregulationsvermögen und sie nehmen niedrige Fussbodentemperaturen nur unzureichend wahr.

Zusammenfassung

Mehr als die Hälfte der Ferkelverluste sind in den ersten drei Lebenstagen zu beklagen. Gerade deshalb ist es wichtig, die Vitalität der neugeborenen Ferkel zu erhöhen und die Kontrollen im geburtsnahen Zeitraum zu verbessern. So lässt sich die Gefahr reduzieren, dass die Neugeborenen auskühlen. Eine frühe Kolostralmilchaufnahme verbessert die Überlebenschancen der Ferkel erheblich. Untergewichtige Tiere sind rechtzeitig per Hand an das Gesäuge zu setzen. Während der Geburt sollte eine optimale Stalltemperatur eingestellt werden, damit die frisch geborenen Ferkel nicht auskühlen. (Quelle: schweizerbauer.ch)


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Aktualisiert am: 31.05.2010 18:38
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