Ferkel: Lebenselixier Biestmilch nach der Geburt

Ohne ausreichende Kolostralmich-Aufnahme haben neugeborene Ferkel kaum eine Überlebenschance. Was aber macht die Biestmilch so kostbar und wie können Sie die Kolostrumbildung bei den Sauen optimieren?
"Von 17 Ferkeln, die in den ersten 24 Std. keine Biestmilch aufgenommen haben, überlebten nur zwei bis zum Absetzen. 14 Ferkel sind bereits während der ersten drei Tage nach der Geburt gestorben und ein Ferkel im Verlauf der Säugezeit", berichten Untersuchungen aus Kanada.

Was macht die Biestmilch so kostbar?

Zum einen enthält sie in den ersten Lebensstunden der Ferkel, sprich kurz nach der Geburt, besonders viel Protein und Energie. Zum anderen ist das Kolostrum reich an Vitaminen und Antikörpern. "Diese benötigen Ferkel zum Aufbau ihres Immunsystems." Im Durchschnitt sollten neugeborene Ferkel in den ersten 24 Lebensstunden rund 300 g Kolostrum aufnehmen, und zwar je eher, desto besser.

Jede 5. Sau produziert zu wenig Biestmilch

Die gebildete Kolostrummenge liegt in den ersten 24 Std. bei rund 3,6 kg je Sau; Schwankungen von 1,9 bis über 5 kg sind möglich. Daher kann man davon ausgehen, dass etwa jede fünfte Sau zu Kolostrum produzieren, um die Aufnahme von rund 300 g Kolostrum für alle Ferkel zu ermöglichen.

Wie kann die Milchproduktion der Sau gefördert werden?

Um die Milchproduktion der Sauen zu fördern, sollten diese in der Trächtigkeit nicht überkonditioniert werden. Folge wäre die Fetteinlagerung ins Gesäuge, so dass der Aufbau des milchbildenden Gewebes gestört wird. Ein energiereiches Futter zur Laktation erhöht auch den Energie- und Lactosegehalt in der Biestmilch. Ebenso führt eine gute Versorgung der Sau mit den Vitaminen A und E zu hohen Gehalten dieser Vitamine im Kolostrum. Ungleichgewichte im Hormonhaushalt der Sau – insbesondere hohe Progesteron- und niedrige Prolaktin-Gehalte – hemmen die Milchbildung. Auch durch eine zu frühe hormonelle Geburtseinleitung wird der Hormonhaushalt und damit die Kolostrumproduktion gestört. Deshalb sollte eine Geburtseinleitung nicht vor dem 114. Trächtigkeitstag erfolgen. Weitere "Milchblocker" sind Stress und Unruhe bei der Geburt. Wie aus den kanadischen Untersuchungen weiterhin hervorgeht, bilden Sauen mit hohen Wurfgewichten und gleichmäßigen, einheitlichen Ferkeln die meiste Milch. "Es scheint eine positive Korrelation zwischen dem Wurfgewicht sowie der Homogenität des Wurfes und der Biestmilchproduktion zu bestehen."

Melken Sie die Zitzen an

Das Anlegen der Ferkel an die Zitzen ist für viele Betriebe bereits zur Routine geworden. Manche Zitzen sind oft schwer gängig. D.h. die Ferkel müssen oft viel Energie aufwenden um die erste Milch herauszusaugen. Melken Sie nun die Zitzen während der Geburt an, gelingt es den Ferkeln mit weniger Anstrengung an die Milch zu gelangen.

(Quelle: SUS 1/2009)


Autor:
Aktualisiert am: 08.03.2009 11:31
Landwirt.com Händler Landwirt.com User