Farmwild - Eine Alternative für das Grünland

Zur Aufrechterhaltung einer flächendeckendenGrünlandbewirtschaftung werden arbeitsextensive und wirtschaftlich interessante Alternativen immer wichtiger. Das betrifft auch die Farmwildhaltung, die Haltung von Wildtieren in landwirtschaftlichen Produktionsgattern.
Die Farmwildhaltung ist eine Chance für die Freihaltung von Grünlandflächen.
Die Farmwildhaltung ist eine Chance für die Freihaltung von Grünlandflächen.
Farmwild wird zunehmend eine wirtschaftlich interessante Alternative für das Grünland. Diesen Umstand machte auch das LFZ Raumberg- Gumpenstein mit dem Workshop „Farmwild-von der Weide bis zu Fleischqualität“ zum Thema. „Immer mehr landwirtschaftliche Betriebe steigen in die Farmwildproduktion ein“, so Robert Riemelmoser vom Verband landwirtschaftlicher Wildtierhalter in der Steiermark im Rahmen des Workshops. Derzeit werden in Österreich auf 2000 Betrieben rund 43.000 Stück Farmwild auf einer Fläche von 20.000 Hektar gehalten. Meist betreiben kleinere landwirtschaftliche Betriebe Farmwildhaltung. Zwei Drittel der Betriebe sind laut Riemelmoser im Nebenerwerb tätig.

Damwild gefragt
Auch Sika- und Davidshirsche sowie Wildschweine und Mufflons spielen eine Rolle in der Farmwildhaltung. Doch am häufigsten werden in Österreich Dam- und Rotwild im Gatter gehalten. So auch bei Jürgen Laban am Gut Jägerhof in Semriach. Der Steirer hält 80 Stück Damwild und 20 Stück Rotwild auf rund 10 Hektar. Neben der Steiermark ist die landwirtschaftliche Gatterwildhaltung vor allem in Ober- und Niederösterreich angesiedelt.
Die Preise für Zuchttiere variieren, Rothirsche gibt es ab ca. 870 Euro zu kaufen, Damhirsche ab 430 Euro. Beschlagenes Damwild kostet den Halter in der Anschaffung 250 Euro, beschlagenes Rotwild 580 Euro.

Die Weide
„Durch Wildgehege können sonst unrentable Steilflächen freigehalten werden“, betont Riemelmoser. Auch bei Jürgen Laban war eine sinnvolle Verwertung zum Teil steiler Grünlandflächen ausschlaggebend für den Einstieg in die Gatterwildhaltung. Entscheidend ist die richtige Pflege der Grünlandflächen, um optimale Futterqualitäten zu erreichen. Dazu gehören Pflegemaßnahmen wie z.B. das Abschleppen der Flächen im Frühjahr oder ein regelmäßiges Koppelputzen zur Entfernung selektierter Pflanzen. Auch an eine Über- oder Nachsaat der Weideflächen mit hochwertigem Saatgut muss gedacht werden.
Großteils werden Farmwildgehege als Standweiden geführt, weiß Johann Häusler vom LFZ Raumberg-Gumpenstein. Moderne Standweiden sind Kurzrasenweiden mit einer durchschnittlichen Rasenhöhe zwischen 5 und 7 cm. Teilweise werden die Tiere auch auf Koppelweiden gehalten, was in der Praxis jedoch aufwendiger ist. Mindestkoppelgrößen sowie Besatzstärke sind gesetzlich geregelt.

Vermarktung und mehr
Derzeit sind auch die Preise für Wildfleisch bei Vermarktung über den Wildhandel (1,20 Euro/kg) nicht berauschend. Aber Abnehmer für das Fleisch sind vorhanden. „Die Vermarktung ist kein Problem, ich könnte drei Mal so viel Wildfleisch verkaufen“, erzählt Laban, der Abnehmer in der näheren Umgebung mit Bio-Wildfleisch versorgt. Die Schlachtgewichte bei Damwild liegen zwischen 25 und 30 kg, bei Rotwild um die 50 kg. Die Stücke werden im Herbst, einjährig, erlegt. Jürgen Laban erzielt derzeit Preise von 4,40 bis 5,20 Euro/kg.
Dass Farmwildhaltung aber nicht nur aus Weidemanagement und Vermarktung besteht, machen auch die weiteren Vorträge zu Themen wie Tierschutz, Infektionskrankheiten, Endoparasiten, Fleischqualität bis hin zum Spannungsfeld zwischen Jagd und Farmwildhaltung klar.
www.wildhaltung.at

Autorin: Reinhild JÄGER, Oberaich


Autor:
Aktualisiert am: 04.11.2009 15:02
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