Ferkel: Bei großen Würfen muss alles stimmen!

Die Fruchtbarkeit gemessen an der Anzahl lebend geborener Ferkel steigt bei allen Schweineherkünften. Jetzt kommt es darauf an, möglichst viele der bei Geburt zunehmend leichteren Tiere gesund aufzuziehen.
Die Milchbildung der Sauen stellt die Lebensversicherung für die zunehmend leichteren Saugferkel dar.
Die Milchbildung der Sauen stellt die Lebensversicherung für die zunehmend leichteren Saugferkel dar.
Steigende Fruchtbarkeit erfordert ein verbessertes Management, sonst steigen die Verluste schneller als die Leistung. Der Anstieg der Ferkelverlustrate kann ab etwa 12- 13 lebend geborenen Ferkeln einen nahezu exponentialen Verlauf nehmen. Dabei spielt die zunehmende Streuung der Würfe eine Hauptrolle. Diese führt besonders zum Ende der Säugezeit zu unausgeglichenen Absetzgewichten.

Milchbildung und Gesäuge
Das Geheimnis geringer Ferkelverluste bei steigendem Fruchtbarkeitsniveau scheint von der Gleichmäßigkeit der Milchbildung der einzelnen Gesäugeabschnitte abzuhängen. Während das Risiko von Schürf- und Schälwunden und Zitzenverlusten von vorne nach hinten kontinuierlich zunimmt, nimmt die Intensität der Milchabgabe von vorne nach hinten ab. Wenn zukünftig noch mehr Ferkel abgesetzt werden sollen, muss dieser Zusammenhang auch züchterisch aufgebrochen werden.
Aber auch der Tierhalter kann gegensteuern, indem er auf die Qualität des Gesäuges achtet. Oft sind es auch immer dieselben Sauen, die mehrere Ferkel in den ersten Lebenstagen verlieren. Solche Sauen sind in einer Abferkelgruppe entsprechend zu betreuen oder im Einzelfall rechtzeitig zu merzen. Dabei muss aber immer berücksichtigt werden, dass das Fundament der Leistung die Herdengesundheit ist, die nachhaltig von der Altersstruktur der Herde beeinflusst wird. Mehr als 50 % der Herde sollten aus den belastbaren Wurfnummern 3-5 bestehen.

Bündelung der Maßnahmen
Eine wichtige Maßnahme kann es auch sein die Ferkel am ersten Lebenstag möglichst in Ruhe zu lassen. Das Zähneschleifen und Schwanzkupieren mit heißer Klinge kann –wenn notwendig - mit hoher Sorgfalt bereits am Tag der Geburt durchgeführt werden. Frühe Eiseninjektionen (vor dem 3. Lebenstag) setzen unbedingt eine ausreichende Milchaufnahme voraus, eine zu frühe Eiseninjektion ist aber weniger schädlich als eine zu späte nach dem 5. Lebenstag. Die Kastration sollte nicht vor dem dritten Lebenstag durchgeführt werden. Aus der Praxis wird oft über positive Effekte von gebündelten Maßnahmen (Zähneschleifen, Eiseninjektion, Frühkastration, Mykoplasmenimpfung berichtet. Oft zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass mit der vorgenommenen Bündelung der Maßnahmen häufig auch eine zusätzliche Antibiose durchgeführt wird, die vermutlich den größten Anteil an der Verbesserung der Verlustsituation bringt. Andererseits sind Antibiosen kein Allheilmittel und verursachten in manchen Exaktversuchen auch negative Effekte. Deren Einsatz muss betriebsindividuell mit dem Betreuungstierarzt geklärt werden.

Autor: Dr. Eckhard MEYER, Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Lehr- und Versuchsgut Köllitsch (D)


Aktualisiert am: 20.01.2010 17:13
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