Ferkel-Schutzkörbe in Diskussion

Während vermeintliche Tierschützer durch die Haltung der Zuchtsauen in der Säugephase in Ferkelschutzkörben für die Muttersauen Tierleid orten, betonen die Landwirtschaftsvertreter, dass dadurch jedes Jahr hunderttausende Ferkel allein in Österreich vor dem Tod durch Erdrücken gerettet werden.
Tierhaltung in Österreich: Tierschutz-Standards sehr hoch

Die Volksanwaltschaft hatte Anfang Jänner kritisiert, dass das Tierschutzgesetz Ferkelschutzkörbe verbiete, diese jedoch mittels einer speziellen Verordnung erlaubt worden seien, weshalb angebliche Missstände geortet wurden. Ohne Abstimmung mit der Landwirtschaftsbranche kündigte Gesundheitsminister Alois Stöger daraufhin am Sonntag in einer kleinformatigen Tageszeitung an, am darauffolgenden Tag einen neuen Verordnungsentwurf in Begutachtung schicken zu wollen. Wie in Branchenkreisen verlautbart, wurde der Minister daraufhin von seiner eigenen Partei zurückgepfiffen, weshalb das Vorhaben vorerst auf Eis gelegt worden ist. Stöger wurde aufgefordert, seine Pläne primär einmal mit der Landwirtschaft auf ihre Praxistauglichkeit und den Tierschutz-Nutzen hin zu überarbeiten. Tatsache ist auch, dass die österreichischen Tierschutz-Bestimmungen voll und ganz den EU-Standards entsprechen, ja diese in vielen Bereichen sogar weit übertreffen.

Berlakovich: Dürfen bäuerliche Schweineproduktion nicht gefährden

"Ich habe Minister Stöger klar gesagt, dass mein Haus keiner Regelung zustimmen wird, die ohne Abstimmung mit der betroffenen Branche entstanden ist. Das Gesundheitsministerium muss zurück an den Start, ernsthafte Gespräche mit der Schweinebranche führen um dann gegebenenfalls praxistaugliche Regelungen zu erarbeiten. Unsere Bauern stehen im harten Wettbewerb. Wir dürfen nicht unüberlegt die bäuerliche Schweineproduktion in Österreich gefährden", erklärte Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich gegenüber aiz.info.

Ferkelschutzkörbe international als ethologisch vertretbar gewertet

"Die Volksanwaltschaft und die angeblichen Tierschützer vergessen in der aktuellen Debatte zu erwähnen, dass die durch den Ferkelschutzkorb vorübergehend erzeugte Bewegungseinschränkung der Zuchtsau kurz vor und nach der Geburt sehr viele Ferkelleben rettet, da die jungen Tiere ansonsten oftmals erdrückt werden. Laut Expertenschätzung beträgt die Zahl der auf diese Weise allein in Österreich geretteten Ferkel-Leben bis zu 500.000 Tiere pro Jahr. Aus diesem Grund wird die zeitliche Bewegungseinschränkung in der internationalen Nutztierhaltung auch aus ethologischer Sicht als vertretbarer Kompromiss angesehen. Nach dieser Säugezeit werden die Muttersauen von den Ferkeln getrennt und kommen in die Gruppenhaltung, die nach 2012 verpflichtend zu erbringen ist", betonte die Landwirtschaftskammer Österreich gegenüber aiz.info. "Schließlich muss man bei der Beurteilung der Sachlage auch dieses wichtige Faktum für den Tierschutz beachten. Denn je geringer der Schutz für die in den ersten Lebenswochen noch sehr ungeschickten Ferkel ist, umso mehr tote Tiere gibt es", so die LK Österreich.

Schweinefleisch: Immer mehr Auflagen zu Billigstpreisen unmöglich

"Wir stehen dem Ausbau des Biolandbaus in der Schweinehaltung genauso konstruktiv gegenüber, wie der Forschung zur Entwicklung und Verbreitung neuer und besserer Haltungssysteme. Tierschutz in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung ist jedoch ein verantwortungsvoller Abwägungsprozess zwischen dem Bedarf des Tiers, des Managements, der ökonomischen und ökologischen Machbarkeit sowie der Umsetzbarkeit am Markt. Wer immer strengere Tierschutzauflagen für Schweinehalter verlangt, gleichzeitig aber Schweinefleisch aus Österreich zu Billigstpreisen haben will, nimmt in Kauf, dass noch mehr kleine und mittlere bäuerliche Betriebe die Schweinehaltung aufgeben müssen", warnte die LK Österreich vor den negativen Folgen (Quelle: AIZ)


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Aktualisiert am: 10.02.2011 14:17
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